Wiesbaden vor entscheidenden Jahren: Wirtschaft, Stadtentwicklung und Verkehr im Dialog
Im Rahmen der Auftaktveranstaltung der Sektion Wiesbaden im
Jahr 2026 kamen die Vorsitzenden der Wiesbadener Rathausfraktionen von Bündnis
90/Die Grünen, CDU, FDP und SPD sowie Vertreter der Wirtschaft zusammen, um
über die zukünftige Ausrichtung Wiesbadens zu sprechen. Im Fokus standen
wirtschaftliche Rahmenbedingungen, Stadtentwicklung, Verkehrspolitik sowie die
Leistungsfähigkeit der Verwaltung. Ziel der Diskussion war es, zu erfahren, wie
die Parteien nach der Hessischen Kommunalwahl im März 2026 die großen
Potenziale Wiesbadens besser ausschöpfen und zugleich seine Lebensqualität
sichern wollen.
Gesine Bonnet
(Bündnis 90/Die Grünen) hob die besondere Qualität Wiesbadens als attraktive
Stadt mit einer gelungenen Mischung aus ländlichen und urbanen Strukturen
hervor. Im Wandel sieht sie große Chancen, auch wenn Veränderungen mit
Einschränkungen verbunden sind. Diese gelte es durch eine bessere Abstimmung
von Maßnahmen, etwa bei Straßensanierungen und Infrastrukturprojekten,
möglichst gering zu halten. Innovationen erfordern neue Bündnisse zwischen
Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Weniger Verkehr und mehr
Aufenthaltsqualität in der Innenstadt seien nur gemeinsam mit der Wirtschaft
erreichbar. Eine zentrale Rolle spiele dabei der öffentliche Raum. Zudem sprach
sie sich für die konsequente Nutzung der Chancen der Energiewende aus,
insbesondere durch erneuerbare Energien und die Nutzung der Anbindung an das
Wasserstoffkernnetz.
Christian Diers
(FDP) bezeichnete Wiesbaden als starken Standort mit hoher Lebensqualität,
dessen Potenzial in den vergangenen Jahren nicht konsequent genug genutzt
worden sei. Wachstum sei Voraussetzung für Wohlstand und Handlungsspielräume.
Er forderte neue Gewerbegebiete, eine aktivere Wirtschaftspolitik und eine
klare Fokussierung auf Ansiedlung. Staus seien ein erheblicher Standortnachteil
und verkehrspolitische Maßnahmen müssten regelmäßig überprüft werden. Solide
Finanzen seien für ihn ein zentrales Element der Wirtschaftsförderung, wobei
Wiesbaden eher ein Ausgaben- als ein Einnahmenproblem habe.
Daniela Georgi
(CDU) betonte die Stärke Wiesbadens als Kombination aus großstädtischer
Infrastruktur und familiärer Atmosphäre. Die Stadtpolitik müsse sich stärker an
den Bedürfnissen von Alltag und Wirtschaft orientieren. Sie forderte schnellere
Genehmigungsverfahren durch Digitalisierung, neue Gewerbeflächen, ein
konsequentes Vorgehen gegen Leerstand und eine schrittweise Senkung der
Gewerbesteuer. Bezahlbarer Wohnraum müsse zügiger entstehen, unter anderem
durch effizientere Verwaltungsstrukturen. In der Verkehrspolitik sprach sie
sich für Gleichbehandlung aller Verkehrsteilnehmer und eine digitale
Verkehrssteuerung aus. Solide Finanzen, klare Prioritäten und der Einsatz von
KI in der Verwaltung seien zentrale Voraussetzungen für eine lebendige Innenstadt.
Silas Gottwald
(SPD) stellte die kommunalpolitischen Herausforderungen in den Kontext
geopolitischer Veränderungen und betonte die Bedeutung von Stabilität,
Verlässlichkeit und professionellem Krisenmanagement. Soziale Stadtentwicklung
und aktive Wirtschaftspolitik seien untrennbar miteinander verbunden. Für
weiteres Wachstum brauche Wiesbaden zusätzliche Gewerbeflächen und eine
strategische Ansiedlung von Zukunftsbranchen. Er sprach sich für einen
Expertenrat zur Wirtschaftsförderung und einen spürbaren Abbau von Bürokratie
aus.
In der anschließenden Diskussion wurden insbesondere der
Bedarf an Gewerbeflächen, der Bürokratieabbau, die Sicherung bestehender
Unternehmen sowie die Themen Wohnen, Verkehr, Digitalisierung, Infrastruktur,
Wärmeplanung und Sicherheit erörtert. Deutlich wurde dabei der anhaltende
Handlungsdruck bei bezahlbarem Wohnraum, der stagnierenden Verkehrspolitik und
der Modernisierung der Verwaltung.
Wir bedanken uns bei der Fink & Fuchs AG für ihre Gastfreundschaft und Unterstützung der
Veranstaltung.