Celler Mittagsgespräch mit Polizeidirektor Frank Freienberg

Am 4. November 2025 traf sich die
Sektion Celle des Wirtschaftsrates Niedersachsen zu ihrem traditionellen
Mittagsgespräch. Nach einer kurzen Begrüßung durch Sektionssprecher Dr. Hermann
Schünemann übergab er das Wort an Frank Freienberg, Leitenden Polizeidirektor
und Leiter der Polizeiinspektion Celle.
Freienberg erläuterte die Diskrepanz
zwischen gefühlter und tatsächlicher Sicherheit, gab Einblicke in die aktuelle
Polizeistatistik und stellte neue Projekte der Polizei vor Ort vor. Für das
Jahr 2024 verzeichnete der Landkreis Celle in der Kriminalstatistik einen
Anstieg um rund 10 %, besonders Hoheitsdelikte nahmen zu. Seit der Pandemie
liege deren Zuwachs bei über 30 %. Diese Zahlen bedeuteten jedoch nicht
automatisch eine sinkende öffentliche Sicherheit: Zum einen bildet die
Statistik nur das Hellfeld ab, sprich, mehr Kontrollen können mehr Delikte
sichtbar machen. Zum anderen entfällt ein erheblicher Teil des Anstiegs auf
häusliche Gewalt. Für viele Frauen sei das eigene Zuhause leider nicht der
sicherste Ort.
Sorge bereite zudem die
Jugendkriminalität, insbesondere der Anstieg von Messerdelikten. Freienberg
plädierte hier klar für Prävention vor Repression: Konflikttrainings an Schulen
sollen deeskalierende Kompetenzen stärken und zugleich die Wahrnehmung der
Polizei verbessern.
Ein positives Beispiel für präventive
Ansätze ist die aus Kanada adaptierte Pilotkampagne „Gut gemacht“. Mit ihr kann
die Polizei Kinder und Jugendliche für vorbildliches Verhalten im öffentlichen
Raum auszeichnen – etwa beim Einhalten von Verkehrsregeln oder bei sozialem
Engagement und vergibt hierfür „Gut-gemacht“-Tickets in Form eines Celler
City-Gutscheins über 5 Euro. Ziel ist es, die Beziehung zwischen Polizei und
Jugend zu stärken und ein positives Mindset in der täglichen Polizeiarbeit zu
fördern.
Im Anschluss nutzten die Mitglieder die
Gelegenheit, beim gemeinsamen Mittagessen die Themen zu vertiefen und in den
offenen Austausch zu gehen.
Der Wirtschaftsrat bedankt sich herzlich
bei Polizeidirektor Frank Freienberg für den offenen Austausch und die
aufschlussreichen Einblicke.