Angriffsziel Infrastruktur? Neue Herausforderungen für Unternehmen

Am 28. September 2026 begrüßte Dr. Jan Wehinger, Sprecher der Sektion Braunschweig/Wolfsburg, Gäste und Mitglieder der Sektion zu einer Podiumsdiskussion zum Thema Schutz kritischer Infrastruktur und hybride Bedrohungen. Panelist war unter anderem Jörg Peine-Paulsen aus der Abteilung Verfassungsschutz des Niedersächsischen Ministeriums für Inneres, Sport und Digitalisierung.
Peine-Paulsen machte die Verletzlichkeit unserer Infrastruktur deutlich. Insbesondere Wasserkraftwerke und Kabelverbindungen in Gewässern seien potenzielle Ziele. Gleichzeitig sei es wichtig, nicht nur auf technische Schutzmaßnahmen zu setzen, sondern die eigene Resilienz zu stärken. Unternehmen und Gesellschaft müssten in der Lage sein, auf Störungen und Bedrohungen angemessen zu reagieren.
Ein weiterer Schwerpunkt war der Umgang mit Falschmeldungen und Desinformation. Peine-Paulsen wies darauf hin, dass soziale Medien zunehmend durch KI-generierte Inhalte beeinflusst werden könnten. Informationen und Links könnten gezielt mit Falschmeldungen angereichert werden. Umso wichtiger sei es, aufmerksam zu bleiben und Auffälligkeiten zu erkennen und zu melden.
Auch der Schutz von Informationen im Unternehmensalltag spiele eine wichtige Rolle. Bereits einfache Maßnahmen könnten das Risiko reduzieren: So sollten beispielsweise Jalousien geschlossen werden, wenn von außen Einblick auf Monitore möglich ist. Bei vertraulichen Seminaren oder Veranstaltungen sollten zudem Leinwände und Bildschirme entsprechend geschützt werden.
Dr. Michael Sinhuber, Senior Systems Engineer der Aerodata AG, richtete den Blick anschließend auf die technische Überwachung kritischer Infrastruktur. Besonders Kabel in Gewässern seien gefährdet.
Zur Überwachung der Nord- und Ostsee würden unter anderem neue Flugdrohnensysteme entwickelt, die künftig längere Flugzeiten ermöglichen sollen. Entscheidend sei dabei auch, Informationen aus unterschiedlichen Quellen und Domänen zu sichern, zusammenzuführen und auszuwerten.
Christian Kaiser, Geschäftsführer der Copting GmbH, stellte verschiedene Drohnen- und Überwachungssysteme vor.
Automatisierte Drohnen könnten über ein Leitsystem gesteuert werden. Eine Leitstelle werte die eingehenden Informationen aus und erteile der Drohne anschließend entsprechende Aufträge. Dabei unterschied Kaiser zwischen kabelgebundenen und frei fliegenden Drohnensystemen.
Kabelgebundene Systeme eignen sich insbesondere für einen dauerhaften, anlassbezogenen Einsatz und bleiben über längere Zeit in der Luft. Freifliegende Drohnen könnten dagegen durch gezielte Manöver gestört oder abgelenkt werden – eine Vorgehensweise, die sich laut Kaiser auch potenzielle Täter zunehmend zunutze machten.
Wie verwundbar kritische Infrastruktur sein kann, verdeutlichte Kaiser anhand eines einfachen Beispiels: Klimaanlagen auf Gebäudedächern können ein vergleichsweise leicht zugängliches Ziel darstellen. Fallen sie aus, kann dies im schlimmsten Fall dazu führen, dass Server und damit verbundene Systeme herunterfahren. „Alles, was freisteht oder herumliegt, ist ein offenes Ziel“, so die zentrale Botschaft.
Zum Abschluss richtete Kaiser den Blick auf die Bedeutung einer eigenständigen deutschen bzw. europäischen Drohnenproduktion. Bei sicherheitskritischer Technologie müsse auch die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten berücksichtigt werden. Eine mögliche Einschränkung des Handels mit China könnte erhebliche Auswirkungen auf die Verfügbarkeit entsprechender Systeme haben.
Die Diskussion zeigte eindrucksvoll: Der Schutz kritischer Infrastruktur beginnt nicht erst beim Ernstfall. Aufmerksamkeit, Sensibilisierung, technische Lösungen und vor allem eine hohe Resilienz sind entscheidend, um Unternehmen und Gesellschaft widerstandsfähiger gegen moderne Bedrohungen zu machen.
Der Wirtschaftsrat Niedersachen bedankt sich herzlich bei der Aerodata AG für die Gastfreundschaft, bei den Podiumsteilnehmern für ihre Zeit und die Einblicke sowie bei allen Gästen und Mitgliedern für den Austausch.