Blockchain-Technologie – Chance oder Risiko?

Diese beruhen auf der Blockchain-Technologie. Sie
ist vielfältig anwendbar und kommen schon heute in diversen Bereichen zum
Einsatz. Doch welche Vor- oder Nachteile bietet diese neue Technologie? Darüber diskutierten auf einer Veranstaltung des Wirtschaftsrates Bremen Dr. Martin Hagen, Staatsrat
beim Senator für Finanzen, und Carsten Mumm, Chefvolkswirt der Privatbank DONNER
& REUSCHEL AG, mit Gästen und Mitgliedern des Wirtschaftsrates.
Nachdem Jörg Müller-Arnecke, Landesvorsitzender des
Wirtschaftsrates Bremen, die Gäste begrüßt hatte, eröffnete Carsten Mumm das Event mit der
Aussage, dass die Technologie hinter der Blockchain nicht einfach zu verstehen
sei. Er selber könne auch nur ungefähr beschreiben, wie die technischen Abläufe
genau funktionierten. Das Entscheidende aber sei zu erkennen, welche große Rolle
Blockchain-Technologien für Volkswirtschaften in Zukunft spielten.
Zudem warf Carsten Mumm die Frage auf, warum aktuell immer
mehr Menschen in Bitcoin investierten. Das erklärte er damit, dass der Bitcoin
nicht von Notenbanken reguliert sei und daher keine Zentralinstanz über dessen
Entwicklung entscheide. Darüber hinaus sei festgelegt, dass maximal 21
Millionen Bitcoins in Umlauf sein dürfen. „Das ist für viele Menschen
attraktiv, da der Bitcoin sich so unabhängig von klassischen Währungen entwickelt
und von Inflation nicht betroffen ist“. Außerdem diene der Bitcoin als
Wertaufbewahrungsmittel.
Der Chefvolkswirt der Privatbank DONNER
& REUSCHEL AG ging dann detaillierter auf den Nutzen von
Blockchain-Technologien ein. Er führte aus, dass es hierfür diverse
Anwendungsbereiche gebe, zum Beispiel in puncto Wertanlage, Kreditvergabe,
Vermietung, Versicherung oder auch Verwaltung. Diese Technologie ermögliche es
Menschen, Zug-um-Zug-Geschäfte abzuwickeln, ohne dass Dritte - Intermediäre -
notwendig wären. Möglich mache dies die spezielle Verschlüsselungstechnik, die
hinter der Blockchain stecke, erklärte Mumm. Diese sei so sicher, dass niemand
die auf der Blockchain gespeicherten Daten im Nachhinein verändern könne. „Ich
denke, dass diese Technologie für Volkswirtschaften noch eine enorme Rolle spielen
wird. Sie wird wahrscheinlich irgendwann dominierend sein und einen
Standardbaustein in der Kapitalanlage darstellen“, prognostizierte Mumm.
Sein Diskussionspartner Dr. Martin Hagen sah die
Entwicklung dagegen nicht ganz so optimistisch. Der Staatsrat für Finanzen
verwies darauf, dass er aus der Verwaltung käme und sich die Technologie dort
entgegen Mumms Vorhersage noch nicht durchgesetzt habe und dies in Zukunft wohl
auch nicht tun werde. Er sagte, es bedürfe zwar einer Modernisierung der
Verwaltung, jedoch sei für ihn fraglich, ob die Blockchain dabei eine
entscheidende Rolle spielen werde. „Wenn beispielsweise Kaufverträge für Häuser
nur noch über Blockchain-Technologien abgewickelt würden und Dritte wie Notare
oder das Grundbuchamt nicht mehr nötig wären, würde die Verwaltung sich in der
Folge praktisch selbst abschaffen“, mutmaßte Dr. Hagen.
Darüber hinaus sei der Stromverbrauch beim Mining,
dem Erstellen von Blockchains, viel zu hoch, kritisierte Dr. Hagen. Er stellte
heraus, dass Ämter den Bürgern Vertrauen bieten und
kontrollierbar seien. Das führe dazu, dass der Großteil der Bevölkerung Ämtern
ihre Daten eher anvertrauen würden als Onlineblockchains. Außerdem gab er zu
bedenken, dass es mit Quantenrechnern in Zukunft doch eine Technologie geben
könnte, mit der man Blockchains einfach entschlüsseln könnte. Damit wäre die
Sicherheit dort nicht mehr gegeben. Er kam zu dem Schluss, dass die
Schwarmintelligenz der Blockchainanhänger keine Verwaltung ersetzen könne.