Vom Batteriewerk in den Boxring: Wirtschaftsdialog über die Zukunft des ländlichen Raums

Unter
dem Motto „Ländlicher Raum als
Wirtschaftsmotor“ besuchte der Junge Wirtschaftsrat (JWR) zwei Stationen
in Büdingen. Gemeinsam mit Mitgliedern der Wirtschaftsjunioren Wetterau
erhielten die Teilnehmer Einblicke in Industrie, Unternehmertum und
gesellschaftliches Engagement vor Ort.
Die
erste Station führte zum Standort des international tätigen Konzerns ExideTechnologies GmbH in Büdingen. Feuer, Mundschutz, ehrliche
Handarbeit und modernste Technik prägten das Bild in den Werkshallen. Gert
Eifert, Managing Director der Exide Technologies GmbH, führte die Gruppe
praxisnah durch die Produktion. Dabei konnten sich die Teilnehmer ein
umfassendes Bild von den aktuellen Produktionsbedingungen am Standort machen.
Im
Batteriewerk, das die vollständige Fertigungstiefe von Blei-Säure-Batterien
abbildet, erläuterte Eifert unter anderem die besonderen Eigenschaften der
GEL-Bootsbatterie. Die Besucher erhielten dabei einen direkten Einblick in
unterschiedliche Herstellungsverfahren und deren technische Besonderheiten. Neben
der Produktion standen auch wirtschaftspolitische Herausforderungen wie hohe
bürokratische Standards, Energie- und Lohnkosten im Fokus.
Exide investiert jährlich rund drei Millionen Euro in die Modernisierung und
Instandhaltung des Standorts. Gleichzeitig erschweren hohe bürokratische
Anforderungen und langwierige Genehmigungsverfahren die Umsetzung solcher
Investitionen. Bei der Besichtigung wurde zugleich deutlich, dass das
Unternehmen auch langfristig zum Wirtschaftsstandort des Wetteraukreises
beitragen möchte und als Zulieferer für zentrale Branchen der deutschen
Wirtschaft eine wichtige Rolle spielt.
„Wir bedanken uns beim Jungen
Wirtschaftsrat Hessen für den Besuch in unserem Werk. Als größter Arbeitgeber
der Region mit rund 500 Beschäftigten tragen wir eine besondere Verantwortung
für wirtschaftliche Stabilität, Innovation und nachhaltige Entwicklung am
Standort Büdingen. Der persönliche Austausch mit jungen Entscheidungsträgern
aus Wirtschaft und Politik ist für uns ein wichtiger Impulsgeber“, so
Werksleiter Gert Eifert nach dem Besuch. „Im Gespräch wurde deutlich, wie
essenziell verlässliche und zukunftsorientierte Rahmenbedingungen für
produzierende Unternehmen in Deutschland sind. Themen wie hohe Energiepreise,
langwierige Genehmigungsverfahren und ein insgesamt hoher bürokratischer
Aufwand belasten die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie und damit auch die
Standorte in der Region. Um weiterhin erfolgreiche industrielle Wertschöpfung
vor Ort zu sichern, benötigen wir eine spürbare Entlastung und effizientere,
praxisnahe Prozesse seitens der Politik. Wir bedanken uns beim Jungen
Wirtschaftsrat Hessen für das Interesse an unserem Werk und die konstruktive
Diskussion. Eine starke Industrie ist die Grundlage für eine starke Region –
dafür setzen wir uns täglich ein.“
Der
zweite Teil der Tour führte zum Kickboxverein Büdingen e. V., der mit
der Fight Factory Kindern bereits ab vier Jahren Kampfsporttraining anbietet
und dabei Werte wie Disziplin, Selbstvertrauen und Respekt vermittelt.

Direkt im Boxring wurde anschließend über die Frage diskutiert, ob Wirtschaftsförderung im ländlichen Raum als freiwillige Leistung oder als strategische Notwendigkeit verstanden werden sollte. Unter der Moderation von Julian Meyer-Oven, ehrenamtliches Mitglied des Gründernetzwerks Büdingen, diskutierten Jakob Schulz (Gebrüder Schulz), Simon Zschau(Junger Wirtschaftsrat Hessen), Stefanie Krause (dasgute.haus eG) und Manuel Hasific(Wirtschaftsförderung Büdingen).
Jakob
Schulz sprach für sein traditionsreiches Familienunternehmen in sechster
Generation und betonte, dass Betriebe heute moderner geführt werden müssten.
Während frühere Generationen häufig unabhängig agiert und wenig Austausch mit
der Stadt gesucht hätten, setze die heutige Unternehmergeneration bewusst auf
stärkere Netzwerke sowie eine engere Zusammenarbeit mit Stadtverwaltung und
Stadtgesellschaft.
Simon
Zschau sprach sich insbesondere für den Abbau bürokratischer Hürden aus – vor
allem bei sozialen Projekten wie dasgute.haus
von Stefanie Krause und Agnes Model. Solche Initiativen leisteten einen
wichtigen Beitrag zur Lebensqualität und gesellschaftlichen Beteiligung im
ländlichen Raum. In diesem Zusammenhang verwies Zschau auf die aktuelle
politische Diskussion, für jedes neue Gesetz drei bestehende Regelungen
abzuschaffen.
Stefanie
Krause berichtete aus ihrer praktischen Erfahrung als Betreiberin von drei
Standorten des Projekts dasgute.haus. Die unterschiedlichen
Genehmigungsprozesse und Vorgaben der Kommunen seien häufig schwer
vorhersehbar. Konzepte wie dasgute.haus ließen sich kaum eindeutig in
bestehende baurechtliche Nutzungskategorien einordnen – sie könnten zugleich
als Familienzentrum, Coworking-Space, Kreativraum, Kulturzentrum, öffentliches
Wohnzimmer oder gastronomischer Treffpunkt verstanden werden. Ihrer Erfahrung
nach hänge der Verlauf vieler Genehmigungsverfahren stark von der jeweiligen
Sachbearbeitung ab.
Manuel
Hasific ging auf eine Publikumsfrage ein, ob die Bedürfnisse des ländlichen
Raums auf Landes- und Bundesebene ausreichend berücksichtigt würden. Seiner
Einschätzung nach sei dies häufig nicht der Fall. Teilweise würden
Entscheidungen getroffen, die eine positive wirtschaftliche Entwicklung eher
erschwerten. Als Beispiel nannte er die Förderung von Sprachkursen für
Zugewanderte bis maximal zum Sprachniveau B1, obwohl für eine erfolgreiche
Integration in den Arbeitsmarkt in der Regel mindestens B2 erforderlich sei.
Gleichzeitig hob er aber auch niedrigschwellige Förderprogramme wie das
Landesprogramm „Zukunft Innenstadt“ positiv hervor.
Begleitet
wurde die Veranstaltung von Bürgermeister
Benjamin Harris. Er dankte dem Jungen Wirtschaftsrat für die Unterstützung
bei der Sichtbarmachung der Bedeutung des ländlichen Raums und insbesondere des
Standorts Büdingen.