Veranstaltung „Chemie und Raffinerie am Scheideweg“

Das zentrale Thema: Wie lassen sich Wettbewerbsfähigkeit und Transformation der europäischen Chemie- und Raffinerieindustrie sichern?

Zum Thema „Chemie und Raffinerie am Scheideweg“ diskutierten
Kristin Schreiber, Direktorin in der Generaldirektion Binnenmarkt der
Europäischen Kommission, und Prof. Christian Küchen, Hauptgeschäftsführer des
Wirtschaftsverbandes Fuels und Energie (en2x) beim
Wirtschaftsrat Brüssel.

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Corinna Grajetzky, Vorsitzende des Wirtschaftsrates Brüssel,
begrüßte die Gäste und ordnete das Thema
in die aktuellen industriepolitischen Debatten ein. Die europäische Chemie- und
Raffinerieindustrie stehe an einem entscheidenden Wendepunkt. Angesichts
geopolitischer Spannungen, steigender Kosten und zunehmenden internationalen
Wettbewerbs entscheide sich jetzt, ob zentrale Grundstoffproduktionen in Europa
verbleiben oder ins Ausland abwandern.

Prof. Küchen zeichnete ein angespanntes Lagebild der
Branche. Raffinerien und chemische Grundstoffproduktion bildeten das Rückgrat
zahlreicher Wertschöpfungsketten, stünden jedoch unter erheblichem Kostendruck
– insbesondere durch hohe Energiepreise und regulatorische Anforderungen.
Investitionen würden zunehmend zurückgestellt oder verlagert. Zwar sei der
Emissionshandel grundsätzlich sinnvoll, seine Wirkung stoße im globalen
Wettbewerb jedoch an Grenzen. Zudem fehle es bei neuen Vorgaben vielfach an ausreichender
Planungssicherheit für Investoren.

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Kristin Schreiber wies auf die entsprechenden Initiativen
der Europäischen Kommission hin. Mit dem Chemical Action Plan und der Critical
Chemicals Alliance wolle die Kommission das industrielle Ökosystem stärken und
strategische Abhängigkeiten reduzieren. Langfristige Klimaziele sollten
beibehalten, kurzfristige Instrumente jedoch gezielt angepasst werden, um
Unternehmen spürbar zu entlasten.

Als wichtige Hebel nannte sie unter anderem
Strompreisentlastungen, den schnelleren Ausbau von Infrastruktur, die Förderung
von kohlenstoffarmem Wasserstoff sowie die geplante Vereinfachungsagenda
(„Omnibus“) zur Reduzierung bürokratischer Belastungen.

In der Diskussion wurde deutlich, dass die Branche vor einem
schwierigen Zielkonflikt steht: Emissionsminderung und Transformation erfordern
hohe Investitionen, während wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen
vielerorts noch fehlen. Besonders betont wurde die Bedeutung verlässlicher
Regulierung und planbarer Marktbedingungen für Investitionsentscheidungen.













Abschließend warb Corinna Grajetzky für einen stärker
integrierten und pragmatischen Ansatz in der europäischen Industriepolitik.
Finanzierung, Regulierung und Marktbedingungen müssten konsequent
zusammengedacht werden. Der Wirtschaftsrat Brüssel werde hierfür weiterhin eine
Plattform für den Dialog zwischen Politik und Industrie bieten.

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