Schuster bleib bei deinen Leisten – Stadtentwicklung in Wiesbaden
Dort wo früher die Richter saßen, haben diesmal die
Vertreter der Wiesbadener Politik und Grundstückseigentümer Platz genommen und
über die Pläne des Wiesbadener Stadtparlaments für die weitere Stadtentwicklung
diskutiert. Die hessische Landeshauptstadt plant durch Instrumente der
Stadtverdichtung und –erweiterung zahlbaren Wohnraum und weitere Gewerbeflächen
zu schaffen. Diese Pläne werden allerdings vor allem bei den
Grundstückseigentümern des Wiesbadener Ostfelds heftig kritisiert.
Diskutiert haben Christian Diers (Vorsitzender der
FDP-Rathausfraktion Wiesbaden), Nicolas Jacobs (baupolitischer Sprecher der
CDU-Rathausfraktion Wiesbaden) sowie Dr. Ralf Schaab (Sprecher der privaten
Grundstückseigentümer im Ostfeld) und Roland Stöcklin (Geschäftsführer der SEG
Wiesbaden mbH). Moderiert wurde die Diskussion von den beiden Journalisten Martin
Schirling (Wiesbadener Kurier) und Oliver Bock (FAZ), welche die Debatte seit
Jahren medial begleiten und die regelmäßig die erregten Gemüter beruhigen
mussten.
Schaab, der für die Grundstückseigentümer im
Wiesbadener Ostfeld spricht, verlangt marktgerechte Preise für die Grundstücke,
welche die Stadt für die geplante Stadterweiterung kaufen will. „Mir ist klar,
dass wir nie den Wert erhalten werden, den wir emotional dem Grundstück
beimessen, aber die ansässigen Bauern sind auch Unternehmer, welche Gewinn aus
dem Verkauf erzielen wollen. Es ist daher nur fair, wenn die zur Frage
stehenden Grundstücke auch für einen marktgerechten Preis verkauft werden“,
erklärt er emotional.
Den Politiker Diers und Jacobs ist klar, dass die
Bauern mit den aktuellen Preisverhandlungen nicht zufrieden sind, aber sind
zuversichtlich, dass sich ein Kompromiss finden wird. Jacobs weist darauf hin,
dass die Stadt natürlich darauf bedacht ist, die benötigten Grundstücke
möglichst preiswert einzukaufen, damit der Haushalt nicht zu stark belastet
wird. „Die aktuelle Debatte darf nicht dazu genutzt werden, dass die Eigentümer
die Preise künstlich nach oben treiben. Damit ist am Ende niemandem geholfen“,
so die baupolitische Sprecher der CDU Wiesbaden.
Der Geschäftsführer der Wiesbaden
Stadtentwicklungsgesellschaft, Roland Stöcklin, weiß, dass die Debatte die
Gesellschaft spaltet. Aber es gibt keine Alternativen, um dem Bedarf auf dem
angespannten Wohnungsmarkt gerecht zu werden. Die genutzten Instrumente der
Stadt Wiesbaden zur Stadtentwicklung haben sich als die besten und geeignetsten
erwiesen, um eine gute Basis für die Zukunft zu haben. Er freut sich vor allem
darüber, dass in der Debatte um das Ostfeld „nicht mehr über das OB, sondern
bereits über das WIE“ gesprochen wird. Dies zeigt, dass die Pläne in der
Allgemeinheit akzeptiert werden, auch wenn die Details jetzt noch final geklärt
werden müssen. „Es ist geplant, dass die ersten Bagger 2026 anrollen“, so
Stöcklin.
Fest stand am Ende der Veranstaltung, dass es noch
einiges an Redebedarf in diesem für einige sehr emotionalen Thema gibt. Die
Wiesbadener FDP schlägt deswegen einen runden Tisch zwischen
Grundstückseigentümern und der Stadt vor, um wieder Wertschätzung und Fairness
in die Diskussion zu bringen.