Junger Wirtschaftsrat NRW startet Veranstaltungsreihe Unternehmensnachfolge in Bielefeld

Spannende Diskussion in der Bielefelder Braumanufaktur

Gebannt verfolgten
die gut 80 Teilnehmer den Ausführungen auf dem Podium zum Thema
Unternehmensnachfolge in der Bielefelder Braumanufaktur. Eingeladen hatte dazu
der Junge Wirtschaftsrat Nordrhein-Westfalen, dessen Vorsitzender, Ferdinand
Herfeldt, sich über die starke Resonanz sehr freute. In den nächsten 3 Jahren
stünde in einem Drittel aller Unternehmen die Frage der Nachfolge an. Der
persönliche Blick hinter die Kulissen des Generationswechsels bei den Podiumsteilnehmer
begeisterte die Teilnehmer.

Das dies eine
Herausforderung für die Wirtschaft und die Politik werde, sei unverkennbar,
leitete der Moderator: David Embgen als Landesvorstandsmitglied des JWR in die
Podiumsdiskussion ein.

Frau Prof. Dr. Christina Hoon, Inhaberin des Stiftungslehrstuhls Führung von
Familienunternehmen, Universität Bielefeld, sekundierte und führte aus, das OWL
das Land der Familienunternehmen sei. Insgesamt seien es die Familienunternehmen,
die für den Wohlstand Deutschlands verantwortlichen seien. Sie generierten 50 %
aller Umsätze und Beschäftigten. Leider würde diese von der Politik nicht
ausreichend beachtet, obwohl sich in Krise als sehr resilent erweisen und viele
Arbeitsplätze sichern. Familienunternehmen achteten auf Enkelfähigkeit als auf
Quartalszahlen. Aufgrund der Demographie stehen bis zu 150.000 Unternehmen vor
der Übergabe. Sollten sich keine Nachfolgen finden könnten bis zu 1,5 Millionen
Arbeitsplätze gefährdet sein, warnte die Wissenschaftlerin und forderte mehr
Unterstützung durch gute Rahmenbedingungen. Deutschland brauche auch wieder
mehr Unternehmensgründer.

Justin Trockels, Leiter Personal, Kuchenmeister GmbH,
berichte von seinen Erfahrungen bei der Übernahme von Verantwortung im
Familienunternehmen. Ernüchtert stellte er fest, dass man nicht auf die Politik
warte dürfe, sondern man müsse selber handeln, auch wenn die Rahmenbedingungen
besser sein könnten.

Für Alexander Clüsener, Geschäftsführer, Brennerei F.
Dreesbeimdieke GmbH & Co. KG, stellte sich die Frage anders, da sein
Familienunternehmen deutlich kleiner sei als Kuchenmeister. Für ihn hätten sich
die Erfahrungen in anderen Unternehmen, die er gesammelt hatte, positiv
ausgewirkt. Er wünschte sich die normalen Zeit, wie 2019, zurück, da die
Herausforderungen an die Unternehmer deutlich gestiegen sein.

Einig war sich
das Podium, dass die bürokratischen Anforderungen in den letzten Jahren deutlich
gestiegen sein. Prof. Hoon appellierte, dass junge Menschen, besonders auch die
Frauen, den Schritt in die Selbstständigkeit wagen sollten. Angesichts der
demographischen Entwicklung sei dies wichtig. Aber auch bei der Unternehmensübergabe
müsse in den Familien ein mentaler Wechsel von Küchentisch zum Konferenztisch
erfolgen. Unternehmensübergaben müssen professionell und mit klaren Spielregeln
erfolgen.

Diesem pflichtete Sektionssprecher Christoph Harras-Wolff bei und
unterstrich, dass der Wechsel auch eine Chance der Weiterentwicklung des
Unternehmens sei.