„Bereit zum Stapellauf“: Sektion Oldenburg/Wilhelmshaven besichtigt die der ABEKING & RASMUSSEN Schiffs- und Yachtwerft SE

Am 7. Oktober 2026 kamen Gäste und Mitglieder der Sektion Oldenburg/Wilhelmshaven zu einer Betriebsbesichtigung bei der ABEKING & RASMUSSEN Schiffs- und Yachtwerft SE zusammen. Der letzte Besuch des Wirtschaftsrates Niedersachsen lag bereits sieben Jahre zurück, wie Hans Schaedla, Vorsitzender des Aufsichtsrates, in seiner Begrüßung bemerkte. Gemeinsam mit seinem Kollegen Matthias Hellmann, CEO des Unternehmens, stellte er die Werft vor.
Die Geschichte von ABEKING & RASMUSSEN reicht bis ins Jahr 1907 zurück. Damals gründeten Henry Rasmussen und Georg Abeking die Werft. Nach dem Ersten Weltkrieg gehörten vor allem Räumboote zum Produktionsportfolio. Die letzte Segelyacht aus Holz wurde im Jahr 1992 produziert. Seitdem konzentriert sich die Werft ausschließlich auf motorisierte Yachten.
Ein wichtiger Schritt in der Entwicklung des Unternehmens war die Erweiterung der Fertigungshalle im Jahr 2015. Dadurch wurde es möglich, Yachten mit einer Länge von bis zu 130 Metern zu bauen. Die Werft selbst ist vergleichsweise kompakt aufgebaut und besteht unter anderem aus mehreren Fertigungshallen, einem Hebewerk und einem Verschiebebahnhof.
Das Unternehmen beschäftigt derzeit rund 600 Mitarbeitende sowie etwa 50 Auszubildende. Dabei spielt die Ausbildung eine wichtige Rolle, da viele spätere Führungskräfte ihren beruflichen Weg im Unternehmen über eine Ausbildung beginnen. Die Werft kann auf die Expertise von rund 150 Ingenieurinnen und Ingenieure zurückgreifen. Dies hängt damit zusammen, dass die Werft sowohl als Entwicklungs- als auch als Ausrüstungswerft tätig ist.
Ein wesentlicher Bestandteil des Portfolios sind Yachten im Premiumsegment. Die Preise für diese Yachten beginnen in der Regel bei etwa 60 Millionen Euro. Da es weltweit vergleichsweise wenige Hersteller von Superyachten gibt, bewegt sich die Werft in einem spezialisierten Markt, auf dem die Nachfrage weiter gut sei.
Neben dem Yachtbau ist ABEKING & RASMUSSEN auch im Bereich des Marineschiffbaus tätig. Zu den produzierten Schiffen gehören beispielsweise Minenjagdeinheiten sowie verschiedene Marinehilfsschiffe. Ein weiteres Geschäftsfeld sind Spezialschiffe. Dazu zählen unter anderem Arbeitsschiffe für Lotsen sowie Mehrzweckschiffe, die für den Einsatz in Nord- und Ostsee vorgesehen sind.
Ein weiterer Schwerpunkt der Besichtigung waren sogenannte SWATH-Schiffe. Das erste Schiff dieser Bauart wurde bei ABEKING & RASMUSSEN bereits 1999 gebaut. Die Konstruktion dieser Schiffe ist technisch anspruchsvoll. Ein wesentlicher Vorteil liegt in ihrer besonderen Unempfindlichkeit gegenüber starkem Seegang. Durch den speziellen Rumpf reagieren SWATH-Schiffe deutlich weniger auf raue See als Schiffe mit einem herkömmlichen Rumpf.
Während des Werftrundgangs konnten Schiffe in unterschiedlichen Bauphasen besichtigen werden. Dabei wurde auch deutlich, dass zunehmend moderne Technologien zum Einsatz kommen. So werden in der Produktion bereits Roboter eingesetzt.
Neben dem Neubau spielt auch die Überarbeitung und Modernisierung bestehender Schiffe eine wichtige Rolle. Ein sogenannter Refit, bei dem ein Schiff umfassend modernisiert und technisch überarbeitet wird, kann dabei etwa drei Jahre dauern.
Die aktuelle geopolitische Lage wirft auch bei ABEKING & RASMUSSEN Schatten. Die veränderte Sicherheitslage führe zu einer steigenden Nachfrage nach Marineschiffen. Die Produktion von Marineschiffen ist gleichzeitig mit besonders hohen Sicherheitsanforderungen verbunden. Dadurch soll unter anderem verhindert werden, dass es während der Fertigung zu Sabotageakten kommt. Glücklicherweise habe es bislang keinen Zwischenfall gegeben.
Der Wirtschaftsrat Niedersachsen bedankt sich bei Hans Schaedla und Matthias Hellmann für die spannenden Einblicke!