Süddeutscher Wirtschaftstag 2026: Klartext für einen starken Wirtschaftsstandort

Die Landesverbände Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland des Wirtschaftsrates hatten zum Süddeutschen Wirtschaftstag ins House of Logistics & Mobility eingeladen. Das Programm umfasste wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, Unternehmensnachfolge, industrielle Transformation sowie Künstliche Intelligenz und digitale Souveränität. Eine Forderung verband die Debatten: Politik und Wirtschaft müssen die Stärken des Standorts durch verlässliche Entscheidungen und eine schnellere Umsetzung besser nutzen. Corinna T. Egerer führte durch das Tages- und Abendprogramm.
Zum Auftakt unterstrich Astrid Hamker, Präsidentin des Wirtschaftsrates der CDU e.V., den Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Stärke und politischer Stabilität. Sie forderte die Parteien der Mitte auf, den Vertrauensverlust der Wähler ernst zu nehmen, konkrete Probleme zu lösen und notwendige Reformen durchzusetzen.
Frau Hamker rückte die täglichen Herausforderungen der Unternehmen in den Mittelpunkt. Eine wirksame Standortpolitik müsse Bürokratie abbauen, Infrastruktur verbessern und Energiekosten senken. Süddeutschland verfüge mit seinen Hochschulen, Mittelständlern und Start-ups über hervorragende Voraussetzungen. Um diese zu nutzen, müsse die Politik unternehmerische Freiräume schaffen und Wettbewerbsfähigkeit zur Priorität machen.
Manfred Pentz MdL, hessischer Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales und Entbürokratisierung, stellte die praktische Entlastung der Unternehmen in den Vordergrund. Er erläuterte die hessischen Maßnahmen zum Bürokratieabbau und warb für eine einfachere, verständlichere und zugänglichere Verwaltung. Diskutierten Steuererhöhungen erteilte er eine klare Absage. Gerade Bürger und Mittelstand benötigten verlässliche Perspektiven.
Johannes Steiniger MdB, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, betonte die Bedeutung wirtschaftlichen Wachstums für Wohlstand und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Zunehmender Protektionismus und veränderte internationale Wettbewerbsbedingungen erhöhten den Handlungsdruck. Steiniger würdigte bereits angestoßene Reformen und mahnte weitere Entscheidungen an. Die politische Mitte müsse ihre Problemlösungsfähigkeit unter Beweis stellen.

Welche Fähigkeiten benötigen Unternehmen, um im Wettbewerb zu bestehen? Diese Frage diskutierten Christian Eichenberger, Geschäftsführender Gesellschafter der Rent.Group Eichenberger GmbH, Astrid Hamker und Prof. Dr. Julia Knopf, Gründerin und Gesellschafterin der Didactic Innovations GmbH.
Die Gesprächspartner betonten den Wert sicherer Grundkompetenzen, praktischer Fähigkeiten und der Bereitschaft, sich auf Veränderungen einzulassen. Sie plädierten dafür, Aus- und Weiterbildung stärker an den Anforderungen des Unternehmensalltags auszurichten. Unternehmen müssten Weiterbildung als strategische Aufgabe begreifen, den individuellen Bedarf ihrer Mitarbeiter berücksichtigen und kontinuierliches Lernen ermöglichen.

Im Panel „Zukunft sichern: Wenn Erfahrung auf Innovation trifft“ diskutierten Holger Follmann, Sandra Heberer, Frank Hüther, Dr. David Preisendanz MdB und Julian Will über die Zusammenarbeit von Familienunternehmen, Mittelstand und Start-ups. Anita Schneider moderierte das Gespräch.
Etablierte Unternehmen bringen Erfahrung, Kundenbeziehungen und langfristiges Denken ein. Junge Unternehmen eröffnen mit neuen Technologien und Geschäftsmodellen zusätzliche Möglichkeiten. Die Runde empfahl, Kooperationen an konkreten betrieblichen Herausforderungen auszurichten und gezielt nach passenden Lösungen zu suchen. Für Start-ups könne der erste Kundenauftrag aus dem Mittelstand einen entscheidenden Entwicklungsschritt ermöglichen.
Die Referenten beschrieben Unternehmensnachfolge als langfristigen Prozess. Unternehmer müssten frühzeitig planen, Erfahrungswissen weitergeben und den Austausch zwischen den Generationen suchen. Die bisherige Führung müsse Verantwortung abgeben, während Nachfolger das Erreichte respektieren und zugleich eigene Entscheidungen treffen müssten.
Von der Politik forderte die Runde bessere Rahmenbedingungen für Gründung, Wachstum und Nachfolge. Sie müsse Bürokratie reduzieren, den Zugang zu Kapital erleichtern und verlässliche gesetzliche sowie steuerliche Vorgaben schaffen. Entscheidend sei, dass Unternehmen die Entlastungen im Alltag tatsächlich spürten.

Unter dem Titel „Zwischen Innovation und Überregulierung – wohin steuert der Industriestandort Süddeutschland?“ diskutierten Médard Schoenmaeckers, Dr. Oliver Strangfeld, Dr. Alexander Wagner und Stephan Toscani MdL. Dr. Thorsten Klein moderierte die Runde.
Die Vertreter aus Wirtschaft und Politik erkannten die Notwendigkeit von Regulierung gerade in Branchen wie Pharma und Energie an. Zugleich kritisierten sie übermäßige Dokumentationspflichten und langwierige Genehmigungsverfahren, die Investitionen und Innovationen erschwerten. Sie forderten den Gesetzgeber auf, Praktiker aus Unternehmen frühzeitig in die Entwicklung neuer Gesetze einzubeziehen.
Neben einfacheren Regeln verlangte die Runde eine andere Entscheidungskultur. Führungskräfte in Behörden müssten ihren Mitarbeitern Rückhalt geben, wenn diese nach bestem Wissen und Gewissen Verantwortung übernähmen. Mehr Pragmatismus und ein konstruktiver Umgang mit Fehlern könnten helfen, Projekte schneller umzusetzen.
Als zentrale Standortfaktoren benannten die Referenten wettbewerbsfähige Energiepreise, eine leistungsfähige Infrastruktur und langfristige Planungssicherheit. Trotz deutlicher Kritik an bestehenden Hemmnissen hoben sie die Stärken Deutschlands hervor: Forschung, industrielles Wissen und unternehmerische Erfahrung böten eine tragfähige Grundlage. Politik und Wirtschaft müssten diese konsequenter nutzen, um konkrete Vorhaben voranzubringen.

