Jour Fixe mit Maxi Espeter

Corinna Grajetzky, Vorsitzende des Wirtschaftsrates Brüssel, begrüßte Maxi Espeter, Kabinettsmitglied von Christophe Hansen, EU-Kommissar für Landwirtschaft und Ernährung, zu einem Jour Fixe des Wirtschaftsrates Brüssel am 8. Oktober 2026. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die wirtschaftliche und strategische Bedeutung der europäischen Landwirtschaft für Europas Ernährungssicherheit und Resilienz.
Maxi Espeter sprach sich für einen veränderten Blick auf die Landwirtschaft aus. Unter Kommissar Hansen werde der Sektor stärker als wirtschaftliches Zukunftsthema und strategische Priorität behandelt. Rund 40 Prozent des EU-Territoriums würden landwirtschaftlich bewirtschaftet; etwa neun Millionen Betriebe trügen zur Versorgung von rund 450 Millionen Bürgerinnen und Bürgern bei. Landwirtschaft sei dabei weit mehr als die Arbeit auf dem Feld: Ihre Wertschöpfung reiche von Maschinenbau und Betriebsmittelproduktion über Verarbeitung und Logistik bis zu Handel und Gastronomie. Die internationale Stärke des Sektors zeige sich im Handelsüberschuss der EU bei Agrar- und Lebensmittelerzeugnissen, der 2025 rund 50 Milliarden Euro erreicht habe. Landwirte müssten deshalb konsequent als Unternehmer und Partner wahrgenommen werden.
Landwirtschaftliche Betriebe seien zahlreichen Herausforderungen ausgesetzt. Neben schwankenden Märkten erschwerten Dürren, Überschwemmungen, Hitzewellen und Wasserknappheit eine verlässliche Planung. Gleichzeitig erforderten Maschinen, Technik und Betriebsmittel erhebliche Investitionen. Die landwirtschaftlichen Einkommen erreichten nur rund 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens in der übrigen Wirtschaft; Maxi Espeter betonte daher die Notwendigkeit besserer wirtschaftlicher Rahmenbedingungen und einer spürbaren Entlastung von Bürokratie. Die Vereinfachungsagenda der Kommission und die Vorschläge zur Stärkung der Position der Landwirte in der Lebensmittelkette seien wichtige Ansatzpunkte.
Maxi Espeter wies auf die Verbindung zwischen Landwirtschaft und Sicherheit hin. So habe Kommissar Hansen an der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar 2026 teilgenommen. Wer über Sicherheit spreche, müsse Ernährungssicherheit mitdenken.
In der anschließenden Diskussion wurden diese Zusammenhänge anhand konkreter unternehmerischer Erfahrungen vertieft. Themen waren u.a. die Verfügbarkeit von Düngemitteln, der Erhalt europäischer Produktionsstandorte und die Auswirkungen von Importabhängigkeiten von Drittländern. Auch die Gesetzgebung zu Wasser, ein verlässlicher Zugang zu Wasser und die Abstimmung zwischen Agrar- und Umweltpolitik wurden angesprochen.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Frage, wie Forschung und Innovation schneller in die Praxis gelangen können. Moderne Landwirtschaft nutze bereits digitale Technologien und Satellitendaten; entscheidend sei jedoch, neue Lösungen über die Entwicklungsphase hinaus zur Marktreife und in die Betriebe zu bringen. Diskutiert wurden insbesondere Pflanzenbiotechnologie, dürreresistente Pflanzen sowie die wirtschaftlichen Potenziale von Biomethan und Biokraftstoffen.
Insgesamt verdeutlichte die Veranstaltung, dass Landwirtschaftspolitik zugleich Wirtschafts- und Sicherheitspolitik ist. Maxi Espeter schloss mit einem Leitgedanken Kommissar Hansens: In Zeiten wachsender Unsicherheit ist ein Kontinent, der sich selbst ernähren kann, ein handlungsfähiger Kontinent.