Wie lösen wir die Energiekrise?

Steffen Bilger MdB diskutiert in der Sektion Ludwigsburg über die aktuelle Versorgungslage sowie mögliche Lösungsansätze.

Wie kann eine sichere und bezahlbare Energieversorgung für unsere
Unternehmen angesichts zahlreicher Herausforderungen gewährleistet werden? Und
droht ansonsten die viel zitierte Deindustrialisierung Deutschlands?

Diese
und weitere wichtige Fragen wurden von Steffen Bilger MdB, stv.
Vorsitzender CDU/CSU-Bundestagsfraktion, bei einer Abendveranstaltung in der
Sektion Ludwigsburg in vertrauter
Atmosphäre vor rund 30 Gästen erörtert. Nach der Begrüßung durch den
Sektionssprecher Dr. Peter Wende, berichtete Julia Horn, Geschäftsführerin
der Frizlen GmbH
& Co. KG, aus erster Hand von den aktuellen Herausforderungen für
Unternehmen.

Neben
der andauernden wirtschaftlichen und politischen Polykrise, bereitet die
Abhängigkeit Deutschlands von anderen Ländern und die Energiepolitik der
Bundesregierung für Unmut in unseren Unternehmen. Verschiedene Arten von
Energiegewinnung sollten in Erwägung gezogen werden. Deutschland braucht eine
Haltung der Technologieoffenheit und eine Förderung von Entwicklung und
Forschung im Bereich der erneuerbaren Energien.

In
seinem Vortrag prangert Herr Bilger MdB die aktuelle Energiepolitik der
Bundesregierung an. Zur Erreichung der Klimaziele müsse über neue Verfahren
nachgedacht werden, wie z.B. „Carbon Capture“, bei dem abgeschiedenes CO2 mit
verschiedenen technischen Methoden unterirdisch speicherbar ist. Zwar wird in
Deutschland an Methoden zur Speicherung und Wandlung von CO2 geforscht, jedoch
erschwert der rechtliche Rahmen durch das Kohlendioxid-Speichergesetz (KspG)
eine Zulassung auf Bundesebene. Stattdessen gäbe es Pläne, abgeschiedenes CO2
per Schiff oder Pipeline nach Norwegen zu bringen um es dort in alten
Erdgasfeldern unter der Nordsee zu speichern. Norwegen ist bei dem Thema
„Carbon Capture“ seit Jahren Vorreiter und gilt als glänzendes Vorbild in Sachen
gesellschaftlicher Akzeptanz und effizienter Umsetzung. Bislang gelten ähnliche
Projekte hierzulande als unvorstellbar.

Mit
ihrem Handeln konterkariere die Bundesregierung teils sogar ihr Ansinnen, auf
erneuerbare Energien umzustellen. So wollte sie beispielsweise die Förderung
vieler Wasserkraftwerke streichen, u.a. weil sie Fischbestände bedrohten,
obwohl bereits Schutzeinrichtungen für jene Bestände vorhanden sind. Darüber
hinaus stellten sich die Grünen beim Thema Kernenergie quer, wenngleich eine
Umfrage zeigt, dass 80% der Bevölkerung für den Weiterbetrieb von Kernkraftwerken
sind. In Baden-Württemberg machen diese immerhin 12% der
Stromversorgung aus. Wenn man sie abschaltet, müsste man mehr Atomstrom aus
Frankreich oder Kohlestrom aus Polen beziehen, was zu einer Preissteigerung von
bis zu 14% beim Strom führen könnte. Die Union fordert deshalb ein
Rückbaumoratorium, um eine mögliche Wiederinbetriebnahme gewährleisten zu
können.

Bezahlbare
Energiepreise und eine sichere Energieversorgung sind essenziell für den
Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg. Indes schaden die jetzt schon hohen
Energiepreise, dem Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg, was auch an der
dürftigen Versorgung aus erneuerbaren Energien liegt. Dabei hätte
Baden-Württemberg die Möglichkeit grünen Strom aus dem Norden Deutschlands durch
SuedLink zu erhalten. SuedLink ist ein geplanter Korridor zum Bau von Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungs-Leitungen,
der über eine Strecke von rund 700 Kilometern vorrangig die im Norden der
Bundesrepublik aus Windkraft gewonnene elektrische Energie nach Süddeutschland transportieren
soll. Da hier allerdings der Ausbau nur schleppend vorangeht, läuft
Baden-Württemberg Gefahr, auch in Zukunft nicht ausreichend mit günstigem Strom
versorgt zu werden.

Zudem
fordert Herr Bilger ein vermehrtes europäisches Denken in Sachen
Energiesicherheit. So sollte es eine ausgeweitete Forschung zu grünem
Wasserstoff geben und eine europäische Wasserstoffproduktion forciert werden,
um Abhängigkeiten innerhalb Deutschlands und der Europäischen Union zu
vermindern.

2023-04-04 Bilger Ludwigsburg(2)


Im Zusammenhang der Energiesicherheit wurde auch das Thema Fracking kontrovers
diskutiert. Dieses ist in Deutschland äußerst unbeliebt – jedoch müsse man
bedenken, dass Deutschland u.a. Fracking-Gas aus Katar beziehe, und das bis
2041. Dieses werde mit teilweise schlechteren und umweltschädlicheren Methoden
gewonnen, weshalb Fracking in Deutschland nicht völlig ausgeschlossen werden
sollte. Dabei sollte man das Augenmerk auf eigene Reserven, die sich vor allem
in Niedersachsen befinden, legen.

Zudem
bestehe die Auffassung, dass die aktuelle Energiepolitik der Bundesregierung in
manchen Bereichen Verbesserungspotenzial aufweist. Herr Bilger MdB zeigte auf, dass
Verträge von Gaslieferungen aus den Niederlanden nur dann Bestand hätten, wenn
die Niederlande ihre Gasreserven nicht selbst benötigten. Bei Eigenbedarf der
Niederlande hätten diese Verträge keine Gültigkeit für Deutschland.

Auch
in der anschließenden Diskussionsrunde wurde deutlich, dass Deutschland eine
sichere und günstige Energieversorgung benötigt. Schon jetzt schwindet der
Standortvorteil Deutschland zunehmend durch die anhaltende Verschlechterung der
Umstände in Politik und Wirtschaft. Dabei besteht Verbesserungsbedarf der
aktuellen Maßnahmen und ein Überdenken von neuen Handlungen und Denkmustern.
Der Inflation Reduction Act (IRA) spielt hierbei eine zunehmende Rolle, da
Unternehmen gezielt den Europäischen Markt für bessere Bedingen verlassen. Die
Abwanderung der Unternehmen und die aktuell schwierige Wirtschaftliche Lage für
Deutschland, die Herr Bilger MdB aufgezeigt hat, müssen durch gezielte
Maßnahmen gedämpft und verhindert werden.