Starke Dörfer, starke Region: Wirtschaftsrat im Gespräch mit Roger Lewandowski
Die Sektion Havelland-Nord des Wirtschaftsrates Berlin-Brandenburg hat zu einem wirtschaftspolitischen Austausch mit Roger Lewandowski, Landrat des Landkreises Havelland, ins historische Schloss Ribbeck eingeladen. Im Mittelpunkt des Gesprächs stand die Frage, wie ländliche Regionen auch künftig attraktive Lebens- und Wirtschaftsräume bleiben können und welche Rahmenbedingungen es dafür braucht. Dr. Eckehard Frisch, Sektionssprecher Havelland-Nord, hat durch die Veranstaltung geleitet.

Schloss Ribbeck bot dafür einen besonderen Rahmen. Das heutige Schloss wurde 1893 in seiner bekannten Form errichtet und ist eng mit der Geschichte der Familie von Ribbeck und Theodor Fontanes berühmtem Gedicht „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ verbunden. Nach verschiedenen Nutzungen und baulichen Veränderungen wurde das Gebäude umfassend saniert und 2009 als kulturtouristisches Zentrum des Landkreises wiedereröffnet.

Im anschließenden Austausch machte Landrat Lewandowski deutlich, dass bei der Entwicklung des Havellandes sowohl die ländlich geprägten Regionen als auch die städtischen Zentren berücksichtigt werden müssten. Entscheidend sei, dass die Menschen vor Ort nicht abgehängt werden. Dazu gehörten eine leistungsfähige digitale Infrastruktur, gute Mobilitätsangebote und eine verlässliche medizinische Versorgung. Gerade die Gesundheitsversorgung sei für die Menschen in den ländlichen Regionen ein besonders emotionales Thema. Diskutiert wurde unter anderem, wie die Rahmenbedingungen für die Gründung neuer Arztpraxen bereits verbessert wurden. Nur so könne die medizinische Versorgung auch außerhalb größerer Städte langfristig sichergestellt werden.
Eine wichtige Rolle spiele zudem das Ehrenamt. Viele Angebote und Strukturen in den Dörfern würden vom Engagement der Bürger getragen. Als Beispiel wurden Bürgerbusse genannt, die vielfach auf ehrenamtlicher Basis organisiert werden und insbesondere in ländlichen Regionen einen elementaren Beitrag zur Mobilität leisten. Um dieses Engagement langfristig zu erhalten, brauche es auch zukünftig eine starke Unterstützung des Ehrenamts.
Darüber hinaus wurde die zunehmend angespannte finanzielle Situation der Kommunen thematisiert. Steigende Ausgaben, insbesondere im Bereich der Sozialleistungen, stellten Städte, Gemeinden und Landkreise vor wachsende Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund wurde auch über notwendige Reformen des Sozialstaates und eine nachhaltigere finanzielle Ausstattung der Kommunen gesprochen.
Als Querschnittsthema wurde schließlich die Bürokratiebelastung angesprochen. Gerade beim Bauen führten komplexe Verfahren und umfangreiche Anforderungen häufig zu langen Prozessen. Für eine zukunftsfähige Entwicklung der Regionen seien daher schnellere Verfahren und verlässlichere Rahmenbedingungen notwendig.
Der Austausch im Schloss Ribbeck zeigte damit, dass die Zukunft ländlicher Räume von vielen Faktoren abhängt: von einer leistungsfähigen Infrastruktur über medizinische Versorgung und Mobilität bis hin zu Ehrenamt, kommunaler Finanzkraft und weniger Bürokratie. Entscheidend sei, die unterschiedlichen Lebensrealitäten in Stadt und Land zusammenzudenken und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Regionen wie das Havelland auch langfristig attraktive Orte bleiben.