„Das Einzige was wir in Deutschland bauen, sind Luftschlösser!“

Wirtschaftsrat-Chefvolkswirt Simon Steinbrück zu Gast in Bremen



Die Dialogveranstaltung des Wirtschaftsrates Bremen mit dem Ökonom und
Leiter der Volkswirtschaftlichen Abteilung des Wirtschaftsrates, Simon
Steinbrück, stand unter dem Motto „Zwischen Energiekrise und Stagflation – Wie
widerstandsfähig ist die deutsche Wirtschaft?“.

Steinbrück bezeichnete die zurzeit andauernden Herausforderungen der
Sicherheits- Wirtschafts- und Energiekrise als eine Zeitenwende. „Im Hinblick
auf die Inflationsbekämpfung steckt Deutschland derzeit in einer Dynamik voller
Fehlentscheidungen. Etwa 9 von 10 Automobilproduzenten beklagen sich über die
sinkende Wettbewerbsfähig unseres Landes. Die Chemie- und Keramikindustrie
wandern bereits schrittweise aus Deutschland ab. Die derzeitigen Preise von
Strom und Gas verstärken diesen Effekt der industriellen Abwanderung. Es fehlt
unserem Land eine Energiestrategie für die kommenden Jahrzehnte, damit die
benötigte Planungssicherheit für die Unternehmen gewährleistet wird. Der
im Land vorhandene Fachkräftemangel und die ansteigende Steuerbelastung begünstigen
die bereits beschriebenen Entwicklungen“, kritisierte der Volkswirt.

Er erläuterte im weiteren Verlauf
seines Vortrages die klimapolitischen Auswirkungen der Energiediskussion in
Deutschland. „Der Ausstieg aus der Kernenergie war ein schwerer Fehler und ist
ausschließlich an einer fehlerbehafteten Diskussionskultur gescheitert. Eine
weiterreichende Erforschung der Atomenergie hätte uns eine weniger
gefahrenbehaftete sowie günstige Energieproduktion beschert. Klimaschutz und
Versorgungssicherheit lassen sich ausschließlich mit der Kernenergie kombinieren.
Diese einfache Gleichung zeigt uns auch die EU-Klimabilanz auf, auf der
Deutschland einen weit abgeschlagenen Platz einnimmt. Die gesamte Klimafrage
ist in Deutschland eine ausschließlich von Ideologen gelenkte Debatte“, so
Steinbrück.

Abschließend äußerte sich Simon
Steinbrück zu den fiskalpolitischen Notlagen. „Es wird immer mehr von
Kapitalismus gesprochen und viel zu wenig von Marktwirtschaft. Zudem sind die
konservativen Parteien in Europa immer mehr in die Mitte gerückt bzw. haben
sich in weiten Teilen wirtschaftspolitisch entkernt. Die Schuldentragfähigkeit
vieler Länder schwindet, da durch einen langanhaltenden Niedrigzins immer mehr
Staatsanleihen emittiert wurden. Wir müssen endlich zu mehr Haushaltsdisziplin
in den einzelnen Ländern der Welt zurückfinden, damit uns der Kampf gegen die
Inflation gelingen kann. Unser langfristiges Ziel müssen gesunde Staatsfinanzen
und der Abbau der Staatsverschuldungen sein. Die Zukunft sieht düster aus, wenn
wir diese politische Themenvielfalt nicht akribisch angehen.“, erklärt der
Volkswirt.