Mittelhessen stärken: Wirtschaft, Verwaltung und gesellschaftliche Verantwortung im Fokus
Im
Mittelpunkt des Gießener Unternehmerfrühstücks mit Dr. Christoph Ullrich, Präsident des Regierungspräsidium Gießen,
standen die Rolle der Behörde als Partner der Region sowie die wirtschaftlichen
und administrativen Rahmenbedingungen für Mittelhessen.
Er
betonte, dass das Regierungspräsidium seit vielen Jahren eng mit der Region
verbunden sei. Seine Behörde ist für fünf Landkreise zuständig und inhaltlich
von A bis Z aufgestellt – von Regionalplanung, Infrastruktur und
Wirtschaftsförderung über Umwelt- und Naturschutz bis hin zu Kommunalaufsicht
und Genehmigungsverfahren. Dabei übernimmt es auch Aufgaben, die für einzelne
Landkreise zu komplex und für Ministerien zugleich zu kleinteilig seien.
Ein
zentrales Anliegen seines Vortrags war es, das Verständnis für wirtschaftliche
Zusammenhänge zu stärken. Engagierte Unternehmer erwirtschafteten Gewinne,
zahlten Steuern und ermöglichten damit, dass der Staat seine Aufgaben
finanzieren könne. In Teilen der Bevölkerung habe sich jedoch die Vorstellung
verfestigt, staatliche Mittel stünden unbegrenzt zur Verfügung. Er stellte
klar, dass Geld nicht „vom Himmel falle“ und Wohlstand stets mit Anstrengung,
Innovationskraft und unternehmerischem Risiko verbunden sei. Mehr
wirtschaftliches Verständnis in Gesellschaft und Verwaltung sei deshalb
notwendig.
Mit
Blick auf die Wirtschaftsregion Mittelhessen hob er deren besondere Stärken
hervor. Die Region verfüge über eine hohe Hochschuldichte, zahlreiche
Weltmarktführer und viele hochspezialisierte Nischenunternehmen. Gleichwohl
werde dieses Potenzial oft zu wenig wahrgenommen. Er rief daher dazu auf,
selbstbewusst über die eigenen Erfolge zu sprechen und die Region aktiv bekannt
zu machen. Die Attraktivität der Region müsse stärker kommuniziert und
weiterentwickelt werden.
Breiten
Raum nahm die Problematik zunehmender Regulierung ein. In den vergangenen zehn
Jahren seien rund 1.800 Bundesgesetze neu verabschiedet worden. Diese seien in
der Regel mit guten Absichten beschlossen worden, führten in ihrer Summe jedoch
zu wachsender Komplexität. Teilweise widersprächen sich Regelungen, ohne dass
dies beabsichtigt sei, weil niemand sämtliche Vorschriften vollständig
überblicken könne. Sowohl Unternehmen als auch Verwaltung drohten in dieser
Regulatorik zu ersticken.
Genehmigungsverfahren
seien grundsätzlich notwendig, müssten jedoch vernünftig und praktikabel
geführt werden. Er empfahl, frühzeitig das Gespräch mit den zuständigen
Behörden zu suchen, insbesondere bei komplexen Projekten. In frühen
Planungsphasen könnten gemeinsam Lösungen entwickelt werden, die spätere
Verzögerungen vermieden. Praxistaugliche Lösungen setzten allerdings voraus,
dass Beamte innerhalb ihrer gesetzlichen Spielräume Verantwortung übernähmen
und mutig entschieden.
Abschließend
unterstrich er den Anspruch des Regierungspräsidiums, ein verlässlicher Partner
für Bürger, Wirtschaft und Region zu sein. Ein gutes Verhältnis zur Wirtschaft
sei ihm ein zentrales Anliegen. Ziel ist es, gemeinsam die Rahmenbedingungen so
zu gestalten, dass Mittelhessen als Wirtschaftsstandort gestärkt und
zukunftsfähig aufgestellt bleibt.