Die neue „Generation Z“ – Herausforderungen und Chancen auf dem Arbeitsmarkt
Die geburtenstarken Jahrgänge scheiden langsam aus
dem Arbeitsleben aus. Die sogenannte „Babyboomer Generation“ war lange der
Garant für einen starken Wirtschaftsstandort Deutschland. In den nächsten
Jahren strömt hingegen eine neue Generation auf den Arbeitsmarkt, die zum Teil
ganz andere Ansprüche an ein Arbeitsverhältnis stellt. Was sind die Merkmale
der neuen „Generation Z“ und wie können Arbeitgeber auf diese veränderten
Ansprüche reagieren? Die Sektion Calw-Freudenstadt begrüßte zur Diskussion
dieser und weiterer Fragen Volker Schebesta MdL, Staatssekretär im Ministerium
für Kultus, Jugend und Sport, im Autohaus der Wackenhut GmbH & Co. KG in
Nagold.
Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte die scheidende
Sektionssprecherin Judith Krauss die anwesenden Mitglieder. Sie bedankte sich
für die tolle sowie vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Mitgliedern der
Sektion und übergab ihr Amt an den neuen Sprecher der Sektion Andreas
Rentschler. Anschließend folgte eine kurze Unternehmensvorstellung der
Wackenhut GmbH & Co. KG durch deren Leiter im kaufmännischen Management,
Julius Wick. Dieser berichtete über die veränderten Anforderungen in der
Autoverkaufsbranche. Ein 24-Stunden-Service sowie eine vor Kurzem geschaffene
Folierabteilung gehören zu den neuen Dienstleistungen des Unternehmens. Die
Erschließung von neuen Ausbildungsberufen ist ein weiterer Teil der
Unternehmensstrategie, weshalb Wackenhut einen Digitalisierungskaufmann
ausbildet. Das Unternehmen richtet sich zum Teil auch nach den Bedürfnissen der
jungen Mitarbeiter in Form von Benefits wie etwa flexibler Arbeitszeiten.
Nach der Unternehmensvorstellung referierte Volker Schebesta
MdL über die Merkmale und Anforderungen der neuen „Generation Z“. Zu Beginn
ging er dabei auf das Problem der Demografie ein. In den nächsten Jahren gehen mehr
Arbeitnehmer in Rente und immer weniger rücken in den Arbeitsmarkt nach, um
diese Lücke zu schließen. Dabei haben die jungen Arbeitnehmer andere Ansprüche
an ein Arbeitsverhältnis etwa in Form einer Vier-Tage-Woche, flexibleren
Arbeitszeiten und Forderungen nach Home Office. Die Arbeitgeber stehen unter
Zugzwang, auf diese Ansprüche entsprechend zu reagieren, da viele Stellen nicht
mehr adäquat besetzt werden können und sich die Arbeitnehmer immer wieder aktiv
nach besseren Arbeitsverhältnissen umschauen. Die langfristige Bindung an den
Arbeitgeber ist durch die „Generation Z“ nicht mehr vorhanden. Auch die
Arbeitseinstellung ist eine andere geworden. Die Bereitschaft nach Mehrarbeit ist
für den eigenen persönlichen Berufserfolg nicht mehr so ausgeprägt vorhanden
wie früher. Die „Generation Z“ arbeitet zudem lieber mit flachen Hierarchien
und kurzen Entscheidungswegen in den Unternehmen.
Staatssekretär Schebesta ging auch aus
sozialwissenschaftlicher Sicht auf die Merkmale der jüngeren Generationen ein.
Verschiedene Studien der letzten Jahre haben sich mit diesen Merkmalen auseinandergesetzt.
Dazu gehört beispielsweise die baden-württembergische Jugendstudie, die zuletzt
im Jahr 2022 veröffentlicht wurde. So rücken für die befragten Neuntklässler Themen
wie Sicherheit und Erfolg wieder mehr in den Vordergrund, weshalb auch
Handwerks- oder IT-Berufe eigentlich eine interessante Perspektive für die
Befragten darstellen sollten. Aus diesem Grund möchte die Landespolitik
vermehrt Berufsberatung in allen weiterführenden Schulformen anbieten, damit
diese Interessen weiter gefördert werden.
Bei einem Teil der jungen Generation stellt
insbesondere die Bildungsqualität – dazu gehören wichtige Grundvoraussetzungen
für den Arbeitsmarkt, wie Rechnen, Lesen und Schreiben – ein großes Problem dar.
Volker Schebesta MdL sieht einen Lösungsansatz darin, dass schon früh eine
intensive Sprachförderung, auch in bildungsfernen Haushalten, stattfinden muss
und dass die Bildungseinrichtungen Kontakt mit den Familien halten, um diese
intensiv zu unterstützen. Damit sollen Familienstrukturen aufgebrochen werden,
die hinderlich für den Erfolg der Kinder sind.
In der anschließenden Diskussionsrunde ist die
Bildungsqualität sowie das Sozialverhalten der jungen Arbeitnehmer in den
Unternehmen bemängelt worden. Die Betriebe müssen diese Probleme teilweise
selbst auffangen. Es kam des Weiteren zur Sprache, dass ein Teil der Schüler
von Bildungseinrichtungen verlangen, Alltagsaufgaben, wie etwa die Erstellung
einer Steuererklärung, vermittelt zu bekommen. Volker Schebesta MdL betonte
nachdrücklich, dass Alltagsaufgaben nicht in der Schule vermittelt werden sollten,
da diese ausschließlich einen Bildungsauftrag zu erfüllen haben. Am Ende der
Veranstaltung konnten sich die Teilnehmer auf die Erkenntnis einigen, dass die
angesprochenen Themen die Unternehmen noch eine geraume Zeit beschäftigen werden.
Die Lösung der daraus resultierenden Probleme und gesellschaftlichen
Veränderungen wird eine gemeinschaftliche Aufgabe der Politik, der Wirtschaft
und der Gesellschaft sein.