Wissen schafft Wirtschaft

Zukunftsweisende Technik – niemand sieht sie, alle brauchen sie

Bremen
ist ein bedeutender Wissenschaftsstandort. Mit seiner Universität, seinen
Hochschulen und seinen Instituten leistet es einen bedeutenden Betrag für die Forschung
im Land. Oftmals handelt es sich dabei um Grundlagenforschung, die im Anschluss
in der Industrie zur Anwendung kommt.

Die
Industrie braucht also die Wissenschaft. Ein Befund, nach dem das Bremer
Institut für Angewandte Strahltechnik (BIAS)
unter der Leitung von Prof. Dr.
Ralf Bergmann
handelt. Das BIAS ist ein unabhängiger Forschungs- und
Entwicklungspartner für Laseranwendungen, die wiederum häufig die Voraussetzung
für industrielle Produktionsverfahren sind.

Es
handele sich dabei um „Enabling Technology“, wie Prof. Dr. Bergmann den
Mitgliedern des Wirtschaftsrates erläuterte. Dies können sehr genaue und
gleichzeitig robuste optische Messtechniken oder auch kleinste Sensoren sein.
Technik, die der Normalbürger nicht sieht, „ohne die es aber viele Produkte
nicht gäbe, die wir mit großer Selbstverständlichkeit benutzen“, wie Prof. Dr.
Bergmann feststellte. Dies reiche von der Chipherstellung über Komponenten von
Smartphones bis hin zu den Schweißnähten von Automobilkarosserien.

Neben
der Weiterentwicklung bestehender und etablierter Verfahren befasst sich das
BIAS aber auch mit der Forschung, wie sich die Teilnehmer bei einem Rundgang
durch die Labore überzeugen konnten, bei dem sie Einblicke in komplexe
physikalische Messmethoden wie beispielsweise der Interferometrie oder in das
Laserschweißen erhielten. Die Forschung orientiert sich dabei stark am Bedarf
der Industrie. Bei der Forschung und der Entwicklung von Prototypen steht stets
die Anwendbarkeit für die Industrie im Vordergrund, beispielsweise wenn dort
eine Kamera entwickelt wird, die die Qualität eines 3D-Drucks noch während des
Druckvorgangs überprüft.2022-10-04 BIAS-Besichtigung ©Wirtschaftsrat Bremen

Bei
der abschließenden Diskussion gab Prof. Dr. Bergmann noch ein viel beachtetes
Statement zur deutschen Bildungslandschaft. Dabei drückte er seine Besorgnis
aus, dass in Deutschland deutlich zu wenige junge Leute im MINT-Bereich studieren,
obwohl dieser die treibende Kraft beim Zusammenspiel von Wissenschaft und
Wirtschaft sei. Es brauche in diesem Bereich mehr Nachwuchs, aber dieser
Nachwuchs benötige auch mehr Resilienz. „Manche Doktoranden haben nicht mehr
die Ausdauer, sich durch schwierige Herausforderungen durchzubeißen“, so Prof.
Dr. Bergmann. Er beklagte zudem das allgemein abnehmende Bildungsniveau und
kritisierte, dass im Zweifel die Ansprüche gesenkt würden, um möglichst vielen
Schülern einen Abschluss zu ermöglichen. Doch: „Wenn alle das Abitur haben, ist
es nichts mehr wert! Und in der Physik lässt sich das Niveau nun mal nicht
senken.“

Widerstehen
müsse man laut Bergmann auch der Tendenz der Moralisierung fast aller gesellschaftlichen
Lebensbereiche und einer Debattenkultur mit vielen Tabubereichen. Als
Wissenschaftler halte er sich daran, dass statt Behauptungen „das Argument
zählt, egal, von wem es kommt.“