Chancen für deutsche Unternehmen im Irak

Virtueller Austausch mit Nisrin Khalil,

langjährige Leiterin der Auslandshandelskammer im Irak

Denken Menschen hierzulande an den Irak, dann assoziieren sie das Land
häufig noch immer mit Diktatur und Terrorismus. Die ehemalige Leiterin des
AHK-Büros im Irak, Nisrin Khalil, hat nun eine Veranstaltung des
Wirtschaftsrates genutzt, um aufzuzeigen, dass der Staat in Vorderasien alte
Schwierigkeiten weitestgehend überwunden hat und daher für Unternehmen aus
Deutschland mittlerweile gewinnversprechende Investitionsmöglichkeiten bereithält.

Daher kam Khalil nach einigen kurzen Informationen über die
geographischen und politischen Besonderheiten auch sofort auf aktuelle wirtschaftliche
Entwicklungen im Irak zu sprechen. Hierbei sei neben einem allgemeinen Wachstum
insbesondere auch eine Annäherung an westliche Partner deutlich wahrzunehmen,
was sich unter anderem in einem 2012 geschlossenen Handels- und
Kooperationsschutzabkommen mit der Europäischen Union zeige. Nichtsdestotrotz
müssten Europäer, die erfolgreiche Beziehungen in den Irak aufbauen wollten,
die vor Ort herrschende Kultur beachten und in ihre Planungen miteinbeziehen.
Als Beispiel nannte Khalil, die während der Videokonferenz aus der
nordirakischen Stadt Erbil zugeschaltet war, die Notwendigkeit, Kritik am Gegenüber
stets nur sanft zu formulieren, da anderenfalls ein Geschäft leicht scheitern
könne.

Anschließend ging sie detailliert auf die Chancen, aber auch auf die
Gefahren von unternehmerischen Betätigungen im Irak ein. Obwohl angesichts von
Faktoren wie hoher Korruption oder sich ständig ändernden Einfuhrbestimmungen
teils erhebliche Risiken existierten, dürften Aktivitäten in dem Land am
Persischen Golf nicht voreilig als unprofitabel abgestempelt werden, da der
Irak laut Khalil „über ein enormes Potential“ verfüge. Zudem könnedurch
sorgsame Vorbereitung ein Großteil der bestehenden Unsicherheiten kontrolliert
und somit ein Vabanquespiel verhindert werden.

Hierzu gab Khalil den Zuhörern gleich einige konkrete Empfehlungen mit
auf den Weg. So rate sie beispielsweise dazu, vor Geschäften mit den irakischen
Behörden einen Blick auf den Ölpreis zu werfen. Da der Irak einen Großteil
seiner Einnahmen über den Export dieses fossilen Energieträgers generiere, könne
als Faustregel festgehalten werden, dass die Wahrscheinlichkeit schnell und
problemlos für erbrachte Leistungen entlohnt zu werden, parallel zum Ölpreis
steige und falle. Sei das Barrel Rohöl also besonders teuer, bedeute dies
dementsprechend volle Staatskassen und die Gewissheit, nicht auf seiner
unbezahlten Rechnung sitzenzubleiben.

Im Anschluss an den kurzweiligen Vortrag bekamen die virtuell
anwesenden Mitglieder in einer von Gerrit Woerner, Sektionssprecher
Villingen-Schwenningen, moderierten Diskussionsrunde die Möglichkeit, Nisrin
Khalil ihre Fragen zu stellen. Dabei schlug sich die überragende inhaltliche
Kompetenz und die hohe Glaubwürdigkeit der Referentin auch in der unmittelbaren
Resonanz nieder, was anhand der zahlreichen Kommentare und Diskussionsbeiträge
des Publikums eindeutig ersichtlich wurde.