„Bremen hat keine Vision“

Kamingespräch des Jungen Wirtschaftsrates mit dem Bremer Bauunternehmer Kurt Zech

Zu einer neuen
Veranstaltungsreihe des Jungen Wirtschaftsrates Bremen begrüßte die
Landesvorsitzende Miriam Benz mit dem Bauunternehmer Kurt Zech eine der
bekanntesten Unternehmerpersönlichkeiten Bremens. Im Rahmen eines intimen
Kamingesprächs gab Deutschlands größter Immobilienprojektentwickler Einblicke
in sein Denken, seine Ansichten zur Bremer Politik und erklärte, wieso er
seinen Führungsstil mit 65 Jahren nicht mehr ändern werde.

Gefragt, ob er sich
bei seinen vielen Tätigkeiten noch immer als Bauunternehmer oder mittlerweile
doch eher als Reeder, Hotelier oder Agrarunternehmer sehe, bekannte Zech, das
Bauen sei nun mal die Grundlage für alles Weitere gewesen. Auch gegen das
Etikett eines „Baumeisters der Nachhaltigkeit“ wehre er sich nicht. Nachhaltigkeit
sei das Gebot der Stunde, die Zech Group habe sich hier bereits früh engagiert.
Er wolle den Begriff allerdings nicht nur als „grünen Stempel“ verstanden
wissen, den man sich durch den Kauf von Umweltzertifikaten aneigne. So werde
sein neues Zech-Gebäude in der Überseestadt ein eigenes Blockheizkraftwerk
besitzen.

Der neue Standort
der Zech-Zentrale sei auch ein Bekenntnis zu Bremen, obwohl das Unternehmen
sein Geschäft mittlerweile zum größten Teil außerhalb der Stadt mache. Dies
wolle er nicht allein mit der Politik des Bremer Senats begründen, allerdings
beklagte er: „Bremen hat keine Vision“. Er machte dies am Beispiel des Bremer
Impfzentrums deutlich: Erst auf öffentlichen Druck hin hätten der Senat und die
Gesundheitssenatorin seinen Plänen für das organisierte Impfen im Messezentrum
zugestimmt. Und der Erfolg zeige: Politik und Unternehmen sind dann am stärksten,
wenn sie gemeinsam handeln, nicht wenn sie sich gegenseitig ausbremsen.

Natürlich konnte
ein Gespräch mit Kurt Zech nicht ohne das Thema der Bremer Innenstadt
auskommen. Hier sieht der Unternehmen ein „Trauerspiel“. Der Domshof sei seit
20 Jahren ein politisches Thema; geschehen sei aber bisher nichts. Die
Innenstadt sei jahrelang vernachlässigt worden. Druck müsse hier auch von der
Jugend kommen, appellierte Zech an die Runde der jungen Unternehmerinnen und
Unternehmer. Andere Städte wie Hamburg, Münster oder Düsseldorf hätten
vorgemacht, wie man Innenstädte attraktiv gestalten könne. Zur Gretchenfrage „Straßenbahn
raus aus der Obernstraße?“ brachte er einen neuen Gedanken in die Diskussion
ein: Sämtliche großen Städte, die von der Einwohnerzahl her vor Bremen liegen,
hätten eine U-Bahn…

Angesprochen auf
seine Unternehmensgruppe und das starke Wachstum durch Zukäufe, bekräftigte
Zech, er halte an seiner Mittelstandsphilosophie fest. Auch mit 70 bis 80
Unternehmen, die meist aus schwierigen Situationen oder aus der Insolvenz
heraus gekauft worden seien, sollten die Hierarchien flach bleiben. Nur dadurch
und durch eine hohe Kapitalkraft sei es möglich, dass eine Entscheidung auch
allein durch Kurt Zech getroffen werden könne. Dennoch denke er auch daran, die
Gruppe zu konsolidieren und einzelne Unternehmen wieder zu verkaufen.

Natürlich gehen die
aktuellen wirtschaftlichen Veränderungen auch an dem Unternehmer Kurt Zech
nicht spurlos vorüber. Er sehe, dass Deutschland künftig auf einen Teil seines
Wohlstandes verzichten müsse. All das, was in den vergangenen 15 Jahren zur
wirtschaftlichen Prosperität beigetragen hätte (niedrige Zinsen, billige
Energie, ein günstiger Eurokurs) habe sich ins Gegenteil verkehrt. Gleichwohl
seien Mieten und Lebensmittel im internationalen Vergleich noch immer günstig.
Doch in Hinblick auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt betonte er: „Arbeit muss
sich lohnen. Der Abstand zwischen Arbeiten und Nicht-Arbeiten muss groß genug
sein, damit die Motivation zum Arbeiten nicht verloren geht.“

Seine persönliche
Zukunft sieht Zech nach wie vor in seinem Unternehmen. Bisher habe er keine
Pläne „loszulassen“. Auch sei er der Meinung, dass sein Führungsstil einer der
Gründe sei, weshalb das Unternehmen dort steht, wo es steht. Diesen Stil werde
er daher auch nicht mehr ändern. Ob eine Erfolgsgeschichte wie die seine auch
heute noch möglich sei? Früher hätte er bei der Antwort auf diese Frage
gezögert. Doch heute denke er dabei an den erfolgreichen Österreicher René Benko.

Auf die Frage, was
er den anwesenden jungen Unternehmerinnen und Unternehmern raten würde,
antwortete Zech mit dem Sinnspruch: Alle sagten, es sein unmöglich; dann kam
einer, der wusste das nicht, und hat es einfach gemacht. Er riet dazu, Dinge
auszuprobieren. Doch dafür müsse man den unbedingten Willen haben und für ein
Ziel und eine Aufgabe brennen.2022_11_15_Kamingespräch_JWR.jpeg