„Grillen mit Ministerpräsident Michael Kretschmer und dem Bundestagsabgeordnetem Florian Oest“
Politik und Wirtschaft im direkten Austausch, aktuelle Reformvorhaben im Bund und die wirtschaftliche Lage im Freistaat Sachsen: Beim „Grillen mit Ministerpräsident Michael Kretschmer und dem Bundestagsabgeordneten Florian Oest“ kam der Wirtschaftsrat der CDU e.V., Landesverband Sachsen, am 28. August 2026 in der Diakonie St. Martin in Rothenburg/O.L. mit Unternehmern, Verantwortlichen aus der Pflege und zahlreichen Gästen zu einem offenen und intensiven Gespräch zusammen.

Gastgeberin und Vorständin der Dakonie St. Martin,
Mandy Köhler bei ihrer Begrüßungsrede
(Foto: Wirtschaftsrat)
Die Einladung bezeichnete die Veranstaltung ausdrücklich als Gelegenheit zum Austausch über aktuelle Themen aus Wirtschaft und Pflege sowie über weitere Anliegen, die über den Landkreis Görlitz hinaus bewegen.
Wirtschaftsentwicklung in Sachsen und im Landkreis Görlitz
Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die wirtschaftliche Entwicklung Sachsens und die besonderen Rahmenbedingungen im Landkreis Görlitz. Die Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, konkrete Erfahrungen aus ihren Unternehmen und Einrichtungen mit den politischen Einschätzungen des Ministerpräsidenten zu spiegeln. Dabei wurde deutlich: Gerade in den Regionen außerhalb der großen Zentren entscheidet sich, ob wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen tatsächlich Investitionen ermöglichen, Fachkräfte binden und Wertschöpfung sichern.
Der Austausch blieb dabei bewusst nah an der Praxis. Unternehmer berichteten über die Herausforderungen, die sich aus hohen laufenden Kosten, knappen personellen Ressourcen, zunehmender Regulierung und langen administrativen Verfahren ergeben. Für den Wirtschaftsrat ist dabei entscheidend, dass wirtschaftspolitische Entscheidungen die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Sachsen stärken und nicht durch zusätzliche Belastungen schwächen.

Dr. Dirk Schröter, Landesvorsitzender des Wirtschaftsrates
in Sachsen, begrüßt die Teilnehmer (Foto: Wirtschaftsrat)
Reformen bei Rente, Gesundheit und Arbeit
Breiten Raum nahm die Bundespolitik ein. Gesprochen wurde insbesondere über die anstehenden Reformen bei der Rente und im Gesundheitswesen sowie über die Frage, wie der Sozialstaat langfristig finanzierbar und zugleich leistungsfähig gehalten werden kann. Für die Unternehmer steht dabei im Vordergrund, dass Reformen nicht allein neue Ansprüche schaffen, sondern auch die Voraussetzungen für mehr Beschäftigung, längere Erwerbsbeteiligung und eine tragfähige Finanzierung verbessern.
Besonders intensiv diskutiert wurde die geplante Abschaffung der abschlagsfreien „Rente mit 63“, also der Altersrente für besonders langjährig Versicherte nach 45 Versicherungsjahren. Die ostdeutschen Ministerpräsidenten lehnen diesen Schritt entschieden ab. Im Gespräch wurde zugleich hervorgehoben, dass die Bezeichnung „Rente mit 63“ inzwischen irreführend ist: Im Grunde gibt es aktuell ohnehin nur noch die „Rente mit 64“ – und auch diese Altersgrenze wird bereits stufenweise angehoben. Für den Geburtsjahrgang 1961 liegt die Altersgrenze bei 64 Jahren und sechs Monaten; für die Jahrgänge ab 1964 bei 65 Jahren. Im Kern geht es daher um die Frage, ob Menschen nach 45 Versicherungsjahren weiterhin vor der allgemeinen Regelaltersgrenze ohne Abschläge in den Ruhestand wechseln können.
Gerade diese Differenzierung war für die Diskussion wichtig: Die ostdeutsche Position richtet sich nicht gegen notwendige Reformen, sondern gegen die vollständige Streichung eines Instruments, das langjährig Versicherte nach 45 Jahren Beitrags- und Versicherungszeit berücksichtigt. Die politische Auseinandersetzung darüber ist aktuell besonders virulent; die endgültige gesetzgeberische Entscheidung steht noch aus.

