Der Junge Wirtschaftsrat appelliert an die neue Bundesregierung, unverzüglich substanzielle Reformen im Bereich Alterssicherung einzuleiten:

1) Beitragszahler im
Umlageverfahren nachhaltig zu entlasten, dieses durch eine starke betriebliche
und private Altersvorsorge zu flankieren und das Umlageverfahren künftig
politisch nicht instrumentalisieren zu lassen

2) die Komplexität der betrieblichen
Altersvorsorge abzubauen, Opt-Out ermöglichen und Rendite spürbar zu steigern

3) die Riester-Rente grundlegend zu überarbeiten, um
sie transparent, kosteneffizient und leistungsfähig auszurichten.

Das deutsche Rentensystem basiert im Kern auf dem
Umlageverfahren: Seit seiner Reform von 1957 fließen die Beiträge der aktuell
Beschäftigten (ergänzt mit Arbeitgeberanteilen und Bundeszuschüssen) unmittelbar
in die laufenden Renten. Kapital wird lediglich als Nachhaltigkeitsreserve von
0,2 bis höchstens 1,5 Monatsausgaben gehalten, also ein dünnes Polster, kein
echter Fonds. Dieses Modell funktioniert nur auskömmlich, solange viele
Einzahler auf vergleichsweise wenige Empfänger kommen.

1962 war dieses Gleichgewicht gegeben: 6
Erwerbstätige kamen auf 1 Rentner. Im Jahr 2000 waren es 2,3, heute 1,8 : Tendenz
weiter sinkend. Prognosen zufolge scheiden bis 2035 rund 7 Millionen
Erwerbstätige altersbedingt aus dem Arbeitsmarkt aus; das Verhältnis wird dann
bei etwa 1,4 : 1 liegen. Eine kleiner werdende Beitragsgruppe muss also eine
stetig wachsende Zahl an Renten finanzieren.

Diese Entwicklung setzt das System massiv unter
Druck. Weil die Höhe der gesetzlichen Renten weitgehend festgelegt ist,
insbesondere mit der Definition eines Mindestrentenniveaus, reagieren die
Beitragssätze wie ein Ventil: Steigt die Zahl der Rentner oder sinkt die Zahl
der Beitragszahler, müssen Beiträge steigen oder der Staat der Staat seine
Zuschüsse anheben. Schon 2024 fließen dafür über 110 Mrd. € Steuergelder, gut
ein Viertel des gesamten Bundeshaushalts. Das Umlagesystem, einst robust, ist
damit nicht nur in eine Schieflage geraten, sondern steuert in dieser
Konstellation ungebremst auf einen finanziellen Abgrund zu.

Die Festschreibung des Rentenniveaus auf mindestens
48% bis 2031, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, mag vielleicht die ältere
Wählerschaft beruhigt haben, löst jedoch kein einziges Problem in der Zukunft. Eine
nachhaltige Antwort darauf darf nicht darin bestehen, das Umlagesystem weiter
zu überdehnen, sie muss die übrigen Säulen der Alterssicherung stärken und
einen wahren Dreiklang der Alterssicherung etablieren. Der neue
Vorsorge-Baustein der neuen Regierung, die sogenannte „Frühstart-Rente“, taugt
ebenfalls nicht zur Deckung der Vorsorgelücke. Zwar ist es lobenswert, dass
sich die Bundesregierung verpflichtet, 10 € / Monat für ein individuelles Depot
für jedes Kind zwischen 6 und 18 Jahren bereitzustellen, doch handelt es sich
erneut um Fixbeträge, die nicht an die Inflation gekoppelt sind. Was heute gut
und beruhigend klingt, dürfte in wenigen Jahren zu einem zahnlosen Tiger
werden, der wieder nur steigende Verwaltungskosten produziert. Entscheidend
ist, dass die Eltern das Geld im Wettbewerb bei einem der konkurrierenden
Anbieter einzahlen und diese Einzahlungen mit privaten Mitteln noch weiter
aufstocken können.

Die Selbsttäuschung muss nun ein Ende finden! Als
erster Schritt muss einmal Transparenz über die Lage des aktuellen
Rentensystems herrschen und diese klar und ehrlich kommuniziert werden. Der
Junge Wirtschaftsrat fordert die sofortige Stärkung aller drei Säulen der
deutschen Alterssicherung, damit jüngere Generationen wirksam entlastet und
langfristig abgesichert werden.

1) Beitragszahler im Umlageverfahren
nachhaltig zu entlasten, dieses durch eine starke betriebliche und private
Altersvorsorge zu flankieren und das Umlageverfahren künftig politisch nicht
instrumentalisieren zu lassen

Eine Entlastung der Beitragszahler ist kein Luxus,
sondern eine Voraussetzung dafür, dass junge Fachkräfte überhaupt noch einen Netto­Spielraum
für private Vorsorge besitzen.

