Mittagsgespräch der Sektion Osnabrück-Grafschaft Bentheim mit Marc Schattenberg

Beim Mittagsgespräch der
Sektion Osnabrück-Grafschaft Bentheim des Wirtschaftsrates Niedersachsen am 18. März 2026 stand
das Thema „Weltwirtschaftlicher Ausblick“ im Mittelpunkt. Zu Beginn begrüßte Sektionssprecher
Philipp Meyer die Teilnehmenden und führte kurz in die Thematik ein.
Anschließend übernahm Marc
Schattenberg, der sich zunächst vorstellte und seinen beruflichen Werdegang
erläuterte. Er ist im Research-Team der Deutschen Bank tätig und dort
insbesondere für die Bereiche Arbeitsmarkt und Konsum zuständig.
Im weiteren Verlauf ging
Schattenberg auf die aktuellen geopolitischen Entwicklungen ein, insbesondere
auf den Krieg im Iran. In diesem Zusammenhang betonte er die Bedeutung der
Straße von Hormus, durch die rund 20 % der weltweiten Öl- und Erdgaslieferungen
transportiert werde. Aufgrund der anhaltenden Konflikte seien diese
Transportwege derzeit stark beeinträchtigt oder unterbrochen. Die Deutsche Bank
rechne im Falle einer weiteren Eskalation mit einem Ölpreis von bis zu 130 Euro
pro Barrel. Infolgedessen könnten die Inflationsraten perspektivisch auf etwa
4–5 % ansteigen.
Hinsichtlich der deutschen
Wirtschaft sei die Deutsche Bank zunächst optimistisch gewesen. Hintergrund war
ein geplantes Schuldenpaket, das einen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichen
und ein Wachstum von etwa 1,5 % unterstützen sollte. Allerdings werde dieses
Paket nach aktueller Einschätzung kaum für Investitionen genutzt, was die
positiven Effekte deutlich abschwäche. Zusätzlich stelle die demografische
Entwicklung eine Herausforderung dar, da künftig weniger Arbeitsstunden
geleistet werden und dies das Wachstum bremsen dürfte.
Im internationalen Vergleich
wurden die USA als wirtschaftlich dynamischer eingeschätzt, mit einem
erwarteten Wachstum von rund 2,5 %, insbesondere getrieben durch Fortschritte
im Bereich der Künstlichen Intelligenz. In diesem Zusammenhang wurde betont, dass
Deutschland und Europa ihre Kompetenzen im Bereich KI dringend ausbauen
müssten, um in den nächsten drei bis fünf Jahren wettbewerbsfähig zu bleiben.
Gleichzeitig seien jedoch auch die USA von Energieknappheit betroffen.
Auf den Devisenmärkten habe man
ursprünglich mit einer Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar gerechnet.
Seit Beginn des Krieges gewinne jedoch der Dollar wieder an Stärke. Ebenso
würden sogenannte „sichere Häfen“ wie Gold oder der Schweizer Franken an
Bedeutung gewinnen, während Kryptowährungen aktuell eher eine untergeordnete
Rolle spielten.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf
China. Dort sind die Investitionen im Industriesektor leicht rückläufig,
während im Immobiliensektor weiterhin ein hohes Investitionsniveau bestehe.
Zudem verfügt China über strategische Reserven für Öl und Gas, die etwa 100
Tage abdecken könnten – und damit über größere Kapazitäten als Europa und die
USA.
Abschließend wurden die Schwellenländer betrachtet. Besonders Indien wurde im
Vergleich zu China hervorgehoben und als Land mit großen
Entwicklungspotenzialen beschrieben. Für Indien wird ein jährliches
Wirtschaftswachstum von rund 7,5 % erwartet.
Abschließend kam es zu einer
Fragerunde, die sich zu einer lebhaften Diskussion entwickelte. Dabei wurde
deutlich, dass die Mitglieder sowie der Referent eher pessimistisch auf
Deutschland blickten und einen möglichen Kurswechsel für eher unwahrscheinlich
hielten, falls sich nichts Grundlegendes ändere.
Die Sektion Osnabrück-Grafschaft
Bentheim bedankt sich bei Marc Schattenberg für den spannenden Ein- und Ausblick.