"Ist Bauen noch bezahlbar?" – Probleme im ländlichen Raum: Wie halten wir die Menschen in der Region?

Abendveranstaltung der Sektion Oldenburger Münsterland / Emsland

Hohe Baukosten, komplizierte Vorschriften und langwierige Genehmigungsverfahren stellen den Wohnungsbau vor große Herausforderungen. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Wohnraum. Wie sich diese Entwicklung auf die Region auswirkt und welche Lösungen es braucht, diskutierten die Mitglieder und Gäste am 26. Oktober 2026 bei einer Veranstaltung der Sektion Oldenburger Münsterland/Emsland in Haselünne. Zu den Gesprächspartnern gehörten Lutz Brinkmann, MdB, Mitglied des Ausschusses für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen, Dr. Michael Kiehl, Kreisbaurat des Landkreises Emsland, sowie Gerhard Husmann, Finanzberater und ehemaliges Vorstandsmitglied der Volksbank Haselünne eG. Gastgeber waren Stefan Kleimann, Geschäftsführer, und Ralf Schulte, geschäftsführender Gesellschafter der Schulte Bauunternehmen GmbH.


Wie groß der Handlungsbedarf ist, zeigt die Bevölkerungsentwicklung in der Region. Laut dem Wohnraumversorgungskonzept 2025 wird die Einwohnerzahl im untersuchten Gebiet bis 2040 gemäß der aktuellen Prognose der NBank um 10,3% wachsen. Gleichzeitig fehlt es im Emsland an bezahlbarem Mietwohnraum. Hohe Bau- und Grundstückspreise sowie langwierige Genehmigungsverfahren erschweren es zusätzlich, neuen Wohnraum zu schaffen.


Gerade bei den bürokratischen Hürden sieht Ralf Schulte erheblichen Verbesserungsbedarf. Die Erwartungen an die neuen Regelungen des Bau-Turbos seien aus seiner Sicht zu hoch: „Der Bauturbo ist kein Turbo, eher eine Spazierfahrt.“ Damit unterstrich er, dass neue gesetzliche Möglichkeiten allein nicht ausreichen, wenn Verfahren weiterhin kompliziert bleiben. Auch bestehende Baustandards müssten kritisch hinterfragt werden. Der Gebäudetyp E könne beispielsweise dazu beitragen, auf nicht zwingend notwendige Anforderungen zu verzichten und dadurch kostengünstiger zu bauen, ohne die Sicherheit zu vernachlässigen.


Dass mehr Flexibilität bei den Genehmigungen notwendig ist, zeigte sich auch in den Ausführungen von Dr. Michael Kiehl. Zwar gebe es erste Anzeichen einer Erholung bei den Baugenehmigungen, das Niveau früherer Jahre sei jedoch noch lange nicht erreicht. Außerdem bedeute eine erteilte Genehmigung nicht automatisch, dass tatsächlich gebaut werde. Der Bau-Turbo könne den Kommunen zusätzliche Handlungsmöglichkeiten eröffnen, seine Wirkung hänge jedoch maßgeblich von der Umsetzung vor Ort ab. Dafür brauche es klare Abläufe und eine enge Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Bauherren und Bauämtern. Zugleich müssten weiterhin geltende Anforderungen etwa im Umwelt-, Natur- und Denkmalschutz berücksichtigt werden.


Neben den baurechtlichen Rahmenbedingungen bleibt die Finanzierung ein entscheidender Faktor. Gerhard Husmann machte deutlich, dass hohe Bau- und Grundstückspreise den Weg ins Wohneigentum für viele Familien erschweren. Banken prüften, ob das Einkommen ausreiche, um die monatlichen Belastungen dauerhaft zu tragen. Förderprogramme könnten dabei helfen, fehlendes Eigenkapital jedoch nicht vollständig zu ersetzen. Um mehr Menschen den Zugang zu Wohneigentum zu ermöglichen, brauche es daher verständliche und aufeinander abgestimmte Fördermöglichkeiten. 


Für Lutz Brinkmann, MdB, steht darüber hinaus die grundsätzliche Frage im Mittelpunkt, wie in Deutschland wieder mehr gebaut werden könne. Dafür brauche es verlässliche Rahmenbedingungen für Unternehmen und Investoren sowie eine stärkere Anerkennung der Bedeutung von Unternehmertum und privatem Wohneigentum. Zugleich müsse es gelingen, mehr Fachkräfte zu gewinnen und ihnen den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern. Denn attraktive Wohn- und Lebensbedingungen seien auch ein wichtiger Faktor, um Beschäftigte langfristig in der Region zu halten. Dazu gehören neben bezahlbarem Wohnraum auch eine gute Kinderbetreuung, Schulen und eine ausreichende ärztliche Versorgung.


In der Diskussion wurde deutlich, dass es keine einzelne Maßnahme gebe, die alle Probleme löst. Notwendig sind einfachere Vorschriften, schnellere Genehmigungen und verlässliche Finanzierungsmöglichkeiten. Als konkreter Ansatz wurde vorgeschlagen, neue Wege im Wohnungsbau zunächst in einem Pilotprojekt zu erproben und die gewonnenen Erfahrungen für weitere Vorhaben nutzbar zu machen.

Die zentrale Botschaft des Abends: Bezahlbares Wohnen muss wieder leichter realisierbar werden. Dafür braucht es einfachere Regeln, verlässliche Finanzierungsmöglichkeiten und eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten.


Unser herzlicher Dank gilt der Schulte Bauunternehmen GmbH für die Gastfreundschaft sowie allen Gesprächspartnern für ihre fachlichen Impulse und den offenen Austausch.
 

Die Veranstaltung wurde von emsTV begleitet. Den Beitrag finden Sie hier.