Fachkräftemangel bereitet zunehmend Sorgen

„Wenn wir momentan über Standortfaktoren und
Standortattraktivität sprechen, sehe ich drei große Herausforderungen: Die
hohen Energiepreise, eine übermäßige Bürokratie und ein immer stärker werdender
Fachkräftemangel in Deutschland“, so der CDU-Kreisvorsitzende und
Landtagsabgeordnete Prof. Dr. Wolfgang Reinhart eingangs seines Impulsvortrags
beim Diskussionsabend, den der Wirtschaftsrat der CDU e.V., Sektion
Badisch-Franken, kürzlich im Laudaer „REBgut“ veranstaltete. So gehe etwa der
IHK-Jahresreport von 2022 davon aus, dass jedes zweite Unternehmen offene
Stellen zumindest teilweise nicht besetzen konnte und einer Umfrage des
Verbands deutscher Familienunternehmen zufolge sehen 43 % der rund 800
befragten Unternehmen den Fachkräftemangel als größtes Investitionshindernis am
Standort Deutschland an. Diese Sorgen teilten auch die Anwesenden unisono, darunter
u.a. der Hohenloher Landtagsabgeordnete Arnulf von Eyb, Vertreter der Versicherungsbranche
sowie die Unternehmer Jürgen Junker (Firma Mott Mobile Systeme), Dr. Gunther
Wobser (Firma Lauda) sowie Dr. Manfred Wittenstein (Wittenstein SE).
Der demografische Wandel sei schon voll spürbar. Im
letzten Jahr seien rund 630.000 Stellen in Deutschland nicht besetzt gewesen. Zwar
gebe es 2022 mit knapp 800.000 die höchste Geburtenzahl seit 1997, aber der Peak
sei noch lange nicht erreicht, so Reinhart weiter. „Werden wir vor diesem
Hintergrund den Fachkräftebedarf auch nur annähernd decken können, wenn die
Babyboomer, allen voran der Jahrgang 1964 mit seinen ca. 1,34 Millionen
Geburten vom einen Tag auf den nächsten im Niagarafall-Modus in Rente geht oder
wäre eine „schräge Ebene“ nicht vielversprechender?“, warf Reinhart die Frage
in den Raum, der auch als Mitglied des Wirtschaftsausschusses des Landtags
schon mehrfach für ein Lebensarbeitskonto geworben hat. Weiteres Potential gebe
es etwa noch bei der Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte sowie bei der
Steigerung der Arbeitsproduktivität, die neben den Vorteilen von Künstlicher
Intelligenz und Digitalisierung auch durch eine Reduzierung des bürokratischen
Aufwands und damit einen Abbau der derzeitigen Überregulierung erreicht werden
könnte. „Sowohl der Verband baden-württembergischer Wohnungs- und
Immobilienunternehmen als auch die Arbeitsgemeinschaft baden-württembergischer
Bausparkassen, bei denen ich kürzlich die Keynote im Rahmen ihrer Parlamentarischen
Abende halten durfte, wiesen in dringenden Appellen darauf hin, dass etwa die
Anzahl der beim Wohnungsbau zu beachtenden Vorschriften von ca. 5.000 auf rund
20.000 angestiegen ist. Auch wenn davon etwa die Hälfte Brüsseler Ursprungs
ist, stranguliert sich Deutschland zu sehr selbst, indem es auf das europäische
Mindestmaß oftmals noch etwas draufsattelt, anstatt sich Luft zum Atmen zu
erhalten“, hob Landtagsvizepräsident Wolfgang Reinhart hervor.
Abgeordneter Arnulf von Eyb ging in dem Zusammenhang
darauf ein, dass der Bürokratieabbau auch aus Gründen der Bürgerfreundlichkeit
unverzichtbar sei und nannte als Negativbeispiel die Grundsteuerreform, bei der
viele Bürgerinnen und Bürger auf teure externe Hilfe angewiesen seien, um ihre
Angaben gegenüber den Behörden korrekt zu tätigen. Manfred Wittenstein mahnte
an, dass die Politik oftmals Ziele und Wünsche formuliere, ohne dass die
konkreten Voraussetzungen oder Umsetzungspläne hierfür vorlägen, was vor allem
in der Energiepolitik der jüngeren Vergangenheit deutlich werde. „Etwas abzuschalten
ohne etwas Neues zu haben, das würde kein Unternehmer machen können“, so
Wittenstein, der Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande ist.
„Es ist immer noch ein großes Glück in Deutschland
zu leben. Trotz Corona, Krieg und Krisen stehen wir stabil und robust da – mit
über 45 Millionen haben wir aktuell eine sozialversicherungspflichtige
Beschäftigung auf Rekordniveau. Es wird aber essentiell für unsere
Zukunftsfähigkeit sein, aus den vorliegenden Statistiken und Analysen nun die
richtigen Reformrückschlüsse zu ziehen. Wir dürfen uns deshalb nicht nur mit
ambitionierten Zielen überbieten, sondern müssen auch endlich auf den konkreten
Umsetzungspfad gelangen“, resümierte Wolfgang Reinhart abschließend.