Fachkräftemangel in Hessen und dem Odenwaldkreis

Die
Sicherung von Fachkräften ist bundesweit essenziell für die Aufrechterhaltung
von Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit. Insbesondere durch den demografischen
Wandel wird sich das Problem des Fachkräftemangels in den nächsten Jahren noch
deutlich verstärken. Laut der DIHK-Konjunkturumfrage 2022 sehen 61% der befragten
Unternehmen den Fachkräftemangel als eine der größten Gefahren für ihre
Geschäftsentwicklung an.
Auch in Hessen und dem
Odenwaldkreis ist das Thema omnipräsent. Besonders betroffene Branchen sind die
Pflege-und Kinderbetreuung, der Industriesektor sowie das Baugewerbe.
Gemeinsam mit der
arbeitsmarktpolitischen Sprecherin der hessischen CDU-Landtagsfraktion, Sabine Bächle-Scholz, und Andreas Falk, Geschäftsführender
Gesellschafter der FK Logistik Spezialtransporte & Betriebsumzüge GmbH
& Co. KG, haben die Mitglieder der Sektion Odenwald sowie der Netzwerke
Arbeit 4.0 und Familienunternehmen & Mittelstand über die Chancen und
Herausforderungen bei diesem Thema diskutiert.
Die CDU-Politikerin
Sabine Bächle-Scholz sieht hier noch viele Themen, die sowohl auf politischer
Ebene als auch auf gesellschaftlicher Ebene zu klären sind. In Gesprächen mit Handwerks- und Ausbildungsbetrieben
wird immer noch deutlich, dass Jugendliche das Studium als den sicheren Weg für
die Zukunft sehen. Auch Andreas Falk kann dieser Einschätzung aus eigenen
Erfahrungen nur zustimmen. Beide sprechen sich dafür aus, dass ältere
Generationen ihren Nachwuchs nicht dazu animieren, zum Studium zu gehen, wenn
diese eine Ausbildung bevorzugen würden. „Nicht jeder ist für ein Studium
geeignet, sondern würde in einem Ausbildungsberuf viel glücklicher werden“, so
Falk. Aber nicht nur Eltern und Jugendliche müssen umdenken, auch Arbeitgeber
müssen sich auf die neuen Gegebenheiten und Anforderungen einstellen.
Bächle-Scholz erklärt, dass die Zeit der Blindbewerbungen vorbei ist.
Ausbildungsstätte müssen die Jugendlichen dort abholen, wo diese sich bewegen, d.h.
durch Ansprache auf den Social Media-Kanälen oder auf digitalen
Ausbildungsmessen. Dadurch können auch die Eltern erreicht werden, welche immer
noch Einfluss auf ihre Kinder bei der Berufswahl nehmen.
Die Ausbildung ist aber
nur ein kleiner Schritt, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Für Falk
„gibt es keine freien Fachkräfte mehr auf dem Markt“. Derzeit sieht er nur die
Möglichkeit der Abwerbung, welche
in der Regel mit einem höheren Gehalt verbunden ist und damit zu einer
Lohn-Preis-Spirale führt. Aus diesem Grund sieht Bächle-Scholz auch die
„Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ und ein „flexibles Renteneintrittsalter“
als Möglichkeiten der Fachkräftesicherung.
Falk sieht zudem das
Finden von lernwilligen Arbeitnehmern – „egal welchen Alters und welcher
Nationalität“ - als eine der größten Aufgaben von Arbeitgebern. Daher ist wahrscheinlich
der qualifizierte Zuzug aus dem Ausland die am erfolgversprechendste Lösung für
den Fachkräftemangel. Mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz ist für
Bächle-Scholz auch der erste Schritt für eine Integration von qualifizierten
ausländischen Fachkräften in den deutschen Arbeitsmarkt getan worden.
Allerdings empfindet die Wirtschaft das Gesetz als noch nicht ausreichend und
nach wie sehr bürokratisch und damit zu langsam, vor allem da man sich mit den
anderen europäischen Ländern in einem Wettkampf um Fachkräfte befindet.
Am Ende waren sich alle einig, dass beim Thema „Fachkräftemangel
und –sicherung“ noch viel getan werden muss. Auch wenn niemand bisher die
Lösung gefunden hat. Neben einem Umdenken in der Gesellschaft in Bezug auf
Ausbildung vor Studium sowie Anpassungen von Gehältern in der Ausbildung bis
hin zu einer schnelleren und bürokratiefreieren Anerkennung von ausländischen
Qualifikationen, haben Politik und Wirtschaft noch viele Probleme zu lösen.