Blick nach Europa: „Litauens Rolle für Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit“

Generalversammlung des Wirtschaftsrates Bremen mit Gintautas Vasiulis, Bevollmächtigter Minister der Botschaft der Republik Litauen

 

 

Im Rahmen der diesjährigen Generalversammlung des Wirtschaftsrates Bremen im GOP Varieté-Theater Bremen begrüßte der wiedergewählte Landesvorsitzende Jörg Müller-Arnecke den Ehrengast Gintautas Vasiulis, Bevollmächtigter Minister, Botschaft der Republik Litauen in der Bundesrepublik Deutschland. In seiner Einführung hob Müller-Arnecke die wachsende Bedeutung Litauens für Deutschland und Europa hervor. Insbesondere die sicherheitspolitische Lage im Ostseeraum sowie die wirtschaftlichen und maritimen Verbindungen beider Länder böten wichtige Anknüpfungspunkte für den Austausch.

In seinem Vortrag gab Vasiulis einen Ausblick auf die litauische EU-Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2027. Gemeinsam mit Irland und Griechenland wird Litauen das Trio-Programm gestalten. Zu den Schwerpunkten zählen Sicherheit und Verteidigung, die Erweiterung der Europäischen Union, die Wettbewerbsfähigkeit Europas sowie innere Sicherheit und gesellschaftliche Resilienz. Deutschland bezeichnete Vasiulis als einen besonders wichtigen politischen und strategischen Partner. Litauen wolle während seiner Ratspräsidentschaft als neutraler Vermittler auftreten und die europäische Zusammenarbeit stärken. 

Einen besonderen Schwerpunkt legte Vasiulis auf die historischen Erfahrungen Litauens mit russischer Besatzung und Unterdrückung. Diese prägten bis heute das sicherheitspolitische Selbstverständnis des Landes. Angesichts des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und zunehmender hybrider Bedrohungen sei eine glaubwürdige Abschreckung unerlässlich. Litauen investiert deshalb erheblich in seine Verteidigungsfähigkeit: Der Verteidigungshaushalt beträgt 2026 rund 5,38 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Auch die Zusammenarbeit mit den NATO-Partnern und insbesondere die Stationierung der deutschen Brigade in Litauen seien von großer strategischer Bedeutung. Vasiulis betonte, dass Verteidigung nicht allein eine militärische, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei.

Neben den sicherheitspolitischen Perspektiven stellte Vasiulis die wirtschaftliche Entwicklung seines Landes vor. Litauen habe sich zu einem dynamischen und innovationsorientierten Standort entwickelt. Besonders die Bereiche Informationstechnologie, Cybersicherheit, Biowissenschaften und Verteidigungsindustrie gewinnen an Bedeutung. Die wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland seien dabei ein wichtiger Erfolgsfaktor. Mit einem Handelsvolumen von rund 8,9 Milliarden Euro im Jahr 2025 ist Deutschland der zweitwichtigste Handelspartner Litauens. Beide Länder verfügten über sich ergänzende wirtschaftliche Stärken, die weitere Kooperationen und gemeinsame Wettbewerbsvorteile ermöglichen.

Der Vortrag verdeutlichte, wie eng wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, technologische Innovation und europäische Sicherheit miteinander verbunden sind. Für die Mitglieder des Wirtschaftsrates bot sich damit ein spannender Einblick in die Perspektiven eines wichtigen europäischen Partners und die Chancen einer vertieften deutsch-litauischen Zusammenarbeit.

Zum Abschluss der Veranstaltung richtete Florian Würzburg LL.M., stellvertretender Landesvorsitzender des Wirtschaftsrates Bremen, seinen Dank an die Mitglieder für ihre fortwährende Unterstützung und an die Gäste für ihr Engagement für die Soziale Marktwirtschaft.