Der Junge Wirtschaftsrat fordert Klarheit und Tempo bei der Rentenreform!

Die Reform der Altersvorsorge ist notwendig, daran besteht kein Zweifel. Doch der aktuell
diskutierte Kurs der Bundesregierung weist in eine problematische Richtung: weg von echter
Gestaltungsfreiheit, hin zu immer neuen verpflichtenden Vorgaben für Arbeitnehmer und
Arbeitgeber.

Gerade für junge Menschen ist diese Entwicklung hochrelevant und zunehmend
besorgniserregend. Sie erleben ein Deutschland, in dem zentrale Zukunftsfragen immer
weniger klar beantwortet werden. Die Alterssicherung ist dabei längst zu einem der wichtigsten
Themen geworden: Zum einen, weil ihre Eltern und Familienangehörigen in den kommenden
Jahren in Rente gehen und auf ein verlässliches System angewiesen sind. Zum anderen, weil
die junge Generation selbst vor der Frage steht, wie sie unter unsicheren Bedingungen
überhaupt noch sinnvoll vorsorgen soll. Trotzdem entsteht der Eindruck, dass sich die
Bundesregierung mit dieser zentralen Zukunftsfrage nur unzureichend und zu zögerlich
auseinandersetzt.

Statt Klarheit zu schaffen, werden neue Pflichten diskutiert. Verpflichtende betriebliche und
private Altersvorsorge würden tief in die individuelle wirtschaftliche Freiheit eingreifen.
Gleichzeitig bleiben die entscheidenden Fragen unbeantwortet: Wie genau soll eine solche
Pflichtvorsorge umgesetzt werden? Welche Modelle stehen zur Verfügung? Wie hoch werden
die zusätzlichen Belastungen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber tatsächlich sein? Ohne
konkrete Antworten wirken diese Vorschläge nicht wie Lösungen, sondern wie zusätzliche
Unsicherheitsfaktoren.

Mehr Eigenverantwortung in der Altersvorsorge ist richtig und notwendig, aber es darf keine
Verantwortung ohne Freiheit geben. Wer von jungen Menschen erwartet, stärker für das Alter
vorzusorgen, muss ihnen auch die Möglichkeit geben, selbstbestimmt und unter klaren
Bedingungen zu handeln.

Genau hier liegt das Problem: Die notwendigen Rahmenbedingungen fehlen. Junge
Menschen sollen mehr vorsorgen, wissen aber nicht, unter welchen Voraussetzungen, mit
welchen konkreten Belastungen und mit welchen Risiken. Es fehlt an Transparenz, an
Planungssicherheit und an nachvollziehbaren Regeln. Ohne diese Grundlage wird aus
sinnvoller Eigenverantwortung keine echte Chance, sondern bloße Unsicherheit.

Auch aus ordnungspolitischer Sicht bleiben zentrale Fragen offen. Zwar wird Unterstützung
für Geringverdiener angekündigt, doch es ist unklar, ob diese zielgenau, effizient und
finanzierbar ausgestaltet ist. Wenn zusätzliche Pflichtsysteme eingeführt werden, drohen
Fehlsteuerungen: steigende Lohnzusatzkosten, geringere Beschäftigungsanreize und mehr
Bürokratie.

Gerade für junge Menschen mit zunehmend flexiblen und oft nicht-linearen Erwerbsbiografien
stellt sich die Frage, ob starre Pflichtmodelle überhaupt noch zur Realität passen. Eine
zukunftsfähige Reform muss deshalb nicht neue Umverteilungsversprechen in den
Vordergrund stellen, sondern ein System schaffen, das Flexibilität, Eigenverantwortung und
wirtschaftliche Tragfähigkeit miteinander verbindet.

Insgesamt entsteht ein Bild, das vielen jungen Menschen zunehmend die Perspektive nimmt:
steigende Verpflichtungen, unklare Belastungen und fehlende Planungssicherheit.
Der Staat hat Jahrzehnte lang den Anschein eines sicheren Lebensstandards durch die
gesetzliche Rentenversicherung vertreten. Obwohl Experten und Wirtschaftsvertreter seit den
70ern vor der Überlastung der Umlagefinanzierung angesichts der demographischen
Entwicklung gewarnt haben, laufen die Reformen seit 15 Jahren genau in die falsche Richtung,
indem sie zusätzliche Belastungen für das Umlagesystem schaffen. Nun erkennt der
Bundeskanzler diesen Fakt an.

