Bremerhaven kann mehr!
Der Tourismus besitzt für Bremerhaven eine sehr hohe
Bedeutung, die weit über die unmittelbaren wirtschaftlichen Effekte
hinausreicht. Neben der Erzielung von wichtigen Image-, Wertschöpfungs- und
Beschäftigungseffekten trägt der Tourismus entscheidend zur Steigerung der
Lebensqualität und zur Sicherung des Lebens-, Wohn- und Wirtschaftsstandortes
Bremerhaven bei.
Der Wirtschaftszweig Tourismus steht jedoch trotz starker
Entwicklungszahlen der vergangenen Jahre in Bremerhaven vor großen
Herausforderungen. Die wettbewerbsbedingten Anforderungen und Aufgaben werden
immer vielfältiger, umfangreicher und anspruchsvoller. Zusätzlich hat der Tourismus unter der Corona-Pandemie stark gelitten. Daher
stellt sich die Frage, welche Planungen und Ziele, aber auch welche
Schwierigkeiten und Herausforderungen es für den Tourismus in Bremerhaven gibt.
Zu diesem Anlass veranstaltete der Wirtschaftsrat Bremen
einen Business Lunch mit Dr. Ralf Meyer, der neben seiner Tätigkeit als Geschäftsführer der Erlebnis Bremerhaven
GmbH im Aufsichtsrat der Nordsee GmbH und als Vorstandsmitglied im
Tourismusverband Nordsee (TVN) vertreten ist.
Dr. Ralf Meyer begann seine
Ausführungen mit einer Vorstellung der Erlebnis Bremerhaven GmbH. Ziel sei die Förderung,
Entwicklung, Umsetzung und Koordination geeigneter Maßnahmen in den Bereichen
Tourismus, Veranstaltungsmanagement und Stadtmarketing im Gebiet der Stadt
Bremerhaven und in den angrenzenden Regionen.
Anschließend stellte Dr. Meyer das Tourismuskonzept „Stadt
Bremerhaven 2025“ vor, mit dem man zukünftig 550.000 Übernachtungen pro Jahr
anpeile. Allerdings sei durch die Corona-Pandemie die Zahl der Übernachtungen
und der Tagestouristen deutlich eingebrochen. Dr. Meyer verdeutlichte, dass die
Zahl von 465.00 Übernachtungen im Jahr 2019 innerhalb eines Jahres um ein
Drittel zurückgegangen sei. Dies habe zu einem Umsatzausfall von ca. 75 Mio.
Euro alleine in der Tourismusbranche geführt.
Positiv hob er hervor,
dass es einige hochwertige Angebote für Kurzurlaube oder Tagesreisen in
Bremerhaven gebe. Unter anderem würden die Wissens- und Erlebniswelten, das
Klima- und das Auswanderhaus starke überregionale Besucheranreize setzen.
Des Weiteren würde sich die maritime Identität der Stadt
durch ein breites Angebot an maritimen Erlebnis- und Themenwelten zeigen. Die
Hafenwelten, insbesondere der Fischereihafen, bildeten dabei den wichtigsten
maritimen Teilbereich, so Dr. Meyer. Für äußerst gelungen hält er zudem den
HafenBus, der eine Verbindung der verschiedenen maritimen Erlebnisräume
ermöglicht. Außerdem würden verschiedene maritime Events und Schwerpunkte im
Bereich maritimer Kulinarik die maritime Identität der Stadt weiter
unterstreichen.
Anschließend erläuterte Dr. Meyer die Maßnahmen zur
Förderung und Stärkung des Tourismus in Bremerhaven. So sei ein Tourismusaktionsprogramm
im Volumen von 2,5 Mio. Euro durch den Corona-Fonds finanziert und entwickelt
worden. Letztendlich seien fünf zentrale Ziele in das Programm aufgenommen
worden: Zum einem wolle man die Digitalisierung voranbringen und die
Marketingmaßnahmen verstärken. Des Weiteren sollen vermehrt Veranstaltungen und
Messen gefördert werden. Darüber hinaus sei die Verbesserung der Infrastruktur
beispielsweise durch Fahrradwege ein weiteres zentrales Ziel.
Im Anschluss an die Vorstellung der Ziele nannte Dr. Meyer
einige Projekte, die bereits umgesetzt oder in Planung seien. Im Bereich
Digitalisierung sei in Kooperation mit der Hochschule Bremerhaven ein humanoider
Roboter konzipiert worden. Die Programmierung und Testung fand in einem leeren
Ladenlokal statt, sodass Besucher die Möglichkeit hatten, mit dem Roboter zu
interagieren und zur Programmierung beizutragen. Durch die Interaktionen würde
sich der Roboter für einen Einsatz am Kreuzfahrtterminal eignen.
Die Gründung der TANO (Tourismus Agentur Nordsee) solle
zur Initiierung eines touristischen Kooperationsnetzwerkes zur
gemeinsamen Vermarktung in
der Urlaubsregion Nordsee beitragen und das enorme Potential von 43. Mio.
Übernachtungen in dieser Region erschließen.
Andererseits hält Dr. Meyer eine gemeinsame Vermarktung
mit Bremen aufgrund der unterschiedlichen Zielgruppen nicht für sinnvoll.
Durch attraktive Veranstaltungen wie das IMM
(International Multihull Meeting) oder die Maritimen Tage sollen die Hafenwelten
gestärkt werden. An den Maritimen Tagen gebe es zum Beispiel verschiedene Künstler
und mehr als 60 Schiffe mit bis zu 350.000 erwarteten Besuchern.
Die Hochseekreuzfahrt sei in Bremerhaven mit bis zu 250.000
Passagieren jährlich ebenfalls ein wichtiger Wirtschaftszweig, so Dr. Meyer. Oftmals
würden die Passagiere vor ihrer Reise in Bremerhaven übernachten und hätten so
die Möglichkeit, die Stadt kennenzulernen. Zusätzlich dazu würden mittlerweile Flusskreuzfahrten
mit bis zu 80 Personen angeboten werden.
Eine Verbesserung der Infrastruktur und die Stärkung der
maritimen Identität werde mit Errichtung der DFGR (Deutsche Fisch-Genuss-Route)
erreicht. Diese ermögliche, das Thema Fisch per Fahrrad entlang der
Nordseeküste zu genießen.
Ebenfalls hält Dr. Meyer einen Standort der Universität
Bremen in Bremerhaven für sinnvoll. Durch den damit verbunden Zuwachs von
jungen Menschen könne man eine höhere Attraktivität der Stadt erreichen.
Zusammenfassend stellte Dr. Meyer dar, dass der Tourismus
durch die Corona-Pandemie stark gelitten habe. Um dem entgegen zu wirken, hätte
das Land Bremen viel früher Geld investieren müssen. Nichtsdestotrotz sei man
auf dem Weg der Besserung, da es wieder zu mehr Übernachtungen und Tagesgästen
komme.