Herausforderung Unternehmensnachfolge im Bau und Handwerk in Mittelhessen
In den kommenden
Jahren werden vor allem die klein- und mittelständischen Unternehmen vor
zahlreichen und vielfältigen Herausforderungen stehen – demografischer Wandel,
Fachkräftemangel und steigende Energiepreise machen sich immer deutlicher
bemerkbar. Betrachtet man allein die Handwerksbranche in Hessen lässt sich
beobachten, dass die wesentlichen Gründe für das nicht Zustandekommen von
Betriebsübernahmen – neben dem Fachkräftemangel und extremer
Inhaberabhängigkeit – die zu hohen finanziellen Forderungen der Altinhaber
sowie bürokratischer Hürden sind. Weitere Probleme bestehen in den Belastungen
durch Erbschaft- bzw. Schenkungssteuer bei der familieninternen Übergabe.
Die Arbeitsgruppe
Unternehmensnachfolge, unter Leitung von Julian Will, Geschäftsführer der
Nachfolgekontor GmbH, diskutierte diese Thematik mit Kay-Achim Becker,
Kreishandwerksmeister derKreishandwerkerschaft Gießen, sowie Sascha Reitz, Geschäftsführer der
RT-Holding GmbH, und Steffen Kalbfleisch,
Regionsleiter Unternehmerkunden bei der Commerzbank AG. Dabei vertraten Becker
und Reitz die Familienunternehmen, welche bereits eine Nachfolge durchlebt
haben oder diese noch bevorstehen. Will und Kalbfleisch übernahmen auf dem
Podium die Stimme der Berater.
Für alle Panelisten stand
allerdings fest, dass gerade das Handwerk eine schwierige Branche ist, um eine
Nachfolgeregelung für jedes Unternehmen erfolgreich abwickeln zu können. So findet
man im Handwerk alles an Unternehmensgrößen – vom kleinen Ein-Mann-Betrieb bis
zur großen Konzernstruktur. Vor allem die alten traditionellen Betriebsgrößen
aus einem Meister, zwei bis drei Gesellen und einem Lehrling gibt es in der
heutigen Zeit nicht mehr. Hier haben sich die Konzernstrukturen, in denen
Handwerk und Management personell von einander getrennt geführt werden, als
überlebensfähiger und damit auch attraktiver für eine Nachfolge gezeigt. Je nach
Betriebsgröße sind die Anforderungen an die Nachfolgegeneration auch eine
andere und bei allen Nachfolgen muss immer auch der Faktor Mensch berücksichtigt werden. Denn durch diesen kann eine Übergabe
– ob familienintern oder –extern – chaotisch und herausfordernd werden.
Zudem haben die kleinen, eigentümergeführten Unternehmen
immer mehr das Gefühl, dass ihre Betriebe politisch nicht gewollt sind. Die
vielen Auflagen und Regulierungen für die Handwerksbetriebe erschweren den
kleinen Unternehmen mehr und mehr die Arbeit und das Überleben. Einig waren
sich alle Teilnehmer darin, dass es die Ein-Mann-Unternehmen im Handwerk in
Zukunft nicht mehr geben wird, sondern man eher kaufmännische Unternehmen mit
Handwerksfokus auf dem Markt finden wird. Hier muss sich die Politik fragen, ob
dies gewollt sein kann.