Grundsätzlich ist die Problemanalyse des Kanzlers richtig, dass die gesetzliche Rente nicht
geeignet ist, den Lebensstandard im Alter zu erhalten. Trotzdem ist der Begriff
„Basisabsicherung“ des Kanzlers missverständlich, da er eine Abkehr vom Äquivalenzprinzip
suggeriert. Die reale Kaufkraft der gesetzlichen Rente steigt jedoch kontinuierlich an. Auch
Prognosen belegen bei einem sinkenden Rentenniveau eine steigende Kaufkraft durch die
Umlagefinanzierung. Nur 3% der Rentnergeneration sind auf die Grundsicherung angewiesen,
während dies in der übrigen Bevölkerung 8% sind. Trotzdem kann die gesetzliche Rente
entgegen der Behauptung einiger Politiker der letzten Jahrzehnte lediglich eine Grundsäule
der Altersvorsorge sein.

Es mangelt derzeit zwar an Lösungen, aber mit dieser richtigen Problemanalyse können
zukunftsweisende Reformen angestoßen werden: mit klaren Konzepten, ehrlicher
Kommunikation und einem echten Fokus darauf, Anreize für langfristige und nachhaltige
Altersvorsorge schon im jungen Alter zu ermöglichen.
Eine funktionierende Altersvorsorge setzt voraus, dass Vermögensaufbau in Deutschland
überhaupt möglich ist. Genau hier bestehen jedoch erhebliche Defizite.
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Kapitalmarktbasierte Vorsorge wird steuerlich weiterhin benachteiligt. Aktien, Fonds und ETFs
sind gegenüber Versicherungsprodukten, Immobilien oder Gold strukturell im Nachteil. Diese
Verzerrung verhindert effizienten Vermögensaufbau und schwächt langfristige private
Vorsorge.

Zugleich werden immer wieder politische Vorschläge diskutiert, Kapitalerträge zusätzlich zu
belasten. Solche Maßnahmen würden insbesondere die Mittelschicht treffen und die ohnehin
schwache Aktienkultur in Deutschland weiter untergraben.
Der Junge Wirtschaftsrat hat bereits im Januar 2025 ein entsprechendes Gegenmodell
vorgeschlagen: das Aufstiegsvermögen als Hebel für eine generationengerechte Zukunft.

Der Vorschlag, den Sparerfreibetrag von derzeit 1.000 Euro auf 5.000 Euro anzuheben, ist ein
wichtiger erster Schritt. Der aktuelle Freibetrag ist angesichts von Inflation und steigenden
Lebenshaltungskosten nicht mehr zeitgemäß und verhindert echten Vermögensaufbau.
Daher fordert der Junge Wirtschaftsrat:

  • Stärkung des Drei-Säulen-Modells: Gesamtversorgung von gesetzlicher, betrieblicher und privater Altersvorsorge muss als Maßstab gelten.
  • Beitragsäquivalenz: Beiträge müssen sich leistungsgerecht in der Rentenhöhe widerspiegeln.
  • Keine Versicherungsfremden Leistungen: Gesamtstaatliche Aufgaben müssen mit Steuermitteln finanziert werden und dürfen nicht der Umlagefinanzierung zur Last fallen.
  • Freiheit und Eigenverantwortung: Die betriebliche und private Altersvorsorge dürfen nicht durch Verpflichtungen und staatliche Standardprodukte verwässert oder vermischt werden.
  • Vermögensaufbau ermöglichen: Steuerliche Hürden für kapitalmarktbasierte Vorsorge abbauen und langfristiges Sparen belohnen.

Weniger Zwang, mehr Transparenz, mehr Vertrauen in individuelle Entscheidungen, nur so kann Altersvorsorge wieder zu einem System werden, das Sicherheit schafft.