Künstliche Intelligenz im Mittelstand erfolgreich einsetzen – Chancen, Risiken und Strategien

Künstliche Intelligenz bietet mittelständischen Unternehmen erhebliche Potenziale – doch welche Anwendungen schaffen tatsächlich Mehrwert, und wo lauern die Risiken? Mit dieser Frage beschäftigte sich eine Veranstaltung der Sektion Rottweil/Tuttlingen am 20. April.
Nach der Begrüßung durch Dr. Martin Leonhard, Sprecher der Sektion, eröffnete Ralf Martin, Vorstand der Sieger Aktiengesellschaft Steuerberatungsgesellschaft und Gastgeber der Veranstaltung, den Abend mit einer Vorstellung seines Unternehmens. Als Referent war Michael Stadler, Senior Director IT Business Management bei der KARL STORZ SE & Co. KG, eingeladen. In seiner Funktion verantwortet er den KI-Einsatz in allen Unternehmensbereichen außerhalb der Produktentwicklung.

Stadler schilderte eingangs eine Herausforderung, mit der viele Unternehmen konfrontiert sind: Einerseits drängen zahlreiche KI-Anbieter mit einer Vielzahl von Lösungen auf den Markt, andererseits greifen Mitarbeitende häufig unkontrolliert auf browserbasierte KI-Anwendungen zurück – mit dem Risiko unkontrollierten Datenabflusses. Eine strukturierte und kontrollierte Datenbasis sei deshalb nicht nur aus Sicherheitsgründen entscheidend, sondern auch Voraussetzung dafür, dass KI intern überhaupt sinnvoll genutzt werden könne.
Als besonders geeignete Einstiegspunkte für den KI-Einsatz im Unternehmen nannte Stadler interne Chatbots für repetitive Anfragen – bei KARL STORZ zunächst im HR-Bereich, anschließend in der IT. Wichtig sei dabei, klar zu definieren, in welchem Umfang und mit welcher Entscheidungstiefe die KI antworten soll und darf. Als einen der einfachsten und empfehlenswertesten Anwendungsfälle hob er zudem KI-Agenten zur automatisierten Bearbeitung von E-Mails hervor. Idealerweise sollten die Anwendungen zudem auf eigenen Servern oder sogar lokal betrieben werden, um maximale Datensouveränität zu gewährleisten.

In der anschließenden Diskussion wurden weitere Themen vertieft. Neben der Abhängigkeit von großen Plattformanbietern – insbesondere Microsoft – und Fragen der Datensouveränität wurde auch der Umgang mit unterschiedlichen Haltungen im Unternehmen thematisiert: Zwischen KI-Enthusiasten und -Skeptikern gelte es, einen gemeinsamen Rahmen zu schaffen. Als wachsendes Sicherheitsrisiko wurden zudem zunehmend raffinierte Phishing-Angriffe hervorgehoben, die durch KI täuschend echt wirken – was die Bedeutung von Zwei- oder Mehrfaktor-Authentifizierung weiter verstärke.
KI im Mittelstand ist kein Selbstläufer. Ihr erfolgreicher Einsatz erfordert klare Strategien, kontrollierte Prozesse und einen bewussten Umgang mit den damit verbundenen Chancen und Risiken.