Die Nutzung der „dazwischenliegenden Möglichkeiten“ ist eine erfolgreiche Methode der Stadtentwicklung

Die Sektion Limburg-Weilburg diskutiert über die erfolgreichen Schritte und Projekte bei der Stadtentwicklung in Weilburg

In der Stadt Weilburg werden
seit 2002 die sogenannten „dazwischenliegenden Möglichkeiten“ in der
Stadtentwicklung erfolgreich genutzt. „Wenn Naturschutz, Denkmalschutz,
Bergsenkungsgebiete, Waldreichtum und Topographie Grenzen für die
Stadtentwicklung setzen, dann muss eine Stadt wie Weilburg auf dazwischenliegende
Möglichkeiten setzen“, führte Hans-Peter
Schick,
Bürgermeister a.D. der Stadt Weilburg, in die Thematik des Abends
ein. Jahrhundertelang orientierte sich Weilburgs Entwicklung an der Lahn. „Um
das Jahr 2000 kam die Stadt dann aber an ihre Grenzen. Die Stadt war gezwungen,
mit der Betonung des quer zur Lahn verlaufenden Verkehrsbandes B456 umzusteuern“,
so Schick. Eine Möglichkeit dafür waren die „dazwischenliegenden Möglichkeiten“
– also Baulücken oder ungenutzte Brachflächen und leerstehende Gebäude im
Stadtbild. Dadurch konnte die Oberlahnbrücke mit dem Mühlbergtunnel gebaut
sowie das Landratsamt wieder einer Nutzung zugeführt werden. Auf dem Gelände
des Kirmesplatzes werden derzeit Wohn- und Pflegeeinrichtungen gebaut und Unternehmen
in Weilburg konnte sich entwickeln. Insgesamt entstand mit weiteren Bau- und
Gewerbegebieten zwischen Waldhausen, Weilburg und Kubach eine Stadtmitte mit
rund 8.500 Einwohnern.



Welche Potentiale die Lahnschleife
für die weitere Stadtentwicklung Weilburgs hat, stellte der Weilburger
Architekt Matthias Losacker vor.
„Die Lahnschleife bietet vielfältige Möglichkeiten mit ihren ungenutzten und
teilweise brachliegenden Flächen.“ Hier könnte nach Losacker wesentlich besser
ein attraktiver Lebensraum geschaffen und dabei die Altstadt miteingebunden und
mit der Westerwald- sowie Taunusseite verbunden werden. Beispielhaft dafür ist
das Projekt „Wohnen am Fluss“ und „Klein-Nizza“. Insgesamt sieht der Architekt
siebzehn Entwicklungsschritte in der Lahnschleife. „Die Stadt kann von der Lahn
aus weiterentwickelt werden. Die Flächen müssen nur neu gedacht werden“, so
Losacker.


„Qualifizierten und
altersgerechten Wohnraum kommt eine immer größere Bedeutung zu“, führten Stefan Höttgeres und Markus Stillger von der ABID Wohnstadt
GmbH in das Projekt „Seniorenzentrum Lindenring“ ein. 57 Wohnungen und 65
Pflegeappartements für alle Pflegegrade entstehen bis Ende 2023 auf dem
ehemaligen Kirmesplatzareal an der Limburger Straße. Damit nutzte die Stadt
eine dazwischenliegende Möglichkeit in Form von Brachfläche zur Schaffung neuer
Wohnungen. Die Investition beläuft sich auf rund 32 Millionen Euro. Daruch
entstehen neben Wohnraum auch 60 Voll- und Teilzeitarbeitsplätze. Nach Bauende sollen
rund 150 Menschen im Lindenring ein neues Zuhause finden.


Der Weilburger Bürgermeister Dr. Johannes Hanisch zeigte dann noch Perspektiven
für die weitere Stadtentwicklung auf. Er nannte Weilburg einen Standort, „an
dem sich viel bewegt hat und bewegt. Stadtentwicklung hört nicht auf.“ Die
aktuelle Palette reicht von einzelnen Standorten in der Lahnschleife über
Objekte am Marktplatz oder die Neuanlage der Wohnmobilstation. „Die Lahn erlebbar
machen“, nannte der Bürgermeister eines seiner großen Ziele. Gleichzeitig drückte
er seine Freude aus über Ausbauprojekte von heimischen Unternehmen oder beim
Glasfasernetz sowie den künftigen Neubau des regionalen Krankenhauses. Ein
wichtiger Schlüssel zur Entwicklung der Weilburger Kernstadt und der Stadtteile
sei die Möglichkeit, leerstehende Immobilien und Problemstandorte durch die
Stadt zu erwerben. Dafür stelle das Stadtparlament jährlich 500.000 Euro zur
Verfügung.