Die Zukunft der Mobilität - Nachhaltig, effizient und innovativ?

Die Umsetzung einer
klimaneutralen Verkehrs- und Mobilitätspolitik im Land Bremen stellt eine große
Herausforderung für die Bevölkerung und die Wirtschaft dar. Schon seit vielen
Jahren ringen die Bürgerschaftsfraktionen und der Senat um unterschiedliche Push- und Pull-Maßnahmen, damit die selbst gesteckten
Klimaschutzziele erreicht werden können. In Kooperation mit der Handelskammer Bremen
lud der Wirtschaftsrat Bremen daher zur Podiumsdiskussion „Mobilität in der
modernen Stadt“ ein. In den historischen Räumen des Bremer Schüttings begrüßte
Olaf Orb, Geschäftsführer für Standortpolitik, Häfen, Verkehr bei der IHK
Bremen, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und stellte die große Bedeutung des
Themas für die Stadt Bremen heraus.
In einem Impulsvortrag machte
Michael Glotz-Richter, Referent für nachhaltige Mobilität bei der Senatorin für
Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau, deutlich,
dass der CO2-Ausstoß massiv gemindert werden müsse. „Mobilität in
einer modernen Stadt bedeutet für mich, dass wir uns den Herausforderungen des
menschengemachten Klimawandels stellen müssen. Wir benötigen eine andere
Verkehrsinfrastruktur und eine effiziente und schadstoffarme Mobilität. Neben
der Anpassung an die Klimafolgen werden wir eminent an Lebensqualität
hinzugewinnen. Bis 2030 müssen wir 63 Prozent CO2 in der bremischen
Mobilität einsparen“, so Glotz-Richter. Des Weiteren sei für ihn das
Elektroauto alternativlos als künftiges Fortbewegungsmittel im Individualverkehr,
da die liquiden Kraftstoffe eine vergleichsweise niedrige Effizienzquote aufwiesen.

Die anschließende
Podiumsdiskussion moderierte Dr.-Ing. Stefan Woltering, Vorsitzender der
Landesfachkommission Immobilien, Bau und Stadtentwicklung im Wirtschaftsrat Landesverband
Bremen. Auf dem Podium begrüßte er Joachim Schwarz (Geschäftsführer Cambio
Mobilitätsservice GmbH & Co. KG), Maxim Haddad (Inhaber HadSol Engineering
GmbH), Riza Akgün (Geschäftsführer Ryttle GmbH) und Prof. Dr.-Ing. Rainer
Schwerdhelm (Fachgebiet Mobilität und Steuerung von Verkehrsströmen, Jade
Hochschule).
Maxim Haddad erklärte sein
innovatives Geschäftsmodell für Bremen. „Ich möchte jedem Menschen einen
schnellen Zugang zur Ladeinfrastruktur für E-Autos ermöglichen. Wir brauchen
ein Airbnb für Ladesäulen, um den Umstieg auf das Elektroauto attraktiver zu
machen“, erläutert er.
Professor Rainer Schwerhelm warb
für eine neue Mentalität in Bezug auf Mobilitätsalternativen. „Eine
Nutzungsänderung im Bereich der Mobilität ist auf allen politischen Ebenen
erwünscht. Wir brauchen in unseren Städten mehr Raum, weniger Schadstoffausstoß
und wir müssen daher auch den Pendelverkehr aus dem Bremer Umland senken. Elementar
notwendig ist hierbei jedoch ein Umdenken in den Köpfen der Bevölkerung. Ein
gesunder Homo Sapiens kann kürzere Wegstrecken von mehreren hundert Metern auch
zu Fuß zurücklegen, wenn er damit dem Umweltschutz einen Gefallen tut“, so der
Mobilitätsprofessor.
Cambio-Chef Joachim Schwarz
skizzierte die Entwicklung des Carsharings in den vergangenen Jahren: „Trotz
der zunehmenden Anzahl unseres Angebotes an Fahrzeugen erhöhte sich die Anzahl
der privaten PKW-Zulassungen von 30 Millionen im Jahr 1990 auf 47 Millionen im
Jahr 2023. Dieser Trend zeigt auf, dass wir deutlich näher an die Wohnquartiere
und Arbeitsplätze in Bremen rücken müssen. Ich sehe daher einen großen Bedarf
an finanziellen Fördermitteln von Seiten des Staates, um das Angebot an
Carsharing-Stationen auszubauen.“
Riza Akgün warb für klare Anreize
in den Mobilitätswende und sprach sich gegen politische Verbotsmaßnahmen aus: „Ich
halte nicht viel von Push-Maßnahmen. In
London werden bereits 75 Prozent der Pakete mit klimaneutralen Lastenrädern
ausgeliefert. Die Innenstadt ist seitdem deutlich weniger von Staus betroffen.
Die Luft- und Lebensqualität hat sich seitdem deutlich gesteigert. Wir sollten
uns daher auch in Bremen Gedanken darüber machen, dass wir Zustellungshubs für
Lastenräder in Innenstadtnähe einrichten.“
In seinem Schlusswort hob Jörg
Müller-Arnecke, Landesvorsitzender des Wirtschaftsrates Bremen, die Bedeutung
der Marktwirtschaft im Zusammenhang mit der Mobilitätspolitik hervor. „Wir
benötigen marktwirtschaftliche Instrumente und dabei im Besonderen eine
Stärkung der Angebotspolitik. Verbote gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern
auszusprechen, kann nicht der richtige Weg bei der Mobilitätswende sein!“