Abfallwirtschaft im Wandel: Landkreis Groß-Gerau zeigt moderne Lösungen für Kreislaufwirtschaft

Einblicke in aktuelle Entwicklungen der kommunalen Abfallwirtschaft und nachhaltige Energienutzung beim Besuch der AWS in Büttelborn.

Bei
einem Besuch der Sektion Groß-Gerau auf dem Hof der AWS
Abfall-Wirtschafts-Service GmbH in Büttelborn wurde deutlich, wie umfassend der
Landkreis Groß-Gerau die Herausforderungen einer modernen Kreislaufwirtschaft
annimmt. Landrat Thomas Will machte
zu Beginn klar, dass Müllentsorgung zu den originären Aufgaben des Kreises
gehört. Als Aufsicht über die AWS stehe der Landkreis in der Verantwortung,
effiziente und zugleich zukunftsfähige Strukturen zu gewährleisten.

Stefan Metzger und Jens Tollkühn, Geschäftsführer der 100-prozentigen
Riedwerke-Tochter AWS, erläuterten die Rolle des Unternehmens im komplexen
Gefüge der Abfallentsorgung. Während die Kommunen für die Sammlung des Mülls
verantwortlich sind, übernimmt der Zweckverband AWS die fachgerechte
Entsorgung. Herzstück des Betriebs ist die Deponie in Büttelborn, die bereits
seit 1991 in Betrieb ist und noch bis Ende 2030 genutzt werden kann. Rund um
die AWS haben sich im Laufe der Zeit auch weitere Unternehmen angesiedelt, welche
von den infrastrukturellen Synergien vor Ort profitieren.

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Die
Entwicklungen in der Abfallwirtschaft machen jedoch auch vor Herausforderungen
nicht halt: Aufgrund der zunehmenden Menge an Elektrogeräten hat die Brandlast
auf den Wertstoffhöfen deutlich zugenommen. Auch der Wertstoffhof in Büttelborn
war davon betroffen: In den vergangenen Jahren kam es dort gleich mehrfach zu
Bränden, zuletzt im Mai 2025 waren 15 Tonnen Sperrmüll in Brand geraten. Um
dieser Entwicklung zu begegnen, wurde die Novellierung der Vorschriften für
Elektroschrott angestoßen. Im Zuge dessen wurde das sogenannte Thekenmodell
eingeführt, das eine differenzierte Trennung von Geräten mit oder ohne
herausnehmbaren Batterien oder Stecker vorsieht und somit für mehr Sicherheit
und eine bessere Sortierung auf den Höfen sorgt. Ein weiteres Sorgenkind ist
derzeit der Altkleidermarkt: Sinkende Qualität der Textilien und eine Vielzahl
an Fremdstoffen erschweren die Weiterverwertung zunehmend.

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Ein
zukunftsweisendes Projekt stellte die Geschäftsführung im Detail vor: Der
Neubau der Bioabfallvergärungs- und Kompostierungsanlage, die sich aktuell in
der Bauphase befindet. Nach Fertigstellung wird die Anlage jährlich rund 35.000
Tonnen Bioabfälle verarbeiten und daraus nicht nur 10.000 Tonnen hochwertigen
Kompost für die Landwirtschaft gewinnen, sondern auch 1,9 Millionen Kubikmeter
Biogas erzeugen. Daraus entstehen etwa vier Millionen Kilowattstunden Strom,
die maßgeblich zur Versorgung des Landkreises beitragen werden. „Mit der neuen
Anlage schaffen wir einen echten Mehrwert für die Region – ökologisch wie
ökonomisch“, unterstrich Geschäftsführer Stefan Metzger. Der offizielle Start
der Anlage ist zum 1. Januar 2026 vorgesehen. Die Teilnehmerinnen und
Teilnehmer bekamen bei einer Rundfahrt um die Deponie und einem Rundgang durch
die Baustelle der Bioabfallvergärungs- und Kompostierungsanlage einen
anschaulichen Eindruck von der praktischen Umsetzung moderner
Kreislaufwirtschaft.