Unternehmensnachfolge im Fokus: Politik und Praxis diskutierten Herausforderungen und Lösungsansätze

Die
Unternehmensnachfolge zählt zu den zentralen Herausforderungen für den
Mittelstand und die regionale Wirtschaft. Vor diesem Hintergrund kamen
Vertreter aus Politik und Praxis zu einem Kamingespräch in Groß-Gerau zusammen,
um gemeinsam über aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Lösungsansätze
zu diskutieren. Im Mittelpunkt standen politische Rahmenbedingungen, praktische
Erfahrungen aus Nachfolgeprozessen sowie die Frage, wie mehr Menschen für die
Übernahme von Unternehmen gewonnen werden können.
Dr. Stefan Söhngen, Geschäftsführer der RELATIONING
GmbH, führte in das Thema ein und betonte, dass sich der Wirtschaftsrat Hessen
bereits seit rund zehn Jahren intensiv mit der Unternehmensnachfolge
beschäftige. Angesichts von mehreren hunderttausend Unternehmen in Deutschland,
die in den kommenden Jahren keine geregelte Nachfolge finden würden –
insbesondere im Handwerk –, handle es sich um eine der zentralen
wirtschaftlichen Herausforderungen für Hessen und Deutschland. Fehlende
Nachfolgeregelungen gefährdeten nicht nur Unternehmen, sondern auch
Arbeitsplätze, Familienbetriebe und regionale Wertschöpfung.
Im
anschließenden Gespräch schilderte Christoph
Mikuschek MdL, Sprecher für Entbürokratisierung der CDU-Landtagsfraktion
Hessen und Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und
ländlichen Raum, seine persönliche Perspektive auf das Thema. Mikuschek
berichtete, dass er selbst aus dem Mittelstand komme und 2016 die Nachfolge im
Unternehmen seines Schwiegervaters übernommen habe. Unternehmensnachfolge müsse
aus seiner Sicht frühzeitig vorbereitet werden – ebenso wie das Verständnis für
Unternehmertum insgesamt. Wirtschaft und Unternehmertum müssten bereits in der Schule
positiv vermittelt werden. Besonders wichtig sei es, auch Mädchen frühzeitig an
unternehmerische Verantwortung heranzuführen.

Zugleich
kritisierte Mikuschek die häufig negative gesellschaftliche Wahrnehmung von
Unternehmern. Unternehmen schafften Arbeitsplätze, zahlten Steuern und
engagierten sich regional. Aufgabe der Politik sei es deshalb nicht,
unternehmerisch zu handeln, sondern geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen.
Dazu gehörten steuerliche Erleichterungen, Gründerdarlehen für Nachfolgen sowie
der Ausbau von Mentoring- und Lotsenprogrammen. Gleichzeitig sprach sich
Mikuschek für weniger Bürokratie, breitere Handlungsspielräume und eine
Unternehmenssteuerreform aus. Auch Künstliche Intelligenz und Digitalisierung
böten Chancen, insbesondere bei der Automatisierung wiederkehrender Prozesse
und in der öffentlichen Verwaltung.
Fabian Schmidt, Partner der Nachfolgekontor GmbH,
brachte die Perspektive der Praxis in die Diskussion ein. Schmidt erklärte,
dass er seit 2004 bundesweit mehr als 250 Marktkäufe begleitet habe.
Erfolgreiche Unternehmensnachfolgen seien langfristige Prozesse, die idealerweise
mindestens fünf Jahre im Voraus vorbereitet werden müssten. Entscheidend sei
vor allem eine gute Unternehmensstruktur, da viele Betriebe noch zu stark auf
den Inhaber zugeschnitten seien. Gleichzeitig verwies Schmidt auf zusätzliche
Herausforderungen durch geopolitische Entwicklungen und wirtschaftliche
Unsicherheiten.
Im
Verlauf des Gespräches wurde deutlich, dass neben wirtschaftlichen und
strategischen Fragen auch emotionale Faktoren eine wichtige Rolle spielten.
Unrealistische Preisvorstellungen, familiäre Bindungen und fehlende
Vorbereitung erschwerten häufig erfolgreiche Übergaben. Aus dem Publikum wurden
zudem Probleme bei der Finanzierung, mangelnde Transparenz am Markt sowie der
schwierige Zugang zu passenden Unternehmen für externe Nachfolger angesprochen.
Ein
weiterer Schwerpunkt war die Rolle von Frauen in der Unternehmensnachfolge.
Schmidt stellte fest, dass Frauen bislang noch deutlich unterrepräsentiert
seien, gleichzeitig aber häufig besonders hohe Qualität in der
Unternehmensführung zeigten.
Zum
Abschluss waren sich die Teilnehmer einig, dass funktionierende
Unternehmensnachfolgen entscheidend für die Stabilität des Mittelstands seien.
Erfolgreiche Übergaben erforderten frühzeitige Planung, klare Strukturen,
realistische Erwartungen und verlässliche politische Rahmenbedingungen.