Krankenhausversorgung im Krisenfall: Wege zu mehr Resilienz im Gesundheitswesen

In der BG Unfallklinik Frankfurt diskutierten Vertreter aus Politik, Medizin und der Bundeswehr über die Belastbarkeit des deutschen Gesundheitssystems.

Die Frage, wie leistungsfähig das deutsche Gesundheitssystem
in Ausnahmesituationen wirklich ist, stand im Zentrum einer hochkarätig
besetzten Veranstaltung des Netzwerks Gesundheit in der BG Unfallklinik
Frankfurt. Bereits in ihrer Begrüßung machte Kathrin Weis, Netzwerksprecherin
Gesundheit des Wirtschaftsrates Hessen, deutlich, worum es an diesem Abend
ging: Um schnelle Entscheidungen, eingespielte Abläufe und Menschen, die im
Ernstfall Verantwortung übernehmen. Krisen, so ihr
Leitgedanke, halten sich nicht an Zuständigkeiten. Umso wichtiger sei die
Zusammenarbeit zwischen Medizin und Politik, zwischen zivilen und militärischen
Strukturen sowie zwischen allen Akteuren, die in Ausnahmelagen handlungsfähig
bleiben müssen.

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In seiner Keynote zeichnete Generalstabsarzt Dr. Johannes
Backus
, Kommandeur des Kommandos Gesundheitsversorgung der Bundeswehr, ein
eindringliches Bild der aktuellen sicherheitspolitischen Lage. Die
Bedrohungslage nehme stetig zu, nicht zuletzt durch hybride Gefahren und damit
wachse auch der Druck auf die gesundheitliche Versorgung. Zugleich
werde aber immer deutlicher, dass belastbare Versorgungssysteme kein
Selbstläufer seien. Nur wenn Zuständigkeiten, Kommunikationswege und
Versorgungsstrukturen frühzeitig geregelt würden, könne im Ernstfall rasch und
koordiniert gehandelt werden.

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde dieser Gedanke aus unterschiedlichen Perspektiven vertieft. Staatsminister Prof. Dr. Roman Poseck, Prof. Dr. Klaus Markstaller, Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Augsburg, und Prof. Dr. Matthias Münzberg, Geschäftsführer Medizin und Ärztlicher Direktor der BG Unfallklinik Frankfurt,
diskutierten darüber, wie resilient das deutsche Gesundheitssystem tatsächlich
ist und woran es im Zweifel noch fehlt. Deutlich wurde dabei: Ein potenzieller
Angreifer beobachtet sehr genau, wie widerstandsfähig eine Gesellschaft
organisiert ist. Resilienz ist deshalb nicht nur eine Frage der medizinischen
Leistungsfähigkeit, sondern auch ein sicherheitspolitischer Faktor.

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Einigkeit bestand darin, dass Deutschland und Europa
grundsätzlich über ein belastbares Gesundheitssystem verfügen.
Die Kapazitäten seien vorhanden, entscheidend sei jedoch ihre Orchestrierung.
Gerade im Krisenfall komme es darauf an, vorhandene Ressourcen schnell,
zielgerichtet und abgestimmt einzusetzen. Besondere Bedeutung erhielt in diesem
Zusammenhang die zivile militärische Zusammenarbeit. Wenn große Schadenslagen
oder gar Bündnisfälle bewältigt werden müssten, sei ein enges Zusammenspiel
zwischen Krankenhäusern, staatlichen Stellen, Sicherheitsbehörden und der
Bundeswehr unerlässlich. Es brauche klare Entscheidungsstrukturen und die
ehrliche Beantwortung der Frage, wer in einer solchen Lage eigentlich führt.

Neben institutionellen Fragen rückte auch die Rolle der
Bevölkerung in den Fokus. Das Bewusstsein für Gefahrenlagen sei in Deutschland
vielfach noch zu wenig ausgeprägt, hieß es auf dem Podium. Über Jahre habe man
sich in einer trügerischen Sicherheit eingerichtet. Nun gehe es darum, ohne
Panik zu erzeugen, eine neue Kultur der Vorsorge zu etablieren. Dazu gehöre
auch, Bürgerinnen und Bürger stärker in die Eigenverantwortung zu bringen und
den Bevölkerungsschutz breiter zu verankern. Die Sensibilisierung für Krisen,
Krieg und Katastrophenschutz müsse deutlich zunehmen, nicht als Alarmismus,
sondern als Ausdruck gesellschaftlicher Reife und Vorbereitung.

Auch konkrete Instrumente wurden diskutiert. Genannt wurden
unter anderem ein zentraler Bettennachweis, bessere Vorsorgemechanismen und
gesetzliche Regelungen, die Versorgungssicherheit nicht erst im Ernstfall
organisieren, sondern schon in der Vorbereitung absichern. Gleichzeitig wurde betont, dass der eingeschlagene
Weg bei der Krankenhausreform grundsätzlich richtig sei, vorausgesetzt, er
werde mit Blick auf Krisenfestigkeit und Kooperationsfähigkeit weitergedacht.

Zum Abschluss wurde noch einmal deutlich, worin die zentrale
Botschaft des Abends lag: Kein Akteur kann diese Herausforderung allein
bewältigen. "Wir müssen es gemeinsam tun, weil es nur dann leistbar wird",
dieser Gedanke zog sich wie ein roter Faden durch die gesamte Veranstaltung.
Die Diskussion in der BG Unfallklinik Frankfurt machte eindrucksvoll sichtbar,
dass die Vorbereitung auf Krisen nicht erst mit dem Ausnahmezustand beginnt,
sondern lange vorher. Gefragt sind verlässliche Strukturen, geübte Zusammenarbeit
und der gemeinsame Wille, Verantwortung zu übernehmen. Gerade darin liegt die
eigentliche Stärke eines resilienten Gesundheitssystems.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei den Teilnehmern der Podiumsdiskussion, Frau Aguedita Afemann für die Moderation und der BG Unfallklinik Frankfurt für die Gastfreundschaft.