Wie kann Süddeutschlands Wirtschaft auf globale Risiken und die europäische Neuaufstellung reagieren? Darüber diskutierten Prof. Dr. Rainer Bernnat, Thomas Burger, Peter Hauk MdL, Prof. Dr. Roman Poseck und Knut Veltjens. Prof. Dr. Ulrich Zeitel moderierte das Gespräch.
Die Runde beleuchtete die unterschiedliche Entwicklung einzelner Branchen. Während die Rüstungsindustrie wächst, steht die Automobilindustrie unter erheblichem Veränderungsdruck. Unternehmen müssten Transformationsprozesse transparent gestalten, ihre Entscheidungen erklären und Orientierung geben.
Die Referenten verstanden digitale Souveränität als Entscheidungsfreiheit zwischen unterschiedlichen Anbietern. Europa müsse leistungsfähige eigene Alternativen entwickeln und zugleich international vernetzt bleiben. Der technologische Vorsprung der USA und Chinas erhöhe den Druck, zu investieren und die Bedingungen am Standort zu verbessern.
Die Runde benannte KI, Entbürokratisierung und Deregulierung als wichtige Ansatzpunkte. Die Politik müsse den Rahmen schaffen, Unternehmen müssten die Veränderungen in ihren Betrieben umsetzen. Darüber hinaus regten die Referenten an, Entwicklungs- und Wirtschaftspolitik stärker miteinander zu verbinden und deutsche Wirtschaftsinteressen in internationalen Partnerschaften deutlicher zu berücksichtigen.

Im Panel „Datensouveränität & KI: Wie wir unsere Unternehmensdaten schützen und nutzen“ diskutierten Carsten Kraus, Laurelie Martin, Peter Moskopp MdL, Prof. Dr. Oliver Thomas und Michael Wilczynska über Europas technologische Kompetenzen und den praktischen Einsatz von KI. Victoria Wolff moderierte die Runde.
Neben der Entwicklung eigener Technologien rückten die Referenten die Anwendung bestehender Lösungen in den Fokus. Mit dem Gedanken „Applied in Germany“ beschrieben sie die Chance, KI gezielt im Mittelstand einzusetzen und dabei deutsche Stärken bei Datenschutz, Sicherheit und technologischer Souveränität zu nutzen.
Dafür müssten Unternehmen realistische Erwartungen entwickeln und mehr Experimente zulassen. Sie müssten KI-Modelle an betriebliche Anforderungen anpassen und im Einsatz weiterentwickeln. Akzeptanz und Offenheit in den Betrieben seien dabei ebenso wichtig wie die technische Leistungsfähigkeit.
Die Referenten betonten zudem, dass ein verlässlicher KI-Einsatz geeignete Infrastruktur erfordert. Politik und Wirtschaft müssten Rechenkapazitäten ausbauen, wirtschaftlich tragfähige Betreiberkonzepte entwickeln und die langfristige Finanzierung sichern. Auch die effiziente Nutzung der Abwärme von Rechenzentren bezogen sie in die Diskussion ein.

Frank Hüther, stellvertretender Landesvorsitzender des Wirtschaftsrates Rheinland-Pfalz, blickte anschließend auf die Ergebnisse des Tages zurück. Joachim Rudolf, Landesvorsitzender des Wirtschaftsrates Baden-Württemberg, eröffnete das Abendprogramm.
Gordon Schnieder MdL, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, widmete sich in seiner Keynote dem Thema „Zeit für Entscheidungen – Wie Deutschland wieder wettbewerbsfähig wird“. Kaweh Mansoori, stellvertretender Ministerpräsident Hessens und hessischer Wirtschaftsminister, sprach unter dem Titel „Aus Hessen für Süddeutschland – Klartext zur wirtschaftlichen Zukunft“.

Im anschließenden Dialog „Spielregeln für den Markt – Was zielführende Regulierung ausmacht“ diskutierten Mate Bacic, CEO der Tipico Group, Dirk Herber, Staatssekretär im Ministerium des Innern, für Integration und Verkehr von Rheinland-Pfalz, und Dr. Steffen Merkel, Geschäftsführer der Bundesliga-Gruppe GmbH. Corinna T. Egerer führte durch das Gespräch.
Dr. Joachim von Schorlemer, Landesvorsitzender des Wirtschaftsrates Hessen, schloss das offizielle Programm mit seinem Schlusswort. Beim gemeinsamen Dinner setzten die Gäste ihre Gespräche fort und vertieften die Kontakte des Tages.
Der Süddeutsche Wirtschaftstag 2026 verdeutlichte, wie eng die Herausforderungen der Unternehmen über Branchen- und Landesgrenzen hinweg zusammenhängen. Die vier veranstaltenden Landesverbände nehmen die Anregungen in ihre weitere wirtschaftspolitische Arbeit auf. Sie danken allen Referenten, Moderatoren, Mitgliedern und Gästen sowie den Sponsoren, Partnern und Helfern, die die Veranstaltung ermöglicht haben.