Offener Austausch: Auch dem Ministerpräsidenten
haben die gegrillten Roster gut geschmeckt.
(Foto: Wirtschaftsrat)
Hohe volkswirtschaftliche Kosten als Standortproblem
Ein weiterer Schwerpunkt war die Frage, wie Deutschland seine volkswirtschaftlichen Kosten senken und damit wieder mehr Spielraum für Investitionen und Wachstum schaffen kann. Aus Sicht der anwesenden Unternehmer gehören insbesondere die Energiekosten, die Bürokratie und die Belastungen rund um den Faktor Arbeit zu den drängendsten Standortfragen.
Die Diskussion machte deutlich, dass einzelne Entlastungsmaßnahmen allein nicht ausreichen. Entscheidend ist ein Gesamtpaket: wettbewerbsfähige und verlässliche Energiepreise, spürbarer Bürokratieabbau, schnellere Verwaltungsverfahren und eine bessere Balance zwischen sozialer Absicherung und den Kosten der Beschäftigung. Gerade mittelständische Unternehmen benötigen Planungssicherheit, damit Investitionen nicht aufgeschoben oder an andere Standorte verlagert werden.
Zuckersteuer und weitere aktuelle Themen
Auch weitere Vorhaben und Debatten, die Unternehmen und Bürger aktuell beschäftigen, kamen zur Sprache. Dazu gehörte unter anderem die geplante Einführung einer Zuckersteuer. Darüber hinaus reichte die Themenpalette von den Reformen im Gesundheitsbereich über die Zukunft der sozialen Sicherungssysteme bis hin zu Fragen der Bürokratie und der allgemeinen Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland.
Gerade die Vielfalt der angesprochenen Themen zeigte den Wert des persönlichen Austauschs: Unternehmer konnten ihre konkreten Erfahrungen unmittelbar einbringen, während die politischen Gesprächspartner Rückmeldungen aus der Praxis erhielten. Der Wirtschaftsrat versteht solche Formate deshalb als wichtigen Bestandteil eines Dialogs auf Augenhöhe zwischen Staat und Wirtschaft.

Teilnehmer der Veranstaltung vor dem Veranstaltungsge-
bäude der Diakonie St. Martin in der Diskussion mit
MP Michael Kretschmer. (Foto: Wirtschaftsrat)
Ein gut gelaunter Ministerpräsident im direkten Gespräch
Ministerpräsident Michael Kretschmer präsentierte sich als gut gelaunter und ausgesprochen gesprächsbereiter Gastgeber. Statt eines formellen Frontalformats stand die direkte Begegnung im Mittelpunkt: Fragen, Nachfragen und persönliche Gespräche prägten den Nachmittag. Die entspannte Atmosphäre beim gemeinsamen Grillen erleichterte dabei auch kontroverse Diskussionen über die politischen Reformvorhaben.
Für die Teilnehmer war insbesondere die Möglichkeit wertvoll, aktuelle wirtschaftspolitische Fragen unmittelbar anzusprechen und dabei auch regionale Besonderheiten des Landkreises Görlitz zu thematisieren. Die Veranstaltung verband damit politische Information mit dem, was für den Wirtschaftsrat wesentlich ist: dem offenen Gespräch mit denjenigen, die in Unternehmen, Einrichtungen und Kommunen Verantwortung tragen.

