Sicherheit 360°: Deutschland muss Verteidigung neu denken

Der Parlamentarische Abend des Wirtschaftsrates Hessen diskutierte Verteidigungsfähigkeit, wirtschaftlicher Resilienz und technologischer Souveränität.

Mit mehr als 400 Anmeldungen setzte der Parlamentarische
Abend des Wirtschaftsrates Hessen erneut eine Bestmarke. Dr. Joachim von
Schorlemer
, Landesvorsitzender des Wirtschaftsrates Hessen, begrüßte zahlreiche
Vertreter aus Politik, Bundeswehr, Sicherheitsbehörden und Wirtschaft im
Allianz Forum am Pariser Platz. Unter dem Leitmotiv „Sicherheit 360° –
Deutschlands Verteidigung neu denken“ machte er deutlich, dass Sicherheit
längst mehr ist als klassische Landesverteidigung. Sie betrifft kritische
Infrastrukturen, stabile Lieferketten, funktionierende staatliche Strukturen
und zunehmend auch den digitalen Raum.

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Von Schorlemer betonte, dass militärische
Verteidigungsfähigkeit, wirtschaftliche Resilienz und technologische
Souveränität untrennbar miteinander verbunden seien. Gerade der Mittelstand sei
dabei nicht nur von Krisen betroffen, sondern ein zentraler Teil der Lösung.
Unternehmen stärkten durch robuste Strukturen, Innovationskraft und konkrete
Unterstützung staatlicher Aufgaben die gesamtstaatliche Resilienz.

Als Botschafter aus der Wirtschaft setzten Frank Dehne,
Geschäftsführer der Commvault Systems GmbH, Johannes Behrends, Chief Specialty
Officer und Mitglied des Executive Committee der Marsh GmbH, sowie Dr.
Lars-Gerrit Lüßmann
, Partner und Co-Head Deutschland bei Gowling WLG, wichtige
Impulse. Sie beschrieben ein Umfeld, in dem geopolitische Spannungen,
Cyberrisiken, fragile Lieferketten und wirtschaftliche Unsicherheiten immer
stärker ineinandergreifen. Resilienz wurde dabei als strategische Führungsaufgabe
eingeordnet: Wer wirtschaftliche Stärke sichern will, muss Risiken frühzeitig
erkennen und Sicherheit als Teil unternehmerischer Verantwortung begreifen.

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Im ersten Panel „Von der Politik zur Truppe: Deutschlands
Sicherheitsarchitektur“ diskutierten Generalleutnant André Bodemann,
Stellvertretender Befehlshaber Operatives Führungskommando der Bundeswehr und
Kommandeur Territoriale Aufgaben, Peter Manolopoulos, CEO der Schunk GmbH, und Johannes Volkmann MdB, Mitglied im Auswärtigen Ausschuss des Deutschen Bundestages, unter der Moderation von Dr. Andreas Franken, Mitglied des
Vorstands der DVAG und Mitglied des Landesvorstandes des Wirtschaftsrates
Hessen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Deutschland und Europa innerhalb
der NATO dauerhaft handlungsfähig bleiben können.

Deutlich wurde, dass Europa mehr eigene Fähigkeiten aufbauen
muss – nicht als Abkehr von der NATO, sondern als Stärkung der europäischen
Säule im Bündnis. Entscheidend seien konkrete Fähigkeitsbeiträge Deutschlands,
etwa bei Raketenabwehr, Cyber- und Drohnenabwehr sowie Heimatschutz. Gerade bei
kritischen Infrastrukturen wachsen die Anforderungen schneller als die
vorhandenen Kapazitäten. Deshalb brauche es mehr Heimatschützerinnen und
Heimatschützer, mehr Reservistinnen und Reservisten und eine ehrliche Debatte
darüber, wie die angestrebte Zielgröße von 200.000 Soldatinnen und Soldaten
erreicht werden kann.

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Auch die verteidigungsindustrielle Dimension spielte eine
zentrale Rolle. Das Sondervermögen komme in Truppe und Industrie an, doch bei
komplexem Gerät und Munition blieben lange Beschaffungszyklen eine
Herausforderung. Das Beschaffungsbeschleunigungsgesetz wurde als notwendiger
Schritt beschrieben, um schneller zu einsatzrelevanten Ergebnissen zu kommen.
Für Unternehmen seien verlässliche Stückzahlen und langfristige Perspektiven
entscheidend, um Produktionskapazitäten auszubauen und industrielle Fähigkeiten
zu sichern.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Verbindung militärischer
Einsatzfähigkeit mit ziviler Infrastruktur. Der Operationsplan Deutschland
zeigt, dass Verteidigung auf das Zusammenwirken von Staat, Wirtschaft und
Gesellschaft angewiesen ist. Truppenverlegungen an die NATO-Ostflanke benötigen
nicht nur Material und politische Entscheidungen, sondern auch
Transportkapazitäten, belastbare Infrastruktur, Logistik, Energieversorgung und
verfügbare Fachkräfte. Die Unterstützung der Ukraine wurde zugleich als unmittelbares
Sicherheitsinteresse Deutschlands eingeordnet. Deutschland müsse, so die
prägende Botschaft des Panels, so verteidigungsfähig sein, dass es sich im
besten Fall nicht verteidigen müsse.

