Technologie mit großem Potenzial: Laserfusion im Kraftwerk der Zukunft

Bei einem Besuch bei Focused Energy informierte sich die Sektion Darmstadt-Dieburg über die Chancen der Laserfusion und das geplante Fusionskraftwerk.

Die
Energieversorgung der Zukunft steht vor großen Herausforderungen: Sie muss
sauber, sicher und zuverlässig sein. Eine Technologie mit großem Potenzial ist
die Kernfusion – der Prozess, der auch im Inneren der Sonne enorme
Energiemengen freisetzt. Besonders die Laserfusion gilt als vielversprechender
Ansatz, um diese Energiequelle künftig technisch nutzbar zu machen.

Um
mehr über den aktuellen Stand dieser Technologie zu erfahren, war die Sektion
Darmstadt-Dieburg bei Focused Energy zu Gast. Unter dem Titel „Sonnenfeuer auf
der Erde – Laserfusion im Kraftwerk der Zukunft“ informierten sich die
Teilnehmer über die Grundlagen der Laserfusion und über das geplante
Laserfusionskraftwerk am Standort des ehemaligen Kernkraftwerks Biblis.

Im
Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Vortrag von Markus Roth, Chief
Science Officer von Focused Energy. Er erläuterte den aktuellen Stand der
Fusionsforschung und machte deutlich, dass sich die Kernfusion derzeit in einer
Übergangsphase vom wissenschaftlichen Forschungsfeld hin zu einer industriellen
Technologie befindet. Hintergrund ist der steigende Energiebedarf weltweit:
Erneuerbare Energien leisten zwar einen wichtigen Beitrag, können den Bedarf
bislang jedoch nicht vollständig decken, während konventionelle
Energieerzeugung Ressourcen verbraucht und zur Erderwärmung beiträgt.

Bei
der Kernfusion verschmelzen leichte Atomkerne zu schwereren, wobei ein Teil der
Masse in Energie umgewandelt wird. Das enorme Potenzial dieser Energiequelle
verdeutlichte Roth mit einem anschaulichen Vergleich: Die Energiemenge von Fusionsbrennstoff
in der Größe einer Energy-Drink-Dose könnte theoretisch ein Einfamilienhaus
rund 2000 Jahre lang mit Strom versorgen.

Im
Unterschied zur Kernspaltung entstehen bei der Fusion weder unkontrollierbare
Kettenreaktionen noch vergleichbare Mengen langlebigen radioaktiven Abfalls.
Probleme, wie sie bei Unfällen etwa in Chernobyl oder Fukushima Daiichi
sichtbar wurden, können bei der Fusion grundsätzlich nicht auftreten.

Deutschland
hat lange Zeit vor allem auf Magnetfusion gesetzt und unter anderem einen
wichtigen Beitrag zum internationalen Forschungsprojekt ITER geleistet. Erst in
jüngerer Zeit richtet sich der Blick verstärkt auch auf die Laserfusion.
Derzeit arbeiten mehrere Start-ups in Deutschland an entsprechenden
Technologien, darunter auch Focused Energy, das aus der TU Darmstadt
hervorgegangen ist.

Gemeinsam
mit dem Energiekonzern RWE und weiteren Partnern arbeitet das Unternehmen an
der Umsetzung eines Laserfusionskraftwerks am Standort des ehemaligen
Kernkraftwerks Biblis. Ziel ist es, die Technologie aus dem Labor in den
industriellen Maßstab zu überführen. Nach aktuellen Planungen könnte Mitte der 2030er
Jahre erstmals Strom aus einem solchen Kraftwerk erzeugt werden.

Neben
der Energieerzeugung sieht Roth auch große industriepolitische Chancen. Rund um
die Laserfusion könnte eine neue Wertschöpfungskette entstehen, von der
zahlreiche Branchen profitieren würden. Besonders die deutsche Optik- und
Laserindustrie könnte eine zentrale Rolle als Zulieferer für zukünftige
Fusionskraftwerke spielen. Investitionen in diese Bereiche könnten daher nicht
nur zur Energieversorgung beitragen, sondern auch neue industrielle Impulse für
Deutschland und Europa setzen.