Erster Hebel ist das Renteneintrittsalter: Künftig
muss das Renteneintrittsalter automatisch der Lebenserwartung folgen. Frühverrentungsprogramme
wie die „Rente mit 63“ sind auszuschleichen.

Zweiter Hebel ist die gezielte Stärkung der zweiten
und dritten Säule: Die betriebliche Altersvorsorge braucht haftungsarme Opt-Out-Modelle
und einen einfachen und entbürokratisierten Zugang. In der privaten Vorsorge
müssen schlanke, kostengünstige Produkte rasch Verbreitung finden. Außerdem ist
die Riester-Rente grundlegend zu überarbeiten, um sie transparent,
kosteneffizient und renditestark auszurichten.

Darüber hinaus darf das Umlagesystem nicht länger
als Wahlkampfinstrument benutzt werden. Die Rentenkasse ist kein Verteilertopf
für kurzfristige Popularität.

2) die Komplexität der betrieblichen
Altersvorsorge abzubauen, Opt-Out ermöglichen und Rendite spürbar zu steigern

Die betriebliche Altersvorsorge kann erst dann ihre
volle entlastende Wirkung entfalten, wenn sie von überflüssiger Komplexität
befreit wird. Unternehmen brauchen endlich weniger Bürokratie: Standardprozesse
und klar definierte Haftungsgrenzen sind entscheidend.

Attraktiv wird die zweite Säule aber erst, wenn sich
Sparen messbar lohnt. Dazu gehören modernisierte Anlagevorschriften, die
Investments in zwar volatile, dafür aber langfristig renditestarke
Vermögenswerte wie zum Beispiel Aktien ausdrücklich zulassen, sowie bilanzielle
Regeln, die erforderlich Rückstellungen realitätsnah bemessen und Arbeitgeber somit
nicht über Gebühr belasten. Sozialabgaben sind in der Einzahlungs- wie der
Rentenphase zu deckeln. So wird die bAV zum renditestarken, schlanken
Instrument, das Beschäftigte motiviert, Arbeitgeber entlastet und das
umlagefinanzierte Rentensystem nachhaltig stützt.

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text-align:justify;text-indent:0cm;mso-list:l0 level1 lfo1;tab-stops:14.2pt">3) Private Vorsorge –
Renaissance der Riester Rente

Der Junge Wirtschaftsrat fordert
eine Renaissance der Riester-Rente! Die Riester-Rente ist mit 16,5 Millionen
Verträgen die erfolgreichste freiwillige Vorsorge der Welt, die von der OECD
ausdrücklich als internationales Vorbild gelobt wurde. Seit ihrer Einführung im
Jahr 2002 ergänzt die Riester-Rente die gesetzliche Altersvorsorge um einen
staatlich geförderten, kapitalgedeckten Baustein. Arbeitnehmer zahlen eigene
Beiträge ein und erhalten dafür Grund- und Kinderzulagen sowie Steuervorteile.
Dieses Modell erreicht vor allem Familien, Frauen und Haushalte mit geringen
Einkommen: Über 70 % der Familien mit zwei und mehr Kindern besitzen mindestens
einen Vertrag.

Um diese Erfolgsgeschichte
angesichts steigender Lebenserwartung, höherer Preise und zunehmender
finanzieller Unsicherheit fortzuschreiben, bedarf es einer sorgfältigen
Feinjustierung, die Rendite und Generationengerechtigkeit ausgewogen in
Einklang bringt.

Der Junge Wirtschaftsrat fordert
eine Flexibilisierung der Bruttobeitragsgarantie! Nach geltendem Recht muss
jeder Anbieter immer noch 100% Bruttobeitragsgarantie sicherstellen. Damit
wandern die Beiträge überwiegend in niedrig verzinste Anleihen und kaum in langfristig
renditestärkere, aber auch volatilere Aktien oder Immobilienfonds. Das ist in
Zeiten von Bitcoin, S&P 500 und mit teilweise 3% Inflation kaum noch
zeitgemäß. Der förderfähige Höchstbeitrag ist seit 2008 unverändert auf
2100€/Jahr gedeckelt. Eine starre Grenze, die längst nicht mehr mit den
allgemeinen Preisentwicklungen Schritt hält. Hier fordert der Junge
Wirtschaftsrat eine Dynamisierung des Förderhöchstbetrags!

Zu guter Letzt soll die
Riester-Rente für alle Erwerbstätigen geöffnet werden! Dass die Riester-Rente
nach wie vor an die Pflichtmitgliedschaft in der gesetzlichen
Rentenversicherung sowie an den beamtenrechtlichen Status gebunden ist,
entspricht keineswegs den Anforderungen einer zeitgemäßen Altersvorsorge. Alle
Selbstständigen und Freiberufler müssen zum unmittelbaren Kreis der
Förderberechtigten gehören.

Der
Junge Wirtschaftsrat fordert die neue Bundesregierung eindringlich auf, diese
Reformpunkte unverzüglich ganz oben auf die politische Agenda zu setzen und
damit endlich verantwortlich für die Zukunft der jungen Generation einzustehen.



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