Heidelberg als Leuchtturm der Metropolregion Rhein-Neckar – Wie stellt sich die politische und wirtschaftliche Situation der Stadt in den aktuellen krisenhaften Zeiten dar?
Die Metropolregion Rhein-Neckar im Dreiländereck
zwischen Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen zählt mit seinen rund
2,4 Millionen Einwohnern zu
einer der innovativsten in Deutschland. Die Stadt Heidelberg ist mit
einer Einwohnerzahl von ca. 160.000 eine der größten Städte der Region. Mit
126.000 Arbeitsplätzen hat die Stadt aktuell den höchsten Wert der
Beschäftigung in ihrer Geschichte erreicht. Dabei spielen die zahlreichen
mittelständischen Unternehmen sowie der Wissenschaftsstandort als Arbeitgeber
eine wichtige Rolle. Die Sektion Rhein-Neckar begrüßte den Heidelberger
Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner zu einem Lunchtalk im Heidelberger
Stadtgarten, indem er über seine Arbeit und die Gründe des wirtschaftlichen
Erfolgs der Kommune referierte.
In seiner Begrüßung ging Sektionssprecher Bernd Baldus auf
die Ziele kommunaler Politik ein. Diese beinhalten, eine lebenswerte Stadt für
alle Generationen zu schaffen. Nach den einführenden Worten begann Würzner mit
seinen Ausführungen. Heidelberg gilt aufgrund seiner vielen Start-Up
Unternehmen und den großen Wissenschaftsstandort als „Boomtown Region“. Die
Stadt hat eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten in Deutschland. Dies führt
der Oberbürgermeister unter anderem auf die bildungspolitischen Anstrengungen
in seiner 17-Jährigen Amtszeit zurück. Die intensive Sprachförderung von
Schülern aus sozial schwächeren Milieus in allen Schulformen ist eine wichtige
Maßnahme. Diese beginnt schon in der Grundschule. Mit einem guten
Bildungsniveau und einem Abschluss gelingt eine leichtere Integration auf dem
Arbeitsmarkt.
Wirtschaftlich geht es der Stadt ebenfalls gut. Die Kommune
kann aufgrund der vielen angesiedelten Unternehmen sowie der guten
Beschäftigungsquote auf hohe Gewerbesteuereinnahmen zurückgreifen. Die
Einnahmen haben sich in der bisherigen Amtszeit Würzners von 50 auf 150
Millionen Euro verdreifacht. Die Kommune besitzt ebenfalls eine hohe
Eigentumsquote an Wohnungen. Auch bei der Energieversorgung setzt die Stadt schon
jetzt auf Fernwärme. Aufgrund der aktuellen politischen Situation steht
Heidelberg vor einigen Herausforderungen. Die deutlich gestiegene Zuwanderung
in den letzten Monaten stellt die Verwaltung vor großen Herausforderungen. Der
Oberbürgermeister fordert, dass die Bundespolitik ihre Anstrengungen vor allem
in die Fachkräftezuwanderung investieren muss. Die Sichtweise dieses Bereichs
als ein Teil des wirtschaftspolitischen Feldes ist unabdingbar. Eine
vorgeschlagene Maßnahme ist der Abbau bürokratischer Hürden für Unternehmen bei
der Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte.
In der anschließenden Diskussionsrunde sind die
vorgestellten Aspekte noch einmal vertieft worden. Eine wichtige Säule des
wirtschaftlichen Erfolgs der Stadt besteht in der engen Kooperation zwischen
der Verwaltung, den ansässigen Unternehmen und der Wissenschaft an diesem
Standort. Durch die gemeinsame Kooperation konnte das Innovationspotential in
vielen Themenbereichen genutzt und die selbstgesteckten Ziele erreicht werden.
Aktuell besteht eine Partnerschaft zur Förderung der E-Mobilität im Tech-Campus
zwischen der Politik und der Wissenschaft. Kritisch sieht der Bürgermeister den
aktuellen Trend in der Bundespolitik zum Regulierungswahn, der zu einer
Rückentwicklung der deutschen Wirtschaft führt. Das Wissen sowie die Produktion
muss am deutschen Standort gehalten werden, damit der Markt in vielen
zukunftsfähigen Bereichen nicht anderen Nationen überlassen wird.
In Hinblick auf die zukünftigen Generationen ist die
Investition in Bildung ein essentieller Baustein. In allen Schulformen soll der
Fokus vermehrt auf die Förderung von wirtschaftlichen sowie IT-Kompetenzen
gerichtet werden. Diese Fähigkeiten spielen in einer immer stärker
digitalisierten Arbeitswelt eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Hoffnung
besteht ebenfalls darin, dass dadurch die zuletzt stagnierende Motivation für
Eigeninitiativen in der jüngeren Generation wiederbelebt wird. Die verstärkte
Förderung von Ausbildungsberufen soll laut Würzner zusätzlich wieder in den
Fokus der Politik kommen, da diese zusammen mit akademischen Berufen ein
wichtiger Baustein für viele Tätigkeiten in allen Branchen sind. Zum Schluss
der Veranstaltung ist deutlich geworden, dass die Erhaltung der
Zukunftsfähigkeit auf kommunaler aber auch auf nationaler Ebene eine
gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist und durch Kooperation zwischen den
verschiedenen Akteuren das Innovationspotential in vielen Bereichen eine
tragende Säule zu deren Fortschreitung ist.