Europas Weg zu echter Verteidigungsfähigkeit

Wirtschaftsrat Sektion Düsseldorf
begrüßte im Gespräch mit Herrn Dr. Thomas Enders, der in vergangen Jahren,
Mitglied des Planungsstabes des Bundesministeriums der Verteidigung gewesen ist
und daher Experte in diesem Themenfeld ist. In seinem Vortrag legte der
Gastredner dar, dass Europas Verteidigungsfähigkeit nicht mehr allein durch
nationale Anstrengungen gestemmt werden könne, sondern eine engere Verzahnung
von Politik, Industrie und Gesellschaft auf europäischer Ebene erfordere. Er
betonte, dass multipolare Sicherheitsverschiebungen, technologische Sperrfeuer
und zunehmende Interdependenzen eine gemeinsame europäische Verteidigungsagenda
unabdingbar machen. Deutschland sei jahrelang rüstungstechnisch in die falsche
Richtung gelaufen, wie der andauernde Russland-Ukraine-Krieg beweise.
Ein zentraler Punkt des Vortrags
war die Notwendigkeit einer intensiveren industriellen Zusammenarbeit innerhalb
Europas. Dr. Enders sah in gemeinsamen Beschaffungs- und Forschungsprogrammen
ein Mittel, Kosten zu senken, Standards zu harmonisieren und die europäische
Fähigkeit zu erhöhen, strategisch bedeutsame Technologien zu entwickeln und zu
sichern. Dabei warnte er vor einer bloßen rhetorischen Beteuerung von
Kooperation: Es müsse konkrete Projekte geben, tragfähige Finanzierungsmodelle
und klare Verantwortlichkeiten zwischen EU-Mitgliedstaaten, der Europäischen
Union und der NATO. Nur so lasse sich Vertrauen schaffen und politische
Umsetzbarkeit sicherstellen fügte Lenka Heimöller, Wirtschaftsrat Düsseldorf
hinzu.
Der Präsident der Deutschen
Gesellschaft für Auswärtige Politik hob hervor, dass der Weg zu echter
Verteidigungsfähigkeit nur gemeinsam zu gehen sei—durch klar definierte
Prioritäten, verbindliche Zeitpläne und eine Politik der Entlastung von
Doppelstrukturen. Ziel müsse es sein, Ressourcen zu bündeln, Redundanzen zu
reduzieren und Souveränität durch belastbare, vereinheitlichte Strukturen zu
stärken, ohne dadurch transatlantische Partnerschaften bspw. zu den USA zu
gefährden. Eine Europäische Rüstungskooperation sei möglich, wenn man der
Industrie kein politisches Korsett aufzwingen würde. Eine sogenannte „Coalition of the Willing“ bestehend aus fünf
Kernwilligen europäischen Ländern, darunter Deutschland, Großbritannien und
Frankreich, müsse sich zusammenfinden, so schloss Dr. Thomas Enders den
informativen und spannenden Abendvortrag im Industrie-Club Düsseldorf ab.