Wirtschaftlicher Abstieg oder Trendwende? – Reformimpulse für Deutschland 2030

Thorsten Alsleben, Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), war zu Gast bei der Sektion Karlsruhe/Bruchsal und sprach über die wirtschaftliche Lage Deutschlands und notwendige Reformen.

v. l. n. r. Daniel Wensauer-Sieber, Mitglied im Vorstand der Sektion Karlsruhe/Bruchsal; Johannes-Georg Voll, Sektionssprecher und Mitglied im Landesvorstand; Michael Hölle, stellvertretender Landesvorsitzender der Familienunternehmer in Baden-Württemberg, und Thorsten Alsleben, Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) - © Foto: Wirtschaftsrat

Bürokratiewahn, hohe Energiekosten, steigende Lohnnebenkosten, Fachkräftemangel und eine wachsende Steuerbelastung – die Liste der Herausforderungen für Unternehmen in Deutschland wird länger. Mit der Frage, wie der wirtschaftliche Abstieg aufgehalten werden kann, beschäftigte sich eine Veranstaltung der Sektion Karlsruhe/Bruchsal am 28. September.

Nach der Begrüßung durch Johannes-Georg Voll, Sprecher der Sektion und Mitglied im Landesvorstand, und einem Grußwort von Gastgeber Jörg Schröder, Rechtsanwalt und Partner bei Caemmerer Lenz Rechtsanwälte, referierte Thorsten Alsleben, Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), unter der Moderation von Michael Hölle, stellvertretender Landesvorsitzender der Familienunternehmer in Baden-Württemberg. Alsleben beschrieb die INSM als Organisation zwischen Thinktank und Faktenfabrik, die auf Basis empirischer Daten wirtschaftspolitische Impulse setzt.

 

Alsleben zeichnete ein ernüchterndes Bild der aktuellen Wirtschaftslage: Deutschland ist OECD-Schlusslicht beim Wachstum – das BIP-Wachstum 2026 werde im Wesentlichen durch Kalendereffekte und Staatskonsum getragen, nicht durch echte wirtschaftliche Dynamik. Die Unternehmensinsolvenzen steigen seit 2021 nahezu ununterbrochen, der Stellenabbau betrifft nahezu alle Branchen und Unternehmensgrößen – von Großkonzernen bis zum Mittelstand, mit einem klaren Schwerpunkt in der Automobilindustrie. Seit Sommer 2025 liegt die Arbeitslosenzahl praktisch durchgehend über oder nahe der Drei-Millionen-Marke.

Als strukturelle Standortnachteile benannte Alsleben insbesondere den teuren Industriestrom und die hohe Abgabenlast. Deutschland liegt beim Industriestrompreis im oberen Drittel aller EU-Länder – ein wesentlicher Grund seien die höchsten Netzentgelte unter allen EU-Mitgliedstaaten sowie staatliche Abgaben und Umlagen, die rund 40 Prozent des Strompreises der stromintensivsten deutschen Unternehmen ausmachten. Hinzu kommt: Deutschland ist zwischen 2015 und 2025 das einzige Land mit einer negativen Investitionsentwicklung. Auch bei den Lohnabgaben bewegt sich Deutschland nahe der EU-Spitze.

 

Um dem entgegenzuwirken, fordert die INSM konkrete Reformen: beispielsweise eine Deckelung der Steuerlast, den pauschalen Entfall von Berichtspflichten, die Senkung von Sozialabgaben sowie den Ersatz von Einzelregulierungen in der Klimaschutzpolitik durch einen konsequenten Emissionshandel.

Die Veranstaltung machte deutlich: Strukturelle Reformen sind keine Option, sondern eine Notwendigkeit. Wettbewerbsfähigkeit lässt sich nicht verwalten – sie muss politisch gewollt und konsequent umgesetzt werden.