„Verantwortung aller Akteure gefragt!"
Im Rahmen einer Diskussion,
geleitet von Manon Austenat-Wied, Vorsitzende der Landesfachkommission
Gesundheitswirtschaft, sprach Professor Dr. Hendrik Streeck MdB, Mitglied im
Gesundheitsausschuss und Sucht- und Drogenbeauftragter der Bundesregierung,
über die Herausforderungen und Perspektiven der deutschen
Gesundheitsversorgung.
Streeck machte deutlich, dass
künftig alle Akteure im Gesundheitswesen ihren Beitrag leisten müssen, um eine
sozialverträgliche und nachhaltige Versorgung sicherzustellen. Auch Patienten seien stärker in die Verantwortung zu nehmen.
Ein alarmierendes Beispiel: Rund 30 Prozent der Fälle in den Notaufnahmen
deutscher Krankenhäuser seien derzeit keine echten Notfälle – eine Entwicklung,
die das System unnötig belaste.
Foto: Büro
des Bundestags, Prof. Dr. Hendrik Streeck MdB
Darüber hinaus bemerkte Streeck, dass die Mehrwertsteuer auf Arzneimittel bislang kaum politisch
thematisiert werde, obwohl sie ein wichtiger Hebel zur Entlastung der
Gesundheitskosten sein könnte.
Im Bereich der Drogen- und
Suchtpolitik zeigte sich Streeck besorgt über aktuelle Entwicklungen. Seit der
Teilliberalisierung von Cannabis sei der Konsum in Deutschland weiter
angestiegen – inzwischen konsumieren über fünf Millionen Deutsche Cannabis. Der
Import von Medizinalcannabis habe sich laut Streeck der Teillegalisierung von
Cannabis im April 2024 um über 400 Prozent erhöht. „Wir haben in Deutschland
eine Situation geschaffen, in der Dealer in weißen Kitteln existieren. Auch der
Missbrauch und die Weitergabe im privaten Bereich ist kaum noch kontrollierbar“, so
Streeck. Besonders wichtig sei es, den Zugang für Kinder und Jugendliche strikt
zu verhindern. Er sprach sich außerdem für eine verstärkte Prävention und
Aufklärung aus.
Besorgniserregend ist auch das
Thema Mediensucht bei Kindern und Jugendlichen. Jedes vierte Kind hat bereits heute ein
riskantes Medienverhalten. Daher wäre ein weiteres Anliegen Streecks die
Stärkung von Medienkompetenz als Schulfach, um junge Menschen besser auf die digitale Welt vorzubereiten.
Allerdings sehe er angesichts der Sparmaßnahmen im Bildungsbereich kurzfristig
wenig Spielraum für eine solche Umsetzung.