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Im zweiten Panel „Virtuelle Frontlinien: Sicherheit im
digitalen Zeitalter“ diskutierten Stephan Boy, Geschäftsführender Vorstand des
Zukunftsforums Öffentliche Sicherheit e. V., Frank Dehne, Geschäftsführer der
Commvault Systems GmbH, und Prof. Dr. KristinaSinemus, Hessische Ministerin
für Digitalisierung und Innovation, unter der Moderation von Clemens Koch,
Mitglied der Geschäftsführung der PwC GmbH und Mitglied des Landesvorstandes
des Wirtschaftsrates Hessen. Im Fokus standen hybride Bedrohungen, Cyberangriffe,
Desinformation und Sabotageakte.

Cyberangriffe auf Unternehmen, Behörden und kritische
Infrastrukturen seien längst Realität. Für Hessen hat diese Frage besondere
Bedeutung: Rund 60 Prozent aller europäischen Daten fließen durch das Land. Als
Daten-, Finanz- und Logistikstandort trägt Hessen damit eine herausgehobene
Verantwortung für die digitale Resilienz Deutschlands und Europas. Prof. Dr.
Kristina Sinemus verwies auf das Hessische Zentrum für digitale Resilienz, das
ressortübergreifend gemeinsam mit dem Innenministerium aufgebaut werde. Ziel
sei es, Forschung schneller in die Anwendung zu bringen und klare
Koordinierungsstrukturen zu schaffen.

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Technologische Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz
wurden als Chance und Herausforderung zugleich beschrieben. Sie können Analyse,
Früherkennung, Einsatzplanung und Lagebilder verbessern, erhöhen aber auch
Verwundbarkeiten, etwa durch Desinformation, Manipulation und neue
Angriffsmuster. Resilienz bedeutet daher, technologische Entwicklungen aktiv zu
gestalten, Risiken nüchtern zu analysieren und Schutzmechanismen frühzeitig
aufzubauen.

Wiederholt wurde betont, dass Krisenfestigkeit nicht durch
Konzepte allein entsteht. Blackout-Szenarien machten deutlich, wie gravierend
länger anhaltende Ausfälle sein können. Entscheidend seien gelebte Rahmenwerke,
Übungen, klare Verantwortlichkeiten und ein gemeinsames Lagebild. In der Krise
müsse klar sein, wer was weiß und wer welche Verantwortung trägt. Ebenso
wichtig seien persönliche Vertrauensbeziehungen: Man müsse die Köpfe kennen,
bevor die Krise eintritt.

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Ein besonderer Höhepunkt war die Ehrung der Sektion des
Jahres 2026 durch Wolfgang Steiger, Generalsekretär des Wirtschaftsrates der
CDU e. V. Er würdigte die hohe Teilnahmezahl beim Parlamentarischen Abend
Hessen und das besondere Engagement der ausgezeichneten Sektion.

Beim anschließenden Netzwerken wurden die Impulse des Abends
weiter vertieft. Zurück blieb die klare Erkenntnis, dass Sicherheit,
wirtschaftliche Stärke und digitale Widerstandskraft künftig noch konsequenter
zusammengedacht werden müssen. Europa wird nur dann handlungsfähig bleiben,
wenn Deutschland eigene Fähigkeiten aufbaut, Verantwortung übernimmt und
Resilienz als gemeinsame Aufgabe von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft
begreift.

Unser besonderer Dank gilt allen Gästen, Referenten und Moderatoren, die diesen Parlamentarischen Abend mit ihren Impulsen, ihrer Unterstützung und dem offenen Austausch maßgeblich geprägt haben. Ebenso gilt unser herzlicher Dank den Sponsoren des Parlamentarischen Abends, Commvault, Marsh, Gowling WLG, PwC Deutschland, Deutsche Börse Group, BCC – Business Collaboration Company, WISAG, Allianz und der Wiener Feinbäckerei Heberer GmbH.