80 Jahre Freiburger Denkschrift – 80 Jahre (christliche) Wurzeln der Sozialen Marktwirtschaft

Vor 80 Jahren, genau vom 17. bis 19. November 1942, fand in
Freiburg die erste Geheimtagung des sogenannten Freiburger-Kreises statt. Dieser
Kreis konstituierte sich auf Anregung von Dietrich Bonhoeffer, um die
Grundlagen für eine Nachkriegs-Wirtschaftsordnung für Deutschland zu
diskutieren. Die Anlage 4 zur Wirtschafts- und Sozialordnung der daraus
entstehenden Freiburger Denkschrift sollte später als Blaupause für die
„Soziale Marktwirtschaft“ gelten.

Zu Beginn erinnert Prof.
em. Dr. Werner Plumpe
daran, dass sich der Freiburger Kreis als explizit
christliche Runde verstand. Die Mehrzahl seiner Teilnehmer gehörte zum Kreis
der Bekennenden Kirche, in der sie sich stark engagierten. Die Freiburger
Ökonomen sahen, so Plumpe, in der Wirtschaft jedenfalls keinen Selbstzweck,
distanzierten sich scharf von jeder Form des Materialismus, und hatten eine
genaue Vorstellung von der dienenden Funktion der Wirtschaft, die diese aber
nur ausüben könne, wenn bestimmte Prinzipien bzw. Grundsätze eingehalten würden.
Zu diesen Grundsätzen gehörten besonders Wettbewerb und Preisstabilität. Wettbewerb
wurde dabei auch als ein ethisches Gebot gesehen, das weit über Fragen der
Preisbildung und Gütererstellung hinausreiche und eine Machtzusammenballung
verhindere.

Daran anknüpfend betonte Dr. Hans-Jörg Naumer die Bedeutung des Privateigentums als eine
Säule der Sozialen Marktwirtschaft. Privateigentum garantiere die Souveränität
des Bürgers und müsse, im Sinne einer gerechten Teilhabe, durch eine gezielte
Politik der Vermögensbildung gefördert werden. Naumer erinnerte daran, dass
Deutschland im internationalen Vergleich als eine der größten Industrienationen
beim Pro-Kopf-Geldvermögen auf Platz 19 liege, und auch beim Wohneigentum im
europäischen Vergleich auf den vorletzten Platz komme. Weniger als 50% der
Haushalte wohnten, so Naumer, in ihren eigenen vier Wänden. Ansätze zur
Förderung der Vermögensbildung sieht er besonders in der Stärkung des
Wohneigentums, bei der Förderung der Kapitalbeteiligung und der finanziellen
Bildung. Wenn es der Regierung darum, gehe pro Jahr 400.000 Wohnungen zu
schaffen, wäre das auch eine Chance für 400.000 neue Wohneigentümer. Z.B. der
sogenannte Mietkauf böte eine Chance dafür. Auch die zumindest teilweise
Kapitaldeckung der gesetzlichen Rentenversicherung wäre ein wichtiger Schritt.
Naumer ging dabei mit der geplanten „Aktienrente“ kritisch ins Gericht. Diese
sei in ihrer Ausgestaltung nur ein auf Pump finanzierter, staatlicher
Hedgefonds. Besser wäre es, den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zu
ermöglichen einen Teil ihres Rentenbeitrags in Eigenvorsorge anzusparen, wie es
auch der ursprüngliche Plan für die Aktienrente gewesen sei.







„Die Beiträge und Diskussionen mit den Teilnehmern haben
gezeigt, wie wichtig und aktuell die Freiburger Denkschrift als Grundlage der
Sozialen Marktwirtschaft auch heute noch ist,“ fasst Erhard Seeger, Sprecher des Unternehmernetzwerks Familienunternehmen
und Mittelstand die Veranstaltung zusammen.