Politik im direkten Gespräch: Fragen und Antworten
standen im Mittelpunkt des Nachmittags
(Foto: Wirtschaftsrat)

Matthias Jochmann, Vorsitzender unserer LFK
Gesundheit, in der Diskussion (Foto: Wirtschaftsrat)
Diakonie St. Martin als Gastgeberin: Wirtschaft und Pflege zusammenbringen
Die Wahl der Diakonie St. Martin als Veranstaltungsort unterstrich zugleich die Verbindung von Wirtschaft und Pflege. Die Einladung sah neben dem politischen Austausch ausdrücklich auch aktuelle Themen aus Wirtschaft und Pflege vor. Damit wurde ein Bereich sichtbar, in dem sich die Herausforderungen des Faktors Arbeit, der Fachkräftesicherung, der Finanzierung und der demografischen Entwicklung besonders deutlich zeigen.
Der Wirtschaftsrat dankt der Diakonie St. Martin ausdrücklich für die Gastfreundschaft und die engagierte Unterstützung bei der Durchführung der Veranstaltung. Unser besonderer Dank gilt der Vorständin Mandy Köhler sowie allen beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die mit ihrem Einsatz zu einem gelungenen Nachmittag beigetragen haben.

Kati Staroske, Geschäftsführerin der Stratos GmbH,
im Dialog mit dem Ministerpräsidenten (Foto: Wirtschaftsrat)
Dank an Florian Oest und alle Beteiligten
Ein besonderer Dank gilt dem Bundestagsabgeordneten Florian Oest. Auf seiner Initiative beruhte die Veranstaltung, die im Rahmen seiner Sommertour durch den Landkreis Görlitz stattfand. Die Verbindung von regionalem Besuchsprogramm und offenem Wirtschafts- und Pflegegespräch hat sich als ausgesprochen gewinnbringend erwiesen.
Ebenso danken wir Ministerpräsident Michael Kretschmer für seine Zeit und die Bereitschaft zum offenen Austausch sowie der Diakonie St. Martin, insbesondere den Vorständen Mandy Köhler sowie Robert Dünnbier, und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die die Veranstaltung organisatorisch und praktisch unterstützt haben. Unser Dank gilt schließlich allen Unternehmerinnen und Unternehmern, Gästen und Gesprächspartnern für ihre offenen Beiträge und die konstruktive Diskussion.

MdB Florian Oest bei seinen Ausführungen zu den geplanten
Reformen im Sozialsystem (Foto: Wirtschaftsrat)
Fazit
Das „Grillen mit Ministerpräsident Michael Kretschmer und dem Bundestagsabgeordneten Florian Oest“ hat gezeigt, wie wertvoll ein unmittelbarer Austausch zwischen Politik, Wirtschaft und sozialen Einrichtungen ist. Die Themen reichten von der Wirtschaftsentwicklung in Sachsen und im Landkreis Görlitz über Renten- und Gesundheitsreformen bis zu Zuckersteuer, Energiepreisen, Bürokratie und den Kosten des Faktors Arbeit.

Abschluss des Gesprächs in entspannter Atmosphäre
(Foto: Diakonie)
Gerade die Diskussion um die abschlagsfreie Altersrente nach 45 Versicherungsjahren machte deutlich, dass Reformen die unterschiedlichen Erwerbsbiografien und regionalen Realitäten berücksichtigen müssen. Die ostdeutschen Ministerpräsidenten lehnen die geplante Abschaffung dieser Möglichkeit entschieden ab. Zugleich zeigte der Nachmittag, dass die Unternehmer vor allem eines erwarten: verlässliche Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und eine spürbare Senkung der volkswirtschaftlichen Kosten, damit Deutschland und insbesondere Sachsen wieder mehr Dynamik, Investitionen und Beschäftigung ermöglichen.

Gruppenfoto im Zeichen von Wirtschaft, Politik und
gesellschaftlicher Verantwortung (Foto: Wirtschaftsrat)