Erneuern, Forschen, Digitalisieren – Wachstum durch Technologie und digitale Unabhängigkeit

Geopolitische Spannungen, die starke Abhängigkeit Europas von außereuropäischen Technologien, zunehmende Marktkonzentrationen bei digitalen Schlüsseltechnologien sowie die rasante Entwicklung von Künstlicher Intelligenz als Treiber technologischer Machtverschiebungen erfordern ein entschlossenes und koordiniertes europäisches Vorgehen. Damit beschäftigt sich auch Prof. Dr. Fritzi Köhler-Geib, Vorständin der Deutschen Bundesbank, die bei einer Vortragsveranstaltung des Netzwerkes „Finance & Governance“ bei der Privatbank Bethmann HAL darüber sprach, wie Deutschlands Wirtschaft wieder auf einen steileren Wachstumspfad kommen kann.
Dafür forderte sie ein breit angelegtes Reformpaket, das an den Hebeln Kapital, Arbeit und Innovation ansetzen müsse. Neben Bürokratieabbau zur Kapitalfreisetzung durch verringerte Reportingkosten und Steigerung des Arbeitseinsatzes zur Erhöhung des Potenzialwachstums machte sie insbesondere im Bereich der Digitalisierung und der Anwendung digitaler Tools Wachstumsmöglichkeiten für unsere Wirtschaft aus.
Um mit der Digitalisierung einen Wachstumseffekt erzielen zu können, müsse Deutschland digitale Zukunftstechnologien in die Anwendung bringen, Innovationen in diesem Bereich finanzieren und in marktfähige Produkte übersetzen. Insbesondere die Finanzierung von Innovation stelle in Deutschland durch fehlendes Wagniskapital aber ein Problem dar. Die Änderung des Anlageverhaltens der Bürger könnte hier einen Teil zur Linderung beitragen: „Aktuell halten die Haushalte in der EU 11,5 Billionen Euro an Bargeld und Einlagen. Wenn wir nur einen Teil davon dafür mobilisiert bekommen, wäre schon viel erreicht“, befand Köhler-Geib.
Eine große Rolle spiele dabei auch die digitale Souveränität. Europa importiere derzeit mehr als 80% seiner digitalen Infrastruktur und Technologien. Vor dem Hintergrund der geopolitischen Verschiebungen müsse man sich in Deutschland und Europa dieser digitalen Abhängigkeiten bewusstwerden, die Souveränität strategisch stärken und die Marktchancen, die sich daraus ergäben, nutzen. So habe der weltweite Markt für IT-Ausgaben ein Volumen von 5,6 Billionen Dollar. Europas Anteil daran betrage 1,3 Billionen Dollar. In der Gewinnung von Marktanteilen daran lägen große Wachstumschancen.
„Um technologisch digital wieder handlungsfähig zu sein, müssen wir uns auf fünf Digitaltechnologien, auf Chips, auf Cloud, auf KI, auf Quantencomputing und auf Robotics fokussieren, öffentliche Nachfrage in diesen Bereichen bündeln, Innovation in marktfähige Produkte übersetzen, Wagniskapital mobilisieren und anwendungsnahe Forschung in diesen ausgewählten Bereichen betreiben“, erklärte sie abschließend und zeigte sich zuversichtlich, „dass wir gute Voraussetzungen haben, hier auch erfolgreich zu sein.“