Morning Briefing: Gefährdet Chinas Anspruch auf Taiwan die Weltwirtschaft?
Im Schatten des russischen Einmarsches in die Ukraine wächst in
Deutschland mit Chinas verstärkten Drohgebärden gegen Taiwan die Angst vor
einem weiteren fatalen militärischen Konflikt. Doch welche konkreten
Auswirkungen hätte eine derartige Auseinandersetzung für die Weltwirtschaft und
wie wahrscheinlich ist ein Krieg in Ostasien eigentlich wirklich? Die
Mitglieder des Wirtschaftsrats bekamen nun bei einem Morning Briefing mit Axel Limberg, Delegierter
der deutschen Wirtschaft in Taiwan, und Klaus-Peter Willsch MdB, Vorsitzender
des Parlamentarischen Freundeskreises Berlin-Taipei, nun die Möglichkeit, sich
hinsichtlich eines möglicherweise drohenden Konflikts zwischen China und Taiwan
zu informieren.
Dementsprechend
übergab Johannes Jakob, Sprecher der Sektion Badisch-Franken, nach einer kurzen
Begrüßung das Wort an Limberg, der gleich zu Beginn seiner Ausführungen auf die
enorme Bedeutung Taiwans als wichtiger Handelspartner für die Bundesrepublik
einging. In diesem Kontext müsse laut Limberg neben einem im Jahr 2021
erzielten Rekordergebnis bei der Handelsbilanz der beiden Länder vor allem
herausgestellt werden, dass der Inselstaat als wichtigster Produzent für
Halbleiterchips große Menge dieser Waren nach Deutschland ausführe. Komme es
nun zu mit Gewalt ausgetragenen Feindseligkeiten zwischen China und seinem
östlichen Nachbarn und somit zu einem Exportstopp dieser Chips, drohe
hierzulande beispielsweise in der Automobilindustrie der Zusammenbruch ganzer
Lieferketten.
Allerdings
sei nicht nur die Bundesrepublik zwangsläufig auf die ausreichende Versorgung
mit diesen Hochtechnologieprodukten angewiesen. Limberg erklärte, dass nahezu
jeder größere Industriestaat die Halbleiter als Herstellungskomponenten
benötige, weshalb ein potentieller chinesisch-taiwanesischer Konflikt fatale
Folgen für den Welthandel haben könne. Allerdings gelang es dem Taiwan-Experte
im gleichen Atemzug, die anwesenden Gäste zu beruhigen. Er halte eine
militärische Eskalation persönlich für nicht sehr wahrscheinlich, da China
unter anderem bei der Fertigung von Elektrogeräten selbst auf die Chips
zurückgreifen müsse und seine aktuell florierende Volkswirtschaft nicht durch
unüberlegte Handlungen riskieren wolle. Diese Meinung teile Limbergs Meinung
nach auch die taiwanesische Politik, die anders als die europäische Presse es
teilweise suggeriere, fest davon ausgehe, dass China sehr wohl wisse, dass die
beidseitig bekannten roten Linien nicht überschritten werden dürften.
Der
zweite Referent des Tages, Klaus-Peter Willsch, pflichtete Limberg
diesbezüglich bei. Gerade das geschlossene Auftreten der NATO gegenüber der
russischen Aggression in der Ukraine sowie das Bekenntnis des US-Präsidenten
Joe Biden, Taiwan im Angriffsfall zur Seite stehen zu wollen, hätten weitere
klare Signale in Richtung Peking gesendet und somit die Wahrscheinlichkeit für
eine chinesische Invasion erheblich schwinden lassen. Nichtsdestotrotz beendete
Willsch die Veranstaltung mit einem flammenden Appell an seine Zuhörer, in dem
er dazu aufforderte, sich bewusst zu machen, dass „Taiwan ein Leuchtturm der
Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Asien“ sei und die Menschen im Westen
sich daher weiterhin engagiert dafür einsetzen müssten, dass die
Selbstbestimmung und die Unabhängigkeit des Inselstaates auch in Zukunft
gewahrt bleibe.