Zwischen Mittelstand und Weltmarkt – Wirtschaftsregion Bodensee-Oberschwaben im Fokus

Martin Buck, Präsident der IHK Bodensee-Oberschwaben, war zu Gast beim Mittagstisch der Sektion Ravensburg/Friedrichshafen und sprach über Stärken und Risiken der Wirtschaftsregion.

v. l. n. r. Martin Buck, Präsident der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben, und Stefan Gessler, Stellvertretender Sektionssprecher der Sektion Ravensburg/Friedrichshafen - © Foto: Wirtschaftsrat

Bodensee-Oberschwaben zählt zu den wirtschaftsstarken Regionen Deutschlands: Das BIP hat sich seit 2000 nominal verdoppelt, rund 44,7 Prozent der Bruttowertschöpfung stammen aus dem produzierenden Gewerbe – deutlich mehr als im Landesschnitt Baden-Württembergs mit 39,2 Prozent oder dem Bundesdurchschnitt von 29,9 Prozent. Rund die Hälfte der industriellen Produktion geht in den Export. Wie diese Stärke langfristig gesichert werden kann, stand im Mittelpunkt eines Mittagstischs der Sektion Ravensburg/Friedrichshafen am 30. September.

Nach der Begrüßung durch Stefan Gessler, stellvertretender Sektionssprecher, gab Martin Buck, Präsident der IHK Bodensee-Oberschwaben, Chairman of the Board und co-CEO der ifm group se sowie Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafen Friedrichshafen GmbH, eine fundierte Einschätzung der regionalen Wirtschaftslage. Die Region präsentiert sich diversifiziert, innovativ und international aufgestellt – von Automotive und Aerospace über Medizintechnik, Pharma und Elektronik bis hin zu Sondermaschinenbau, Produktionstechnologien sowie Sicherheit und Verteidigung. Seit 2000 habe sich Bodensee-Oberschwaben dynamischer entwickelt als Baden-Württemberg insgesamt.

 

machte Buck deutlich, dass die Rahmenbedingungen schwieriger werden. Er skizzierte fünf zentrale Risikofelder: Geopolitische Unsicherheiten und veränderte Weltordnung, steigende Kosten bei Arbeit, Energie und Rohstoffen, wachsende Fachkräfteengpässe durch demografischen Wandel, Infrastrukturdefizite und Modernisierungsstau sowie Überregulierung und lange Genehmigungsverfahren. Entscheidend sei nun, wie Wirtschaft und Politik auf diese Herausforderungen reagierten.

Buck formulierte drei strategische Prioritäten: Erstens Wettbewerbsfähigkeit durch bessere Standortbedingungen, zweitens Resilienz durch gestärkte Krisenfestigkeit und Versorgungssicherheit und drittens Innovation durch den Erhalt des technologischen Vorsprungs und die Ermöglichung von Transformation. Die IHK Bodensee-Oberschwaben sehe ihre Aufgabe darin, Impulse zu setzen, Akteure zu vernetzen und sich für die richtigen Rahmenbedingungen einzusetzen.

Besonders hervorgehoben wurde die wachsende Bedeutung von Wirtschaft als Sicherheitsfaktor. Cyberangriffe, Sabotage, Lieferkettenstörungen und hybride Bedrohungen machten Vorsorge und Resilienz zu wirtschaftspolitischen Kernaufgaben. Als Zeichen dafür fungiert die IHK Bodensee-Oberschwaben als landesweite Koordinierungsstelle für Gesamtverteidigung aller baden-württembergischen IHKs.

Die Veranstaltung machte deutlich: Stärke ist kein Selbstläufer. Die Region Bodensee-Oberschwaben verfügt über alle Voraussetzungen, auch künftig zu den führenden Wirtschaftsregionen zu gehören – entscheidend ist, was strategisch daraus gemacht wird.