Hauptstadtfrühstück mit Thomas Saueressig, Mitglied des Vorstands und Chief Customer Officer der SAP SE
Künstliche Intelligenz zwischen Wettbewerbsdruck und Mittelstandschance – Wirtschaftsrat Berlin-Brandenburg diskutierte im Käfer Dachgarten-Restaurant auf dem Reichstagsgebäude. Gast und Gesprächspartner war Thomas Saueressig, Mitglied des Vorstands und Chief Customer Officer der SAP SE sowie Vizepräsident des Wirtschaftsrates. Moderiert und eingeführt wurde das Gespräch von Herrn Dr. Nikolaus Breuel, dem Vorsitzenden des Landesverbandes Berlin-Brandenburg.

Hoher Besuch aus der Welt des globalen Softwaregeschäfts
Mit Thomas Saueressig begrüßte der Landesverband eine der prägendsten Stimmen der europäischen Softwarebranche. Herr Saueressig, seit 2004 bei SAP und seit 2019 im Vorstand, verantwortet als Chief Customer Officer den Bereich Customer Value Group, in dem die Go-to-Market- und Bereitstellungsfunktionen des Konzerns gebündelt sind. Zuvor leitete er als Vorstandsmitglied die Produktentwicklung von SAP und prägte die Cloud-Transformation des Unternehmens maßgeblich. Damit brachte der Gast aus Walldorf für die Diskussion eine doppelte Perspektive mit: die eines der weltweit größten Softwareunternehmen und die des engen Beraters von Millionen Geschäftskunden – vom globalen Konzern bis zum spezialisierten Familienunternehmen.
Die technologische Ausgangslage
In seiner kurzen Einführung ordnete Herr Dr. Breuel das Thema der Veranstaltung in die größere weltpolitische und wirtschaftliche Linie ein. Die digitale Transformation, allen voran die Künstliche Intelligenz, verändere Wertschöpfung, Geschäftsmodelle und internationale Wettbewerbsstrukturen grundlegend. Was vor wenigen Jahren noch als Zukunftsmusik galt, sei heute messbare Realität. Die USA und China verfügen bei Rechenkapazitäten, Cloud-Infrastrukturen und KI-Modellen inzwischen über erhebliche Vorsprünge. Für deutsche Unternehmen stelle sich damit eine Frage von strategischer Tragweite: Wie können technologische Leistungsfähigkeit, digitale Souveränität und internationale Wettbewerbsfähigkeit in Zukunft behauptet werden?
Die KI-Chance des Mittelstandes
Herr Saueressig zeichnete in seinem Impuls ein differenziertes Bild. Während große Unternehmen Künstliche Intelligenz bereits in großem Umfang in ihre Prozesse und Wertschöpfungsketten integrierten und dabei hohe Renditepotenziale realisierten, konzentriere sich der Einsatz im Mittelstand häufig noch auf niedrigschwellige Anwendungen – etwa zur Erstellung, Auswertung oder Aufbereitung von Texten. Das eigentliche Potenzial sei aber weitaus größer. Der entscheidende Hebel liege darin, die Stärken des industriellen Mittelstandes mit Künstlicher Intelligenz zu verbinden. Deutschland sei in der Weltspitze bei der industriellen Wertschöpfung, bei der Prozess- und Qualitätskompetenz, beim Fachwissen über Anlagen und Materialien. Gelingt es, genau diese Stärken mit modernen KI-Systemen zu kombinieren, entstehe ein Hebel, der international kaum zu kopieren sei.
Herr Saueressig skizzierte zugleich, dass eine solche Transformation kein rein technisches Projekt sei. Sie setze voraus, dass Unternehmen die Nutzung von KI in ihre Organisation und ihre Datenstrategie einbetten, sie in Geschäftsprozesse übersetzen und dabei die relevanten rechtlichen und ethischen Standards einhalten. Gerade bei europäischen Software- und Cloud-Anbietern liege hier ein Wettbewerbsvorteil, da Vertrauen, Datenschutz und Verlässlichkeit zu den Kernkompetenzen der Branche zählten.

Digitale Souveränität: strategisch, nicht ideologisch
Die anschließende Gesprächsrunde, die Herr Dr. Breuel mit anregenden Impulsfragen und viel Gespür für die Bedürfnisse der rund 1.500 Mitglieder des Landesverbandes führte, bewegte sich um die Frage, wie deutsche Unternehmen den Anschluss an die technologische Spitze halten können. Herr Saueressig verwies darauf, dass digitale Souveränität kein Selbstzweck, sondern eine strategische Notwendigkeit sei – im Kern eine Frage von Rechenkapazitäten, Cloud-Infrastrukturen und KI-Modellen, aber ebenso von europäischen Rechts- und Vertragsordnungen. Er betonte, dass der Weg zu echter technologischer Eigenständigkeit über Kooperation und Standardsetzung führe, nicht über Abschottung.
Vertraulicher Austausch unter Netzwerkpartnern
Die Teilnehmer nutzten die vertrauliche Plattform des Wirtschaftsrates intensiv für den offenen Dialog mit dem SAP-Vorstandsmitglied. Die Diskussion reichte von der praktischen KI-Nutzung im operativen Geschäft über die Frage nach sinnvollen Investitionsprioritäten bis hin zu den Herausforderungen bei der Rekrutierung von IT-Fachkräften. Thomas Saueressig beantwortete die Fragen der Unternehmer und Führungskräfte offen und mit Blick für die konkreten Bedürfnisse des Mittelstandes. Sein Rat: Technologie nicht isoliert betrachten, sondern als Teil einer umfassenden Transformationsstrategie – mit klaren Zielen, messbaren Ergebnissen und einer Organisation, die diese Entwicklung mitträgt.
Beeindruckende Kulisse, herrlicher Herbstmorgen
Die Teilnehmer des Hauptstadtfrühstücks durften den Vormittag bei strahlendem Sonnenschein im Käfer Dachgarten-Restaurant genießen. Der Blick über die Dächer Berlins bis hin zur beeindruckenden Glaskuppel des Reichstagsgebäudes trug das Seine dazu bei, den wirtschaftspolitischen Diskurs mit einer ebenso eindrucksvollen wie symbolkräftigen Kulisse zu verbinden. Ein Ort, an dem sich deutsche Politik, Wirtschaft und internationale Perspektiven treffen – ganz im Sinne des Selbstverständnisses des Landesverbandes Berlin-Brandenburg des Wirtschaftsrates der CDU e.V.

Ausblick
Der Landesverband dankt Thomas Saueressig für den offenen und substanzreichen Dialog, Dr. Nikolaus Breuel für die konstruktive Moderation und allen Mitgliedern und Freunden des Wirtschaftsrates für ihre Teilnahme. Mit dieser Veranstaltung setzte der Landesverband die bewährte Reihe der Hauptstadtfrühstücke fort, die Unternehmer und Führungskräfte aus Berlin und Brandenburg mit herausragenden Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik zusammenführt.