Abendveranstaltung der Sektion Elbe-Weser zum Thema „Die Bedeutung des Fußballs für die Wirtschaft – Schießt Geld doch Tore?“

Am 3. Juni 2026 lud die Sektion Elbe-Weser des
Wirtschaftsrates Niedersachsens Mitglieder und Gäste bei Heise Medien GmbH
& Co. KG zu einer Abendveranstaltung unter dem Titel „Die Bedeutung des
Fußballs für die Wirtschaft – Schießt Geld doch Tore?“ ein. Im Mittelpunkt des
Abends stand die Frage, welche wirtschaftliche Bedeutung der Profifußball heute
besitzt und wie eng sportlicher Erfolg mit finanziellen Rahmenbedingungen
verknüpft ist.
Nach der Begrüßung durch Karsten Seebrandt, Sprecher der Sektion Elbe-Weser, eröffnete Moderator Christoph Dannowski die
Podiumsdiskussion mit vier hochkarätigen Gästen: Martin Kind, Vorsitzender des
Aufsichtsrat der Hannover 96 GmbH & Co. KGaA, Ansgar Heise,
geschäftsführender Gesellschafter der Heise Gruppe und Trikotsponsor von
Hannover 96, Dieter Hecking, Geschäftsführer Sport des VfL Wolfsburg, sowie
Reinhard Grindel, ehemaliger Präsident des Deutschen Fußball-Bundes und früherer
Bundestagsabgeordneter.
Zum Einstieg griff Herr Dannowski die aktuellen
sportlichen Entwicklungen auf. Mit Blick auf das 3:3 von Hannover 96 gegen den
1. FC Nürnberg und den erneut verpassten Aufstieg schilderte Martin Kind die
Stimmung im Verein als entsprechend enttäuscht. Auch Dieter Hecking stellte
sich den Fragen zur abgelaufenen Saison des VfL Wolfsburg, während Reinhard
Grindel die sportlichen Leistungen beider Vereine einordnete.
Im weiteren Verlauf richtete sich der Blick weg
von den Ergebnissen hin zu einem der Überraschungsteams der Saison: SV
Elversberg. Das Podium beschäftigte sich mit der Frage, wie sportliche
Spitzenleistungen trotz geringer finanzieller Mittel möglich seien und ob ein
Verein dieser Größenordnung die Bundesliga nachhaltig bereichern könne.
Auch die volkswirtschaftliche Bedeutung des
Fußballs wurde intensiv beleuchtet. Die Diskutanten waren sich einig, dass der
Profifußball weit über den Sport hinaus wirtschaftliche Relevanz besitze. Neben
direkten Effekten durch Beschäftigung, Wertschöpfung und Steuereinnahmen spiele
insbesondere die Attraktivität des Wettbewerbs eine zentrale Rolle. Besonders
intensiv wurde die wirtschaftliche Dimension des Bundesliga-Aufstiegs der SV
Elversberg diskutiert. Dieter Hecking betonte, dass ein Aufstieg für eine
Region weit mehr sei als ein rein sportlicher Erfolg. Die bundesweite
Aufmerksamkeit, steigende Besucherzahlen, zusätzliche Investitionen sowie eine
erhöhte Wahrnehmung von Unternehmen und Standort könnten erhebliche
wirtschaftliche Impulse auslösen. Kind pflichtete bei und zog dabei einen
bemerkenswerten Vergleich: Der Bundesliga-Aufstieg von Elversberg könne für die
Region einen ähnlichen Entwicklungsschub bedeuten wie die Expo 2000 für die
Region Hannover. Die Bundesliga wirke als starke Plattform für regionale
Identität, Standortmarketing und wirtschaftliche Entwicklung. Gerade für
kleinere Regionen könne die Präsenz im nationalen Fußballoberhaus ein
bedeutender Wachstumstreiber für Tourismus, Gastronomie, Hotellerie und
zahlreiche weitere Wirtschaftszweige sein.
Ein weiterer Schwerpunkt des Abends war die
Verbindung von Sport und Wirtschaft. Ansgar Heise erläuterte die Beweggründe
für das Engagement seines Unternehmens als Hauptsponsor von Hannover 96. Neben
der Steigerung der Markenbekanntheit seien seit Beginn des Sponsorings positive
Entwicklungen erkennbar. Zwar lasse sich der konkrete wirtschaftliche Nutzen
nicht immer exakt messen, dennoch stärke das Engagement die Identifikation der
Mitarbeiter mit dem Unternehmen und fördere das Betriebsklima. Darüber hinaus
könne Sportsponsoring ein wichtiger Faktor bei der Gewinnung neuer Fachkräfte
sein und insbesondere jüngere Zielgruppen ansprechen.
Kritisch äußerte sich Dieter Hecking zur
Entwicklung der Spielergehälter. Gleichzeitig betonte er die zunehmende
Bedeutung von Transfererlösen für die wirtschaftliche Stabilität vieler
Vereine. In diesem Zusammenhang entwickelte sich eine lebhafte Diskussion über
die Zukunft der 50+1-Regel und die Frage, inwieweit Investoren künftig stärker
in den deutschen Fußball eingebunden werden sollten. Hecking plädierte dafür,
vorhandene finanzielle Mittel gezielt für die Weiterentwicklung des Sports
einzusetzen: „Mehr gestalten, weniger verwalten.“
Zum Abschluss der Veranstaltung stellte Moderator
Christoph Dannowski die zentrale Frage des Abends: „Schießt Geld doch Tore?“
Die Antworten fielen eindeutig aus. Dieter
Hecking verwies auf internationale Topspieler wie Harry Kane und erklärte, dass
finanzielle Investitionen die sportliche Qualität maßgeblich beeinflussen
könnten. Gleichzeitig sprach er sich gegen Gehaltsobergrenzen aus, da nur so
Weltklassespieler in die Bundesliga gelockt werden könnten und diese wichtig
für die internationale Wettbewerbsfähigkeit und Vermarktung der Bundesliga
seien. Ansgar Heise betonte, dass finanzielle Investitionen nicht nur
sportlichen Erfolg ermöglichten, sondern auch die Strahlkraft einer Marke
erhöhen und so zusätzlichen Mehrwert schaffen könnten. Martin Kind beantwortete
die Frage ebenfalls klar mit „Ja“. Reinhard Grindel fasste die Diskussion
schließlich prägnant zusammen: Zwar gebe es immer wieder bemerkenswerte
Ausnahmen, wie die SV Elversberg, langfristig setze sich jedoch meist die
finanzielle Stärke durch.
Beim anschließenden Get-together nutzten die Gäste
und Mitglieder die Gelegenheit zum persönlichen Austausch mit den Referenten
und zur Vertiefung der diskutierten Themen. Die Veranstaltung zeigte
eindrucksvoll, dass Fußball längst nicht nur ein sportliches Phänomen ist,
sondern in vielfältiger Weise als Wirtschafts-, Standort- und
Gesellschaftsfaktor wirkt.
Der Wirtschaftsrat Niedersachsen bedankt sich bei
der Heise Medien GmbH & Co KG für die Gastfreundschaft, bei Dussmann
Service Deutschland GmbH und Rawry für die Unterstützung sowie bei den
Diskutanten Martin Kind, Ansgar Heise, Dieter Hecking und Reinhard Grindel für
die spannenden Einblicke und die offene Diskussionsrunde.