Gesellschaftlicher Wandel nötig, damit Nachfolgen wieder attraktiv wird

Vertreter aus Bildung, IHK und Wirtschaft diskutierten in Darmstadt über Unternehmensnachfolgen in Deutschland

Wie in vielen anderen Regionen
stehen auch im Landkreis Darmstadt-Dieburg viele Unternehmerinnen und
Unternehmer vor der entscheidenden Herausforderung der Unternehmensnachfolge.
Die Arbeitsgruppe des Wirtschaftsrates Hessen hat sich das Ziel gesetzt, Hessen
zum Nachfolgeland zu entwickeln und geht hier in den regelmäßigen Austausch mit
der Wirtschaft, um Handlungsempfehlungen für die Politik zu entwickeln.

Für
einen solchen Austausch sind Dr.
Anne Kathrin Adam,
Geschäftsführerin
der Internationalen Berufsakademie der F+U Unternehmensgruppe gGmbH, Martin
Proba,
Geschäftsbereichsleiter bei der IHK Rhein-Main-Neckar, sowie Christian
Schön,
ehem. Geschäftsführender Gesellschafter der GEAL Gesellschaft für
Elektro-, Automatisierungs-und Leittechnik GmbH, und Sebastian Wissig, Partner
der Nachfolgekontor GmbH, eingeladen worden.

Frau Dr. Adam, selber in
2. Generation im vom Vater gegründeten Familienunternehmen F+U
Unternehmensgruppe tätig, kennt durch ihre Arbeit an der Berufsakademie die
Einstellungen der jungen Generation zum Thema „Unternehmertum“. Die jungen
Leute sind eher darauf bedacht, sehr schnell sehr viel zu erreichen. „Dies ist
als Geschäftsführer eines Unternehmens nicht immer möglich.“

Auch Martin Proba
erklärt, dass viele Unternehmertum nicht mehr attraktiv finden und diejenigen,
welche bereit sind ein Unternehmen zu leiten, werden dann von der manchmal zu
beobachteten Willkür der Behörden und Ämter wieder abgeschreckt. „Wir begleiten
ca. 600 – 700 Nachfolgen und Existenzgründungen im Jahr. Nur ein Drittel aller
Nachfolgen ist am Ende sofort erfolgreich.“

Auch Christian Schön,
welcher vor 30 Jahren gemeinsam mit vier weiteren ehemaligen Kollegen ein
Unternehmen gründete, kann berichten, dass die Nachfolgeregelung ein langer
Prozess sein kann. „Eine familieninterne Nachfolge war bei uns von Anfang nicht
möglich. Wir wollten, dass Mitarbeiter als Management-Buy-out die Unternehmen
übernehmen.“ Ein Prozess von vier Jahren mit vielen Gesprächen mit geeigneten
Mitarbeitern endete dann 2022 mit dem Verkauf des Unternehmens an ein anderes
Unternehmen. „Wir haben erlebt, dass die jungen Leute die Verantwortung nicht
übernehmen wollen oder die Geschäftsführung nicht mit ihrem privaten Leben zu
vereinbaren war.“

Einig waren sich alle vier Diskutanten, dass die
Gesellschaft sich wandeln muss, wenn Deutschland wieder mehr junge Leute als
Nachfolger oder Gründer gewinnen will. Es muss vermittelt werden, dass
„Arbeiten Spaß macht“ und Unternehmertum etwas Gutes ist. Politik und
Wirtschaft müssen im Zusammenspiel mit den Bildungseinrichtungen den Blick von
jungen Leuten ändern und vermitteln, dass Unternehmertum nichts „Böses oder
Schlechtes“ ist.