Klimastabile Wälder als gemeinsame Aufgabe von Politik und Forstwirtschaft
Der politische Spaziergang der Sektionen Wetterau und Gießen-Alsfeld im
Akademischen Forstgarten Schiffenberg stellte die Verbindung von forstlicher
Tradition, wissenschaftlicher Forschung und moderner Waldentwicklung in den
Mittelpunkt. Der Akademische Forstgarten zwischen Gießen und Schiffenberg bot
dabei einen passenden Rahmen für die Veranstaltung, da er seit mehr als 200
Jahren als bedeutender Standort der forstlichen Lehre und Forschung gilt.
Bereits 1825 wurde in Gießen eine Forstlehranstalt gegründet, die nach ihrer
Eingliederung in die Universität im Jahr 1831 den Grundstein für das weltweit
erste Universitätsforstinstitut bildete. Mit der Einrichtung der forstlichen
Versuchsanstalt im Jahr 1882 entstand zudem der Akademische Forstgarten, der
als Bindeglied zwischen forstpraktischem Unterricht und botanischer Forschung
diente. Ursprünglich wurden dort nahezu 400 verschiedene Forstgewächse
angepflanzt, von denen heute noch rund 200 Arten erhalten sind.
Zu Beginn der Veranstaltung gaben Christian Zehring, Forstamtsleiter des Forstamts
Wettenberg bei HessenForst, sowie Florian Schwarz aus der Abteilung
Waldentwicklung und Umwelt von HessenForst eine fachliche Einführung in die
aktuellen Herausforderungen der Waldentwicklung. Sie erläuterten, wie stark die
Wälder in Hessen bereits heute unter den Folgen des Klimawandels leiden. Steigende
Temperaturen, längere Trockenperioden und extreme Wetterereignisse machten eine
Anpassung der Waldbewirtschaftung notwendig. HessenForst arbeite daher intensiv
daran, die Wälder klimaresistenter und zugleich artenreicher aufzustellen.
Dabei spiele insbesondere die Veränderung der Baumartenbestände eine zentrale
Rolle. Zudem erläuterten Zehring und Schwarz, welche klimatischen Entwicklungen
in den kommenden Jahrzehnten in Deutschland erwartet werden und wie sich die
Forstwirtschaft darauf vorbereite. HessenForst Wettenberg betreut diese
Aufgaben mit insgesamt 34 Mitarbeitern.
Im Anschluss ging Daniel Köfer,
Staatssekretär für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat
in Hessen, auf die politischen Rahmenbedingungen ein. Er betonte die enorme
Bedeutung des Waldes für Hessen und bezeichnete eine nachhaltige
Waldbewirtschaftung als eine der wichtigsten Klimaschutzmaßnahmen. Hessen sei
mit rund 42 Prozent Waldfläche eines der waldreichsten Bundesländer
Deutschlands. Entsprechend hoch sei die Verantwortung der Landesregierung, die
Wälder langfristig zu schützen und zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Köfer
verwies in diesem Zusammenhang auf das neue Hessische Waldgesetz, das kürzlich
beschlossen wurde. Mit der Novelle sollen unter anderem der klimafeste
Waldumbau vorangebracht, Aufforstungen vereinfacht und der Waldbrandschutz
verbessert werden. Zudem würden Naturwaldflächen erstmals gesetzlich geschützt
und Planungs- sowie Genehmigungsverfahren vereinfacht, um Waldschutz und
nachhaltige Nutzung besser miteinander zu verbinden.
Während des anschließenden Spaziergangs durch den Akademischen Forstgarten wurden
verschiedene Baumarten vorgestellt, auf die HessenForst mit Blick auf den
Klimawandel große Hoffnungen setzt. Dazu zählten unter anderem Hickorybäume,
Douglasie, Elsbeere, Edelkastanie, Buche und Eiche. Anhand der
unterschiedlichen Arten wurde deutlich, welche Überlegungen hinter der
zukünftigen Zusammensetzung der Wälder stehen und wie HessenForst versucht, die
Wälder widerstandsfähig gegenüber den klimatischen Veränderungen der kommenden
Jahrzehnte zu machen.
Die Veranstaltung verband fachliche Informationen, politische Einordnungen und
praktische Eindrücke direkt im Wald und machte deutlich, wie eng Klimaschutz,
nachhaltige Waldbewirtschaftung und wissenschaftliche Forschung miteinander
verknüpft sind.