Jour Fixe mit Dr. Jan Grünhage

Im Rahmen des Jour Fixe des Wirtschaftsrates Brüssel sprach
Dr. Jan Grünhage, Stellv. Ständiger Vertreter Deutschlands bei der NATO, zum
Thema „Aktuelle Herausforderungen der NATO und die Zusammenarbeit mit der EU“.
Corinna Grajetzky, Vorsitzende des Wirtschaftsrates Brüssel,
begrüßte den Referenten zu einem Austausch über die aktuellen sicherheits- und
verteidigungspolitischen Herausforderungen für Europa und das transatlantische
Bündnis.
Im Mittelpunkt stand die grundlegende Neujustierung der NATO
angesichts des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine, hybrider
Bedrohungen und gestiegener Erwartungen der USA an die europäischen Alliierten.
Deutlich wurde, dass die Allianz ihre Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit
weiter stärken muss und Europa innerhalb des Bündnisses künftig mehr
Verantwortung übernehmen wird.
Ein besonderer Fokus lag auf der Lastenverschiebung
innerhalb der NATO. Dabei wurde betont, dass höhere Ausgaben in Sicherheit und
Verteidigung nicht nur militärisches Gerät betreffen, sondern auch
Infrastruktur, Innovation, Cybersicherheit, Energieversorgung und vieles mehr
umfassen.
Auch die Rolle Deutschlands innerhalb der Allianz wurde
thematisiert. Deutschland werde von vielen Partnern zunehmend als zentrale
Führungsnation wahrgenommen. Dies gehe auch mit gestiegenen Erwartungen einher.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Verhältnis zwischen
NATO und Europäischer Union. Beide Organisationen müssten enger
zusammenarbeiten, ohne Doppelstrukturen aufzubauen.
Diskutiert wurde zudem die Leistungsfähigkeit der
europäischen Rüstungs- und Verteidigungsindustrie, insbesondere mit Blick auf Produktionskapazitäten,
gemeinsame Standards, Lieferketten und Innovationszyklen. Deutlich wurde, dass
europäische Verteidigungsfähigkeit nicht allein von politischen Beschlüssen,
sondern auch von einer starken industriellen Basis abhängt.
Auch die transatlantischen Beziehungen wurden erörtert.
Trotz politischer Unsicherheiten wurde deutlich, dass die praktische
Zusammenarbeit innerhalb der NATO weiterhin eng und konstruktiv bleibt.
In der anschließenden Diskussion mit den Mitgliedern des
Wirtschaftsrates standen unter anderem die Lage in der Ukraine, die Bedrohung
durch Russland, hybride Angriffe, Energie- und Versorgungssicherheit, kritische
Infrastruktur sowie Fragen der NATO-Erweiterung im Mittelpunkt. Insgesamt
verdeutlichte die Veranstaltung die Komplexität der aktuellen sicherheits- und
verteidigungspolitischen Lage.